Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Hagelversicherung

Unwetter: Darauf sollten Landwirte bei der Hagelversicherung achten

Hagelschaden in einem Maisfeld
am Donnerstag, 01.07.2021 - 08:31 (Jetzt kommentieren)

Auch in diesem Sommer haben Hagelunwetter mehrere 10.000 Hektar landwirtschaftlicher Kulturen zerstört, teilweise bis zum Totalschaden. Viele Landwirte sind gegen Hagel versichert, andere zögern. Wir sprachen mit dem unabhängigen Versicherungsexperten Rudi Lehnert von der Versicherungs- und Rentenberatung Lehnert & Lehnert, worauf es bei der richtigen Hagelversicherung ankommt.

Rudi Lehnert Versicherung Rente

Wann sollte ich mich gegen Hagel versichern?

Eine Hagelversicherung ist immer dann unbedingt anzuraten, wenn ein Hagelschaden für den Betrieb existenzgefährdend werden kann. Die Entscheidung hängt vor allem von der betrieblichen Ausrichtung ab: Ein reiner Ackerbaubetrieb hat ein viel größeres Risiko, erhebliche wirtschaftliche Schäden durch Hagel zu erleiden, als ein Milchviehhalter mit überwiegend Grünland. Der Landwirt muss also beurteilen, wie schwer ihn ein Hagelereignis wirtschaftlich treffen kann.

Im Grunde geht es also um eine kaufmännische Abwägung?

Richtig. Ich muss als Landwirt abwägen, ob ich eher die dauerhaften Kosten einer Versicherung schultere, um eventuellen finanziellen Einbußen durch Hagel vorzubeugen, oder ob ich mir die Prämien spare, dafür aber das Risiko eines unkalkulierbaren Schadens trage.

Welche Rolle spielt die lokale Lage des Betriebes?

Das ist – nach der Existenzgefährdung – das zweite ausschlaggebende Kriterium für die Entscheidung: Wie häufig kamen in meiner Region in den vergangenen zehn bis 15 Jahren Hagelunwetter vor? Landwirte haben für das regionale Wetterrisiko in der Regel aus der Erfahrung heraus ein gutes Gespür. Allerdings verändert der Klimawandel gerade die typischen Wettermuster. Das erschwert die Einschätzung.

Hagelversicherungen werden von vielen Unternehmen angeboten. Lohnt sich ein Blick auf die kleineren regionalen Assekuranzen?

Auf jeden Fall. Die großen Marktführer vereinen zwar ungefähr 95 Prozent der gegen Hagel versicherten Fläche auf sich. Aber auch kleinere Versicherer haben gute Tarife im Angebot. Am Ende zählen die Konditionen und der Preis.

Auf welche Faktoren sollte ein Landwirt beim Angebotsvergleich achten?

Wichtige Kriterien sind der Selbstbehalt und die Schadensquote, ab der die Versicherung für den Schaden einspringt. Auf jeden Fall mit zu Bedenken ist auch, wie hoch die Beitragserhöhung nach einem Schaden ausfällt. Manche Versicherer arbeiten mit einem sogenannten Vorwegrabatt, der bei einer Schadensmeldung aufgehoben wird. Außerdem sollten Sie darauf achten, wer im Ereignisfall den Schaden begutachtet.

Welche Rolle spielt der Gutachter?

Einige Versicherer haben eigene Gutachter, andere setzen unabhängige Sachverständige ein.

Unabhängig klingt gut. Sollte man solche Versicherer bevorzugen?

Nicht unbedingt. Der Gutachter der Versicherung hat eher etwas Verhandlungsspielraum. Das kann von Vorteil sein, wenn es um die Schadenfeststellung geht. Ein unabhängiger, vereidigter Sachverständiger hat keinen Spielraum.

Unwetter: Schäden durch Hagel, Starkregen und Überschwemmungen

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...