Login
Klimawandel und Landwirtschaft

USA: Extreme Kältewelle bringt Farmer in Not

Winter in den USA
am
01.02.2019

Landwirte im Mittelwesten der USA erleben das kälteste Wetter seit Generationen.

Die Temperaturen sind in einigen Bundesstaaten im Mittelwesten zeitweise bis auf minus 40 Grad gefallen. Das ist der Punkt, an dem die Temperaturen in Fahrenheit und Celsius konvergieren.

Cargill, einer der weltweit größten Getreidehändler hat einige seiner Anlagen wegen der extremen Kälte zeitweise geschlossen, sagte Firmensprecherin April Nelson am Mittwoch vor US-Medien.

Auch Archer-Daniels-Midland, der größte Maisverarbeiter, hat aufgrund der Polarkälte einige Getreidesilos im Mittleren Westen dicht gemacht und einige Transportrouten verändert, sagte Jackie Anderson, eine Sprecherin von ADM.

Fleischverarbeiter machen dicht

Traktor im Schneegestöber

Das arktische Wetter veranlasste auch den Fleischgiganten Tyson Foods vorübergehend sechs Betriebe zu schließen, da man sich Sorgen um die Sicherheit von Arbeitern und Tieren machte, teilte das Unternehmen mit. Auch das Schlachtunternehmen Hormel stellte den Betrieb unter anderem in Austin, Minnesota ein.

Das Unternehmen Smithfield Foods ergreift ebenfalls "die notwendigen Vorkehrungen, um die Sicherheit seiner Mitarbeiter und Tiere bei dem extremem Winterwetter zu gewährleisten", teilte Smithfields in einer Erklärung mit. Die Anlagen und Farmen „bleiben jedoch in Betrieb und man setze zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ein.

Verursacht wird die extreme Abkühlung durch einen polaren Wirbel. Diese schob die extrem kalte Luft, die normalerweise um den Nordpol herum rotiert, weit nach Süden in die Vereinigten Staaten.

Tiere und Wintergetreide in Gefahr

Getreide_Schnee.jpg

US-Medien berichten zudem, dass viele Farmer bei der extremen Kälte damit beschäftigt sind, die gefrorenen Wasserrohre und Viehwasserbrunnen wieder aufzutauen. Die Ställe sind oft nicht groß genug, um jedes Tier unterzubringen. Daher werden vor allem neugeborenene Kälber und junge Tiere in Ställen untergebracht, um Todesfälle zu vermeiden.

Derzeit wird erwartet, dass die Temperaturen am Wochenende steigen und es danach erneut extrem kalt wird. Getreidebauern befürchten deshalb, dass die derzeitige Schneedecke durch das Tauen und den erneuten Starkfrost zu Eis werden könnte. Das würden viele Weizenpflanzen nicht überleben.

Die meisten Kulturen (Mais und Soja) werden in den USA allerdings im Frühjahr gepflanzt. Aber der Winterweizen, der in einigen Regionen ebenfalls große Bedeutung hat, dürfte bei erneuter Extremkälte stark gefährdet sein.

Sogar der Dieselkraftstoff friert ein

Kuh auf der winterlichen Alm

Ron Prestage, der Präsident eines der größten Schweineerzeuger in Iowa, berichtete gegenüber dem Nachrichtendienst Reuters, sein Unternehmen habe sich bis Freitag mit zusätzlichem Futter versorgt. Außerdem wird ständig darauf geachtet, dass Heizgeräte und Wasserleitungen in Schweineställen liefen."So kalt wie es wird, sind die Wasserleitungen ein kritischer Faktor", sagte Prestage.

Gleichzeitig schützen Rinderfarmer ihre Ställe mit zusätzlichen Ballen Heu, um den extrem eisigen Wind abzumildern. Auch nachts überprüften viele Farmer ständig ihre Herden, um sich zu vergewissern, dass die Tiere Futter haben und die Wasserspender laufen.

Die US-Farmer sind zwar harte Winter gewöhnt, aber die historisch niedrigen Temperaturen machen es ihnen sehr schwer, zurecht zu kommen. Die extreme Kälte und der schwere Schnee erschweren zudem das Starten und Fahren von Traktoren und Kompaktladern. Auch Dieselkraftstoff beginnt bei der extremen Kälte zu gefrieren, wird von Farmern berichtet.

Die nächste Kältewelle schon im Anmarsch

SchneeAmerika.jpg

Am Donnerstag wurde die niedrigste Temperatur im Bundesstaat Minnesota gemessen. Von dort meldeten Wetterdienste einen Tiefstwert von minus 53 Grad Fahrenheit (minus 47 Grad Celsius). Im Mittleren Westen und in den Great Plains steigen die Temperaturen zum Wochenende hin wieder deutlich an. Das milde Wetter wird jedoch nicht sehr lange dauern.

Ende nächster Woche wird eine weitere extreme Kältewelle erwartet. Der erneute Temperatursturz dürfte dann vor allem den Winterweizen von Nebraska bis nach Ohio gefährden. Landwirte müssen außerdem Wege finden, um Erfrierungen bei ihren Rindern zu vermeiden und sie mit ausreichend Futter und Wasser zu versorgen.

Ältere Rinder, mit dickem Fell, sind selbst bei diesen kalten Temperaturen ziemlich widerstandsfähig, berichten Farmer gegenüber US-Medien. Junge Kälber und Jungtiere sind jedoch in Gefahr.

Auch interessant