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Flutkatastrophe und Aussaat

USA: Farmer kämpfen gegen die Flut

Überflutung Missouri River
am Freitag, 05.04.2019 - 05:00

Die Flut ist für viele betroffene Farmer existenzbedrohend. Bereits im vorigen Jahr befanden sich die Farm-Insolvenzen auf 10Jahreshoch. Die Auswirkungen der Überflutungen auf die Gesamtfläche von Mais und Soja ist jedoch kleiner als befürchtet.

Die katastrophalen Überschwemmungen haben große landwirtschaftliche Flächen im Mittleren Westen der USA verwüstet. Die Bundesstaaten Nebraska und Iowa sind am schlimmsten betroffen. Aber auch in Missouri, South Dakota, Illinois und Wisconsin sind die Schäden groß. Die Fluten sind immer noch in Richtung Süden unterwegs. Hinzu kommt, dass der Schnee im Norden weiter schmilzt.

Zudem kündigen Wetterdienste zusätzlichen Regen an. Die Schäden werden im Mittleren Westen nach derzeitigen Schätzungen wohl 3 Milliarden US-Dollar übersteigen. Bislang sind jedoch nicht alle Schadensfälle bekannt und auch die Höhe der Viehverluste ist unklar. In Nebraska werden immer wieder Rinder an die Flussufer gespült und in Iowa sind überflutete Schweineställe nicht erreichbar. Außerdem sind viele Silos mit unbrauchbarem und kontaminiertem Getreide gefüllt.

Farm-Insolvenzen auf 10Jahreshoch

Die Verwüstung kommt zu einem schlechten Zeitpunkt für amerikanischen Farmer. Diese haben bereits mit niedrigen Rohstoffpreisen und den Folgen des Handelskrieges mit China zu kämpfen. Das American Farm Bureau meldete, dass die Insolvenzen der Mittleren Westen im Jahr 2018 um 19 Prozent gegenüber 2017 gestiegen sind. Dies ist der höchste Stand seit zehn Jahren.

Diese Zahlen wecken bei vielen Farmern Erinnerungen an die schlimme Krise der 1980er Jahre. Neben den Verlusten von Silogetreide, Vieh und Sachwerten haben viele Farmer kaum die Chance die Frühjahrssaat in den Boden zu bekommen. In Iowa sind jedoch 90 Prozent der bestellbaren Anbauflächen durch die Federal Crop Versicherung abgedeckt.

Eine typische Police zahlt 55 bis 60 Prozent des bestätigten Schadens, wenn eine Aussaat nicht möglich ist. Diese Versicherung deckt jedoch nicht den Verlust von bereits geerntetem Getreide ab, das in jetzt gefluteten Silos gelagert wird.

Auswirkungen auf Gesamt-Aussaatflächen sind moderat

Überflutung Missouri River

Auf die gesamte US-Ernte von Mais, Soja und Weizen könnten sich die immensen Schäden jedoch nicht so stark auswirken, wie das die Märkte zunächst befürchtet haben. Bei normalem Wetter und Erträgen hätte die Flut auf die Produktion der beiden am meisten angebauten Kulturen der USA (Mais und Soja), aufgrund der landesweit sehr großen Anbaufläche, nur einen relativ begrenzten Einfluss.

Die US-Farmer beabsichtigen in diesem Frühjahr insgesamt 71,8 Millionen Hektar Mais und Sojabohnen anzubauen, meldete das USDA in seinem jährlichen Prospective Plantings Report am vorigen Freitag. Die Überschwemmungen von Ackerland betreffen nach derzeitigen Schätzungen etwa 202.000 Hektar in Iowa und West-Nebraska und insgesamt 450.000 Hektar im gesamten Mittleren Westen.

Wenn die Landwirte also ihre Pläne zur Aussaat von 37,5 Millionen Hektar Mais und 34,3 Millionen Hektar Sojabohnen befolgen, würden sie die bislang zweitgrößte Maisernte und die viertgrößte Sojabohnenernte einbringen. Die überfluteten Flächen fielen für die Gesamternte von Mais und Soja also kaum ins Gewicht.

Katastrophenjahr 1993 war viel schlimmer

Wetterexperten der US-Regierung erwarten jedoch, dass zusätzlicher Frühlingsregen und schmelzender Schnee aus den nördlichen Bundesstaaten die Überschwemmungen in diesem Frühjahr zeitlich ausdehnen werden. Laut National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) ist das Risiko von starken Überschwemmungen in den oberen Einzugsgebieten des Missouri und des oberen Mississippi weiterhin am größten.

Das bislang schlimmste Hochwasser von 1993 gilt dabei als Maßstab für die Beurteilung der Hochwasserverluste im Missouri und Mississippi-Becken. "Das Ausmaß und die Schwere dieses Flutereignisses waren einfach überwältigend. Es gilt als eine der größten Naturkatastrophen, die jemals die Vereinigten Staaten getroffen hat", sagte der NOAA-Hydrologe Lee Larson.

Die Schäden beliefen sich damals auf 15 Milliarden US-Dollar. Außerdem waren 6,1 Millionen Hektar Ackerland überschwemmt und damit ein Vielfaches der Fläche aus diesem Jahr.

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