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Aussaat und Ernte 2019

USA: Flutwelle vernichtet Getreide und Viehbestände

Flut Felder
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
01.04.2019

Die Überflutungen im Mittleren Westen der USA sind verheerend. Noch immer sind die ökonomischen Folgen für die Farmer nicht abzusehen.

Dabei geht es nicht nur um die überfluteten Aussaatflächen von Mais, Soja und Sommerweizen. Die Frühjahrsbestellung dürfte sich mindestens verzögern bzw. wird in vielen Regionen offenbar komplett ausfallen.

Auch viele Getreidesilos, Saatgutlager, Ethanolfabriken und Viehställe stehen weiter unter Wasser oder wurden zerstört. Das Lagergetreide wurde häufig durch die Fluten verdorben und muss vernichtet werden. Viele Tiere sind ertrunken und die Kadaver müssen möglichst schnell entsorgt werden. Die Aufräumarbeiten nach den Fluten werden wohl noch lange dauern.

Der US-Senat hatte in der vorigen Woche in einer Testabstimmung mit überwältigender Mehrheit rund 13,5 Milliarden USD Katastrophenhilfe befürwortet. Ganz besonders von der Flut betroffen sind bisher die Staaten Iowa, Nebraska, Missouri und Kansas.

Noch ist die Flut nicht zu Ende

Flut Felder

Noch wissen Farmer und Behörden nicht, wie viel Getreide, Silos und Tiere durch die bisherigen Überschwemmungen vernichtet, beschädigt oder zerstört wurden. Da werden bereits weitere Überflutungen angekündigt. „Es noch nicht vorbei. Es gibt eine Menge Wasser, dass den Missouri River durchfließt und auf einen sehr schnell steigenden Mississippi River trifft “, sagte Charles Hurburgh von der Iowa State Unversity.

Auch der Schnee in Wisconsin und Minnesota schmilzt in dieser Woche. Im Norden von Illinois und im Süden von Wisconsin wird deshalb ebenfalls mit erheblichen Überschwemmungen gerechnet. Dieses Wasser wird dann ebenfalls in den Mississippi River fließen, sagte Hurburgh. US-Wetterdienste hatten brichtet, dass die Temperaturen in den nördlichen Bundesstaaten mittlerweile 19 Grad Celsius erreichen und der noch vorhandene Schnee sehr schnell schmilzt.

Weiter südlich, in New Orleans, testen Getreidehändler und Farmer deshalb seit Wochen Pumpstationen an ihren Silos. Dort wird erwartet, dass in den nächsten zwei bis drei Wochen rekordverdächtige Wassermassen durch den Mississippi River fließen. Entlang des Mississippi befindet sich sehr viel Getreide in kommerziellen Lagern. Es gibt einfach keinen Platz für das viele Wasser “, sagt dazu Charles Hurburgh von der Iowa State University.   

Gewaltige Folgeschäden für die Farmer

Flut Felder

Auch wo die Fluten zurückgehen, haben die Farmer massive Probleme. Ein Problem ist die Entsorgung des verdorbenen Getreides entsprechend den staatlichen Auflagen. Nach Angaben der Iowa State University kann das durch Flutwasser geschädigte Getreide nicht verkauft oder verfüttert werden. Das sind für viele Landwirte erhebliche Verluste.

Nicht verdorbenes Getreide kann ebenfalls nur nach spezieller Kontrolle und Zulassung verkauft werden. Die Farmer wurden außerdem von den Behörden aufgefordert, ihre durch Flut beschädigten Silos zu reparieren und zu reinigen. Diese müssen dann von professionellen Bauingenieuren auf ihre Funktionsfähigkeit begutachtet und freigegeben werden.

Am Freitag hatte das USDA in seinem "Quarterly Grain Stocks Report" Schätzungen zu den Mais- und Sojabohnenbeständen auf den Farmen und im Handel abgegeben. Dort waren die Verluste durch die Überflutung aber noch nicht berücksichtigt. Die Daten wurden mit Stand vom 1. März erhoben. Die Maisbestände waren in danach 3 Prozent niedriger als vor einem Jahr, die Sojabestände hingegen 29 Prozent höher und die Weizenbestände waren 6 Prozent größer als im Vorjahr. 

Keine Ernte auf vielen Flächen möglich

Farmer und Behörden befürchten zudem, dass auf vielen Flächen die sich noch unter Wasser befinden wahrscheinlich keine Ernte 2019 geben wird. Der Flut hinterlässt Trümmer, Schlick und Sand, was zunächst alles entfernt werden muss. Die Ablagerungen können von Treibholz und Gesteinen bis zu gefährlichem Glas und scharfem Metall reichen.

Einige Farmer vergleichen die Schäden mit den massiven Überschwemmungen des Missouri River aus dem Jahr 2011. Viele Farmer in den Überflutungsgebieten haben mittlerweile kaum noch Hoffnung, in diesem Jahr eine normale Ernte einzubringen.

Die Viehhalter müssen zudem die Kadaver der ertrunkenen Tiere zur Schlachtkörperbeseitigung bringen. Die Zahl der verlorenen Tiere ist allerdings noch nicht ermittelt. Die Flutwellen trafen zahlreichere Schweine- und Geflügelställe und Feedlots. Zudem trat die Flut mitten in der Kalbezeit im Mittleren Westen auf.

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