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Verbraucher und Landwirtschaft

Verbraucher glauben, Bauern verdienen viel mehr Geld

AF_Gemüse
am Montag, 29.06.2020 - 11:17 (1 Kommentar)

Verbraucher schätzen das Einkommen von Bauern viel höher ein, als es wirklich ist.

Bio-Lebensmittel

Das ergab eine Online-Befragung in den Niederlanden. Dabei befragte die niederländische Agrar-Handelsgenossenschaft Agrifirm knapp 13.000 Personen und untersuchte dabei das Preisbewusstsein der niederländischen Verbraucher. Ziel der Befragung war es, die Verbraucher auf die Einkommensverteilung in der Lebensmittelkette aufmerksam zu machen.

Die Untersuchung ergab, dass der Preis, den der Landwirt für seine Produkte erhält, von den Verbrauchern erheblich überschätzt wird. Im Durchschnitt wurde das Einkommen der Landwirte um fast 50 Prozent höher eingeschätzt als es wirklich ist.

"Agrifirm hat diese Kampagne gestartet, um die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass wir mit all den Anforderungen, die wir an unsere Lebensmittel stellen, enormen Druck auf unsere Landwirte ausüben", sagte Dick Hordijk, der Chef von Agrifirm. "Unsere Kampagne soll den Verbrauchern ein besseres Verständnis der Lebensmittelkette vermitteln."

Wertschätzung für Lebensmittel erhöhen

Lebensmittel

Ziel von Agrifirm war es, mit dieser Aktion die Wertschätzung für heimische Lebensmittel erhöhen. „In den letzten Jahren haben niederländische Landwirte sehr viel in Tierschutz und Nachhaltigkeit investiert, während der Preis für ihre Produkte kaum gestiegen ist. In Zukunft werden jedoch noch strengere Auflagen verhängt. Landwirte können und wollen diese Auflagen einhalten, vorausgesetzt, sie erhalten einen fairen Preis für ihre Produkte,“ heißt es in der Auswertung durch Agrifirm.

Die Befragung wurde in sozialen Medien über Instagram und Facebook durchgeführt und richtete sich an Personen zwischen 20 und 65 Jahren, die keine direkte Verbindung zur Landwirtschaft hatten. Geschätzt wurde zum einen der durchschnittliche Marktpreis für die Bauern und zum anderen der Supermarktpreis.

Agrifirm-Chef Dick Hordijk erklärte die Zielstellung folgendermaßen: "Wir hoffen, einen Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Folgen der niedrigen Lebensmittelpreise zu leisten." Der von Agrifirm ermittelte Supermarktpreis eines Produktes wurden aus dem Durchschnittswert von verschiedenen Supermärkten berechnet. Der Preis des Landwirts war der Marktpreisdurchschnitt eines ganzen Jahres, um saisonale Auswirkungen oder zufällige Spitzen oder Preissenkungen auszugleichen.

„Natürlich gibt es auch Landwirte, die mehr als den von uns angegebenen Preis erhalten“, sagte Agrifirm. Zum Beispiel aufgrund guter Kundenvereinbarungen, besonderer Konzepte oder bei Extra-Preisaufschlägen etwa für Tierwohl oder Weidemilch. Es ging jedoch um das durchschnittliche Preisbild in der Branche. Die Umfrage enthielt Preise für neun verschiedene landwirtschaftliche Produkte. Das waren Blumenkohl, Birnen, Kartoffeln, Karotten, Eier, Geflügel, Schweine-Kotelett, Rinder-Steak und Bauernkäse.

Einkommen werden deutlich höher eingeschätzt

Das Ergebnis war: Die Teilnehmer der Studie schätzen die Einnahmen der Bauern wesentlich zu hoch ein, im Vergleich zu dem, was niederländische Landwirte und Erzeuger tatsächlich für ihre Produkte bekommen. Besonders auffällig waren die Ausreißer der geschätzten Erzeugerpreise unter anderem bei Karotten: geschätzt er Preis 57 Cent, tatsächlicher Erzeugerpreis 15 Cent, bei Hühnchen: geschätzt auf 1,36 Euro, tatsächlicher Preis 0,80 Euro pro Kilo, Koteletts: geschätzt auf 3,28 Euro pro Kilo, in Wirklichkeit 1,76 Euro und Rinder-Steak: geschätzter Preis 7,47 Euro pro Kilo, tatsächlicher Preis für den Landwirt 4,66 Euro.

Bei der Einschätzung der Erzeugerpreise gab es keine geografischen Unterschiede. Die gleichen Abweichungen kamen außerdem in städtischen und in den ländlicheren Gebieten vor. Die Alterskategorie scheint ebenfalls keinen Einfluss auf die Preiswahrnehmung zu haben. Auffällig war hingegen, dass Frauen das Einkommen der Landwirte deutlich höher einschätzen. Die Frauen überschätzten die Erzeugerpreise durchschnittlich um 56 Prozent und Männer durchschnittlich um 39 Prozent.

"Diese Untersuchung ist ein erster Schritt, um die Verbraucher für den Preis zu sensibilisieren, den ein Landwirt für sein Produkt erhält", sagt Hordijk. "Die Fortsetzung der Kampagne soll zeigen, wie Landwirte Lebensmittel produzieren und was für Themen wie Artenvielfalt, Tierschutz und Lebensmittelqualität tun", erklärt der Agrifirm-Direktor. Die niederländische Regierung und die Verbraucher stellen zunehmend Anforderungen an die niederländischen Landwirte.

Die strukturellen Maßnahmen im Bereich Nachhaltigkeit und Tierschutz werden kontinuierlich verschärft, während sich die Einkommen der Landwirte sich seit Jahren nicht erhöht haben, heißt es weiter. Dabei geht es zum Beispiel um mehr Weidehaltung für die Kühe, mehr Stallplatz für Schweine und Einschränkungen bei der Verwendung von Düngemitteln. "Um in die Nachhaltigkeit des Agrarsektors zu investieren, sind aber bessere Einkommen der Bauern erforderlich", sagt Hodijk.

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