Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Ökolandbau in Deutschland

Ökolandbau: Wie viele Tiere halten die Ökobauern wirklich? Die Fakten

rinderhaltung.
am Mittwoch, 01.09.2021 - 10:46 (3 Kommentare)

Die Zahl der ökologisch gehaltenen Tiere nimmt zu. Ihr Anteil am Tierbestand ist jedoch sehr klein. Die Preise sind aber hoch.

ökotierhaltung.

Tierhalter stehen ökonomisch und politisch massiv unter Druck. Viele Betriebe mussten die letzten Jahre aufgeben. In Ökobetrieben ist es umgekehrt, sagen das Statistische Bundesamt bei der Auswertung der Landwirtschaftszählung 2020.

Danach hat die Zahl der Öko-Tierhalter in den letzten vier Jahren um rund 25 Prozent zugenommen – die Anzahl der ökologisch gehaltenen Tiere ist sogar um fast 30 Prozent gewachsen. Dabei hat Destatis allerdings den Geflügelbestand mitgezählt. Dort lag das Bestands-Plus bei 31 Prozent.

Trotzdem: Das sind zunächst einmal beeindruckende Daten. Doch schaut man sich die Zahlen genauer an, so relativiert sich so mancher Wert. Ein Beispiel macht das deutlich: Obwohl der ökologisch gehaltene Schweinebestand von 2016 bis 2020 um rund 12 Prozent zugenommen hat – stehen gerade einmal 0,8 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine in den Ställen von Ökobauern. Die Preise für Ökoschweine sind zwar mit rund 3,85 Euro je kg Schlachtgewicht sehr hoch – doch der Markt ist (wohl auch wegen der hohen Preise) extrem klein.

Etwas besser sieht es in der Haltung von Ökorindern aus – was  vor dem Hintergrund von Mutterkuhhaltung und extensiver Weidemast auch verständlich ist. Außerdem ist die die Ökomilcherzeugung eines der größten Marktsegmente in der Ökolandwirtschaft. Dort fallen natürlich regelmäßig Schlachtkühe an. Fakt ist: Der ökologisch gehaltene Rinderbestand hat von 2016 bis 2020 um rund 24 Prozent auf knapp 8 Prozent des Gesamtrinderbestandes zugenommen.

Bei Schafen werden derzeit 13,5 Prozent der Tiere nach ökologischen Kriterien gehalten und bei Hühnern sind es 5,2 Prozent.

Nicht einmal 1 Prozent sind Ökoschweine

ökoschweine.

Noch einmal zurück zu den Ökoschweinen. Hier melden die Statistiker, dass etwa 5 Prozent aller Schweine haltenden Betriebe ökologisch wirtschaften. Diese halten jedoch nur 0,8 Prozent des gesamten Schweinebestandes. Auf den Höfen der Ökobauern stehen im Schnitt rund 136 Schweinen in den Ställen. Das sind deutlich weniger als in den konventionell wirtschaftenden Betrieben mit 861 Schweinen.

Die Preise für Ökoschweine sind mit durchschnittlich 3,85 Euro je kg Schlachtgewicht und fast 150 Euro für ein 28-kg-Ferkel zwar deutlich höher als im konventionellen Bereich – die Kosten sind es aus verschiedenen Gründe aber auch.

Wo sind denn aber die Hochburgen der ökologischen Schweinehaltung in Deutschland? In den beiden Bundesländern mit den meisten Schweinhaltern und den mit Abstand den größten Schweinebeständen – Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – jedenfalls nicht. Dort werden nach den Angaben von Destatis nur jeweils 0,4 Prozent aller Schweine nach ökologischen Kriterien aufgestallt.

In Schleswig-Holstein sind immerhin 1,5 Prozent und in Bayern 1,2 Prozent des Bestandes Ökoschweine. Am höchsten ist der Anteil der Bioschweine am Gesamtbestand in Hessen, Rheinland-Pfalz und in Mecklenburg-Vorpommern – mit 2,5 Prozent bis 3,3 Prozent des Gesamtbestandes.

Die meisten Betriebe, die sich mit der Haltung von Ökoschweinen befassen, weist die Statistik allerdings in Bayern und Baden-Württemberg aus. In absoluten Zahlen: Etwas mehr als 500 bzw. 300 Betriebe.

In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen arbeiten immerhin 120 und 150 der dort aktiven Schweinehalter nach ökologischen Vorgaben. Das sind etwa 2 Prozent der vorhandenen Betriebe – während es in Bayern 6,5 Prozent sind und in Baden-Württemberg sogar 7,5 Prozent.

Öko-Rinder mit höherem Marktanteil – Preisabstand aber geringer

ökorinder.

Die ökonomische Bedeutung der Rinderhaltung ist in der Ökolandwirtschaft offenbar ungleich größer als die der Schweinehaltung. Insgesamt wirtschaften 12,6 Prozent aller rinderhaltenden Betriebe nach ökologischen Kriterien und halten etwa 7,6 Prozent des gesamten Rinderbestandes. Die durchschnittliche Tierzahl in einem Rinderökobetrieb liegt nach Angaben von Desatatis bei 66 – im Vergleich zu 110 Tieren in der konventionellen Haltung.

Auffallend ist auch: Die Preisdifferenz zwischen öko und konventionell ist bei Rindern deutlich kleiner als bei Schweinen. Allerdings sind die konventionellen Rinderpreise im Moment auch besonders hoch: So bekommen die Landwirte für Jungbullen der Handelsklasse R derzeit 4,03 Euro je kg Schlachtgewicht – und die Ökobauern erlösen 4,60 Euro je kg. Bei R-Färsen liegt die aktuelle Preisrelation bei 3,89 zu 4,37 Euro je kg und bei O3-Kühen bei 3,41 zu 4,22 Euro je kg SG. Dazu muss man aber sagen, dass sich die konventionellen Rinderpreise derzeit auf einem Mehrjahreshoch befinden.

Letzte Frage: Wo sind die Hochburgen der ökologischen Rinderhaltung? Destatis sagt: In Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen und Rheinland-Pfalz – mit einem Anteil am Gesamtrinderbestand des Landes von jeweils mehr als 10 Prozent.

In absoluten Zahlen sieht die Sache etwas anders aus: Die meisten Biorinder – fast 280.000 Stück – stehen nämlich in Bayern, mit einem Anteil von 10 Prozent am bayerischen Gesamtrinderbestand – darunter sind natürlich viele Milchkühe, denn Bayern ist der mit Abstand größte Biomilcherzeuger unter den deutschen Bundesländern.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...