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Landwirtschaft und High Tech

Was wäre, wenn Bill Gates dein Nachbar wäre – also als Landwirt

Farmland USA.
am Freitag, 12.03.2021 - 12:47 (Jetzt kommentieren)

Bill Gates ist der größte Landwirt der USA. Doch was will er mit dem vielen Land, fragen sich nicht nur die Farmer. Welche langfristigen Ziele verfolgt der High-Tech-Milliardär? Geht es um ein Testfeld für die Landwirtschaft der Zukunft?

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Bill Gates ist der größte Besitzer von Farmland in den USA. Diese Flächen verteilen sich über mehr als ein Dutzend Bundestaaten – und viele Farmer fragen sich verwundert, was der High-Tech-Milliardär mit den riesigen landwirtschaftlichen Flächen vorhat. Denn: Gutes Ackerland ist auch in den riesigen USA knapp – und die Bodenpreise steigen derzeit steil an.

Hinzu kommt: Bill Gates hat in etlichen Fällen deutlich höhere Preise gezahlt als die ortsansässigen Farmer zahlen konnten – und die Landwirte damit aus dem Markt gedrängt. Was ist aber nun das Ziel des größten Landwirtes der USA, der sich neben seinen landwirtschaftlichen Projekten auch sehr stark in der „alternativen Landwirtschaft“ engagiert? – Dazu gehört auch sein Ziel, dass die reichen Industrieländer ihren Fleischkonsum künftig nur noch auf der Grundlage von synthetischen Fleischprodukten bestreiten sollten.

Auch in Projekten der sogenannten "nachhaltigen Landbewirtschaftung" steckt sehr viel Geld von Bill Gates – allerdings in großen Gesellschaften oder Organisationen, die sich nur ungern in die Karten schauen lassen. Nicht zuletzt vermuten viele Farmer und auch Kommentatoren in den USA, dass es einfach auch eine Geldanlage ist - wie etwa auch bei Warren Buffet oder Jeff Bezos – die mehr Rendite bringt als viele andere Anlagenformen.

Warren Buffett, dessen Nettovermögen etwa 85 Milliarden US-Dollar beträgt, sagt jedenfalls, dass der Kauf von Ackerland außerhalb seiner Heimatstadt Omaha, Nebraska, eine seiner ursprünglichen, ältesten und besten langfristigen Investitionen war.

USA: Landkäufe im großen Stil – aber nicht transparent

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Landwirte wissen, dass bei Ackerlandverkäufen hierzulande meist nur wenige Hektar den Besitzer wechseln. In den USA ist das nicht viel anders – zeigen die Statistiken. Für größere Fläche sind die benötigten Summen für den normalen Landwirt meist viel zu groß. Das heißt auch: In den USA sind große Transaktionen mit mehreren hundert oder tausend Hektar sehr selten.

Verkäufe von mehr als 1000 Arces (405 Hektar) werden als "Blue-Moon-Ereignisse", bezeichnet. Die Zeitschrift Land Report hatte herausgefunden, dass Bill Gates letzter Einkaufspreis bei 12.000 US-Dollar pro Acres in Benton County, Washington, für insgesamt 171 Millionen US-Dollar lag. Das ist ein Stange Geld und liegt für viele Farmer außerhalb ihrer Vorstellungen und Möglichkeiten.

Die Landbesitzungen von Bill Gates verteilen sich zudem auf zahlreiche Bundesstaaten. Dazu gehören große Gebiete in Illinois, Iowa, Louisiana, Kalifornien und in etwa einem Dutzend anderer Bundesstaaten. Mit der Anbaufläche des US-Bundesstaates Washington und anderen kürzlich in sein Portfolio aufgenommenen Bereichen besitzt Gates jetzt mindestens 242.000 Acres (das sind knapp 100.000 Hektar) amerikanisches Ackerland.

Doch am Tor der Farm wird nicht stehen, dass Bill Gates der Eigentümer ist. Vielmehr gehört das Land dann der Cascade Investment Group oder der Cottonwood Ag Management – Gesellschaften, die Bill Gates zu diesem Zweck gegründet hat. Und dann ist Bill Gates wahrscheinlich doch der Nachbar des betreffenden Farmers.

Werden Bill Gates' Farmen ein Testfeld für Hightech-Landwirtschaft?

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Vor diesem Hintergrund könnte man annehmen, dass Bill Gates beabsichtigt, seine 100.000 Hektar Farm zum weltweit größten Testfeld für Agrar-, Lebensmittel- und klimabezogene Techniken und Technologien zu machen. Die New York Post fragte in einem Beitrag: "Die Leute wollen wissen, warum will Bill Gates all dieses Land?" Dort wird angenommen, dass er die Landwirtschaft "im Alleingang" neu erfinden will.

Doch es wird auch darauf hingewiesen, dass Herr Gates in ein diversifiziertes Portfolio investiert. Ein weiterer Grund der genannt wird, ist, dass „Ackerland eine bemerkenswert konstante Fähigkeit zur Absicherung gegen Inflation hat. Ein Unternehmenssprecher von Cascade Investment hatte es auf Nachfrage von Journalisten jedoch abgelehnt, sich zu bestimmten Landkäufen oder deren Zweck zu äußern, mit der Ausnahme, dass es um die Unterstützung und Durchführung einer „nachhaltigen Landwirtschaft“ geht.

Cascade ist jedoch nicht nur der Eigentümer von riesigen Ackerflächen, sondern das Unternehmen investiert auch große Summen in pflanzliche Proteinhersteller wie Beyond Meat oder Impossible Foods. Darüber hinaus haben die Gates sich über die private Bill & Melinda Gates Foundation bei einer Vielzahl von Agrar-Startups engagiert – wie etwa den Pflanzenschutzunternehmen AgBiome oder dem Fleischproduzent Memphis Meats.

Bill Gates hat zudem die Führung bei Breakthrough Energy Ventures (BEV) inne, einem Fonds, der sich auf Lösungen für den Klimawandel konzentriert – und bei dem auch zahlreiche andere Tech-Milliardäre beteiligt sind.

Gates: 100 Prozent synthetisches Fleisch ist möglich

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Verschiedene Agrar-Unternehmen und Umweltverbände arbeitet zudem daran, Standards für eine nachhaltige Landwirtschaft unter dem Dach der Firma Leading Harvest zu entwickeln. Die mit Gates verbundene Cottonwood Ag ist eines der Gründungsmitglieder. Leading Harvest plant eine Art Nachhaltigkeits-Gütesiegel, das bestätigt, dass ein bestimmter Betrieb die Umweltstandards erfüllt.

„In Zukunft werden die Landwirte für Nachhaltigkeit bezahlt“, glaubt Bruce Sherrick, Professor für Agrarökonomie an der Universität von Illinois, der auch im Vorstand der Gruppe sitzt.

Es wird Anreize geben, beispielsweise weniger Wasser, weniger Chemikalien einzusetzen und mehr Kohlenstoff zu speichern. In seinem neuen Buch "Wie man eine Klimakatastrophe vermeidet" beschreibt Bill Gates, was aus einer Sicht nötig ist, um die Treibhausgasemissionen zu senken, die den Klimawandel antreiben.

Dort erklärt Gates, warum die Aufzucht von Rindern schädlichere Emissionen verursacht als andere Formen der Landwirtschaft. Er hofft, dass pflanzliche Ersatzstoffe es uns ermöglichen werden, „das Fleischessen zu reduzieren und gleichzeitig den Geschmack von Fleisch zu genießen“. Gates sagt: „Ich denke, alle reichen Länder sollten auf 100 % synthetisches Rindfleisch umsteigen.“

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