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Corona-Krise und wirtschaftliche Folgen

Weltbank: Crash der Rohstoffpreise – ein globaler Schock

Lebensmittel Verladung
am Mittwoch, 29.04.2020 - 09:50 (1 Kommentar)

Der wirtschaftliche Schock der COVID-19-Pandemie hat die globalen Rohstoffpreise abstürzen lassen. Dieser Schock wird im gesamten Jahr 2020 zu wesentlich niedrigeren Rohstoffpreisen führen, schreibt die Weltbank in ihrem aktuellen Rohstoffmarkt-Ausblick.

Globale Rohstoffpreise

Am stärksten von dem plötzlichen Stopp der globalen Wirtschaftstätigkeit betroffen sind die Energierohstoffe.Trotz der zunächst nur relativ geringen Auswirkungen auf die Agrarrohstoffe, können die Störungen der Lieferketten und die Maßnahmen der Regierungen zur Einschränkung von Exporten sowie zum Aufbau Lagerbeständen am Ende jedoch ebenfalls zu heftigen Preisturbulenzen führen, schreiben die Bank-Analysten in ihrer Studie.

Die Weltbank befürchtet außerdem, dass die Ernährungssicherheit durch die aktuellen Maßnahmen und Entwicklung gefährdet sein könnte, heißt es in dem Bericht. Die Pandemie hat sowohl die Nachfrage als auch das Angebot von Rohstoffen massiv beeinflusst, schreibt die Weltbank in der April-Ausgabe ihres Commodity-Outlook-Berichtes.

Diese Auswirkungen waren in vielen Ländern unmittelbar zu spüren, denn sie resultieren aus Stillständen der Wirtschaftsabläufe, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Doch sie wirken auch längerfristig, da die Produktionsstörungen das Wirtschafts-Wachstum massiv unterbrechen und zu der voraussichtlich schwersten globalen Rezession seit vielen Jahrzehnten führen.

Können sich die Agrarpreise halten? – wohl eher nicht

Reissäcke

Die Weltbank schreibt in ihrem Ausblick außerdem: Die Agrarpreise sind weniger an das globale Wirtschaftswachstum gebunden als die Energiepreise und die übrigen Rohstoffe. Deshalb sind die Agrarpreise im ersten Quartal 2020 nur geringfügig zurückgegangen. Die Weltbank-Analysten erwarten zudem, dass die Agrarpreise im gesamtem Jahr 2020 vergleichsweise stabil bleiben, da das Produktionsniveau und die Lagerbestände der meisten Grundnahrungsmittel  – wie etwa Weizen oder Reis – auf Rekordhöhe liegen.

Diese Einschätzung scheint zumindest fragwürdig. Geht man nämlich einmal zur letzten globalen Rezession zurück – also zur globalen Finanzkrise – sieht man dass auch die globalen Agrarpreise im Verlauf der Krise knapp 30 Prozent gefallen sind – während die Energiepreise im gleichen Zeitraum um zwei Drittel abstürzten. Das zeigt, dass die Agrarpreise im Verhältnis zu den Energiepreisen zwar weitaus widerstandsfähiger waren – aber dennoch der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung folgen. Also scheint die Prognose der Weltbank – was die Agrarmärkte betrifft – vor dem Hintergrund bisheriger globaler Krisen vielleicht doch etwas zu optimistisch.

Allerdings weisen die Weltbank-Analysten ausdrücklich darauf hin: Dass die Produktion von Agrarrohstoffen durch Störungen des Handels und der Verteilung von Betriebsmitteln wie Dünger, Pflanzenschutz und auch bei der Verfügbarkeit von Arbeitskräften negativ beeinflusst werden könnte. Weiter heißt es: Störungen der Lieferketten haben bereits die Exporte verderblicher Produkte wie etwa Blumen, Obst und Gemüse aus  verschiedenen Schwellen- und Entwicklungsländern erheblich beeinträchtigt.

Auch an anderen Märkten – wie etwa Milch und Fleisch – ist es zumindest regional bereits zu erheblich Störungen der Marktabläufe gekommen – mit teils sehr negativen Folgen für die Preise dieser Produkte. Betroffen sind neben Milch vor allem Rindfleisch und zunehmend auch Schweinefleisch – schaut man einmal nach Europa und in die USA.

Ernährungssicherheit ist massiv gefährdet

Container-Schiff mit Nahrungsmitteln

Bedenken hinsichtlich der Ernährungssicherheit bleiben aus Sicht der Weltbank ausdrücklich bestehen. Einige Länder haben bereits vorübergehende Handelsbeschränkungen wie Exportverbote angekündigt bzw. umgesetzt, während andere damit begonnen haben, Lebensmittel durch verstärkte Importe einzulagern.

Obwohl diese Maßnahmen noch nicht weit verbreitet sind, können sie zu erheblichen Problemen führen, wenn sie von immer mehr Ländern angewendet werden, schreiben die Weltbank-Analysten. Dadurch können dann auch Probleme bei der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und heftige Preisausschläge auf regionaler Ebene auftreten, die auf Unterbrechungen der Lieferkette und Grenzschließungen als Reaktion auf Eindämmungsstrategien der Regierungen zurückzuführen sind, hießt es weiter.

Diese Maßnahmen beschränken den internationalen Nahrungsmittelfluss und auch die Freizügigkeit von Arbeitskräften, kritisiert die Weltbank.

Rohölmarkt als Wirtschaftsindikator

Die vollen Auswirkungen der Pandemie auf die Rohstoffmärkte hängen davon ab, wie schwer sie am Ende ist, wie lange sie dauert und wie die verschiedenen Länder und die Weltgemeinschaft darauf reagieren. Die Pandemie kann zu dauerhaften Veränderungen der Nachfrage und des Angebots an Waren führen, insbesondere auch bei den Lieferketten, die diese Waren von Produzenten zu Verbrauchern auf der ganzen Welt bewegen, betont die Weltbank.

Die Auswirkungen sind allerdings bereits dramatisch, insbesondere bei Transportgütern. Die Rohölpreise stürzten im April auf ein historisches Tief, wobei einige Kontrakte beim Leichtöl WTI erstmals überhaupt weit im negativen Bereich gehandelt wurden. Diese Preiseinbrüche spiegeln den starken Nachfragerückgang wider und wurden durch die Unsicherheit über das Produktionsniveau bei den großen Ölproduzenten weiter verschärft.

Aufgrund der Sperr- und Quarantänemaßnahmen, die das Reisen begrenzt haben, wird erwartet, dass die Ölnachfrage in diesem Jahr um beispiellose 9,3 Millionen Barrel pro Tag gegenüber dem Stand von 2019 von 100 Millionen Barrel pro Tag sinkt. Die Ölpreise werden voraussichtlich im Jahr 2020 durchschnittlich bei 35 USD pro Barrel liegen. Das ist eine deutliche Abwärtskorrektur gegenüber der Oktober-Prognose und ein Rückgang um 43 Prozent gegenüber Preis von 2019 von 61 USD pro Barrel.

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