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Agrarwetter und Ertragsprognosen

Wetterextreme auf Europas Feldern - aber gute Ertragsprognosen

Wintergetreide.
am Donnerstag, 24.03.2022 - 15:07 (Jetzt kommentieren)

Der Winter war zu warm. In etlichen Ländern ist es zu trocken. In Deutschland sieht es jedoch gut aus. Ebenso in Frankreich und in Polen.

Wetterextrem in Europa.

Nach einem überwiegend milden Winter befindet sich das Wintergetreide in den meisten Teilen Europas in gutem bis gutem Zustand. Außerdem ermöglichen die Wetter- und Bodenverhältnisse in den meisten Ländern einen guten Start in die Feldarbeiten und die Frühjahrsbestellung, sagt die europäische Crop-Monitoring-Agentur MARS in ihrem aktuellen Bericht. Anhaltend trockene Bedingungen in Südwesteuropa geben jedoch zunehmend Anlass zur Sorge, heißt es weiter.

Auch im Süden der iberischen Halbinsel wurden das Wintergetreide durch anhaltende Dürre negativ beeinflusst und befindet sich gegenwärtig in einem suboptimalem Zustand.Im Südfrankreich und im Nordwesten Italiens befindet sich die Pflanzenentwicklung noch in einem sehr frühen Stadium und Winterkulturen sind von der dort ebenfalls herrschenden Trockenheit noch nicht oder nur geringfügig betroffen. Regen wird jedoch auch in vielen andern Ländern für eine gute Pflanzenentwicklung benötigt.

Dazu gehören: Italien, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rumänien und die Südwestukraine. Anhaltende Dürrebedingungen in der Maghreb-Region (in Nordafrika) haben das Ertragspotenzial dort stark beeinträchtigt. Kalte und nasse Bedingungen entlang der italienischen Adriaküste, in Griechenland und der Türkei verzögerten die Entwicklung der Pflanzen, sind aber günstig für die Bodenfeuchtigkeit.

Der Niederschlagsüberschuss im europäischen Russland ist ebenfalls günstig für die Entwicklung der Kulturen. Da es noch sehr früh in der Saison ist, liegen die aktuellen Ertragsprognosen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – über den historischen Trends, sagt MARS.

Deutschland: Milder Winter, hoher Schädlingsdruck

Etragsprongnosen.

Der Winter in Deutschland war geprägt von wärmer als üblichen Temperaturen im ganzen Land, mit bis zu 20 mehr frostfreien Tagen im Vergleich zu einem durchschnittlichen Jahr, sagen die Wetterexperten von MARS. Die Frosttoleranz der Pflanzen ist deshalb eher schwach, was die Pflanzen anfällig macht für Temperaturen unter dem Gefrierpunkt wie Anfang März.

Bei weitgehender Abwesenheit von extremem Frost befinden sich die Winter-Kulturen jedoch in guter Verfassung. Die weiterhin überdurchschnittliche Temperaturen begünstigen das Überleben von Schädlingsinsekten, was später in der Saison zu erhöhtem Schädlings-Druck führen könnte.

Während der Dezember im Durchschnitt ein trockener Monat war, brachte der Januar gute Niederschläge vor allem in Mitteldeutschland. Im Februar gab es ebenfalls ausreichend Niederschlag mit monatlichen Summen jenseits von 100 mm im Norden und Nordwesten, während im Süden nur durchschnittlicher Niederschlag verzeichnet wurde.

Auch der Märzregen hat wieder gefehlt, und im Süden entstehen zunehmend trockenere Gebiete,  beobachtet MARS,. Doch die Bodenwasserreservoirs sind zu Beginn der Vegetationsperiode überwiegend gut aufgefüllt. Die Frühjahrsaussaat hat begonnen.

Frankreich: Bisher gute Konditionen, aber zu warm

Der Winter in Frankreich war trockener als sonst, mit den umfangreichsten negativen Niederschlagsanomalien im Westen und in den südlichen Teilen des Landes. Außerdem war es  - wie in Deutschland - wärmer als üblich. Insgesamt beobachtet MARS eine durchschnittliche Temperaturabweichung  von 1 °C während des Betrachtungszeitraums.

Ein außergewöhnlich warmes 10-tägiges Ereignis war im Februar zu beobachten. Es wurden keine Frostschäden festgestellt. Die weiterhin relativ trockenen Bedingungen verursachten bislang noch keine Schäden an Winterkulturen während der Ruhephase. Winterweizen und Gerste, sind in besonders gutem Zustand, sagt MARS. Raps ist ebenfalls in gutem Zustand und profitiert von dem relativ trockenem Winter.

Hartweizen, der im Süden des Landes angebaut wird, liegt aufgrund der trockenen Bedingungen in der Entwicklung leicht zurück. Laut dem Bericht der Agrarbehörde  FranceAgriMer, waren Anfang März bereits 76% des Sommergetreides gesät, was im Einklang mit anderen Jahren steht.

Polen: Keine Frostschäden, zu mild und sehr nass

In Polen war der Dezember war geprägt von der unterdurchschnittlichen Temperaturen im ganzen Land. Eine Kältewelle während der letzte Dekade im Dezember führte lokal zu Temperaturen unter -15 °C. Im Januar und vor allem der Februar war es dann wesentlich wärmer als üblich bei Temperaturen über dem langjährigen Durchschnitt von 2 °C bis 4 °C. 

Häufige Niederschläge führten jedoch zu guten Bodenwasserreserven für die Beginn der Vegetationsperiode. Lokal kam es durch übermäßig nasse Oberböden zu Beeinträchtigung der frühen Feldarbeiten. Der Zustand der Winterkulturen ist im allgemeinen gut.

Die Kältewelle im Dezember verursachte keine ernsthaften Frostschäden an den Winterkulturen, die gut gehärtet und ausreichend geschützt durch eine Schneedecke waren. Der warme Februar löste ein frühes Nachwachsen des Wintergetreides aus und machte die Pflanzen anfällig für Frost.

Die milden und nassen Bedingungen im Februar begünstigen eine Zunahme von Pilzerkrankungen. Die Aussichten für die Frühsaison sind jedoch positiv und in im Einklang mit den historischen Trends, sagt MARS

Mit Material von JRC MARS Bulletin Crop monitoring in Europe March 2022

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