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Bilanzergebnisse

Wirtschaftsjahr 2019/20: Schweinehalter retten den Gesamtschnitt

am Donnerstag, 16.01.2020 - 14:30 (Jetzt kommentieren)

Im laufenden Wirtschaftsjahr werden nur die Schweinehalter mehr verdienen. Die meisten anderen Betriebe dürften Gewinneinbußen. Hier die ersten Ergebnissprognosen aus den Kammergebieten.

Allein der aktuelle Export-Boom bei Schweinefleisch wird bei deutschen Landwirten im Schnitt für stabilere Wirtschaftsergebnisse im laufenden Wirtschaftsjahr sorgen. Während Schweinehalter mit einem höheren Gewinn rechnen können, haben andere Betriebe aber teilweise deutliche Gewinnrückgänge zu verzeichnen. Voraussetzung ist aber, dass die deutschen Betriebe vom Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest verschont bleiben.

Durch die auch im Sommer 2019 herrschende Trockenheit wurden erneut unterdurchschnittliche Ernten eingefahren. In Verbindung mit rückläufigen Preisen auf dem Getreidesektor sowie für Milch und Rindfleisch sind die Unternehmensergebnisse der Ackerbau- und Futterbaubetriebe im Vergleich zum vergangenen Jahr spürbar gesunken.

Die Landwirtschaftskammern haben auf der grünen Woche ihre Vorschätzung über die Ergebnisse für das laufende Wirtschaftsjahr 2019/20 vorgelegt. Die Prognose basiert auf den Buchführungsergebnissen von Haupterwerbsbetrieben des Vorjahres 2018/19, auf Ergebnissen des ersten Halbjahres 2019/20 und auf Trendanalysen.

Im Schnitt liegt das Betriebsergebnis bei 60.000 Euro

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Speziell Acker- und Futterbau belasten den Durchschnitt aller Haupterwerbsbetriebe. Demgegenüber wird er durch die herausragende Situation der Schweinehalter stärker gestützt, als er durch die Einbußen der Acker- und Futterbaubetriebe geschmälert wird. Rein rechnerisch steigt der Gewinn aller Betriebe an. Konkret heißt das: Im Durchschnitt aller Betriebe und Regionen legen die Gewinne von rund 54.000 Euro auf gut 60.000 Euro zu. Aber die Mehrzahl aller Unternehmen muss ein geringeres Einkommen hinnehmen.

Dabei schneiden die Regionen differenziert ab. Die Landwirte in Niedersachsen (68.000 Euro) und in Nordrhein-Westfalen (65.000 Euro) partizipieren von guten Preisen für Schweine und Ferkel. Eine Familien-Arbeitskraft in Vollbeschäftigung darf damit ein Unternehmensergebnis von rund 40.000 Euro erwarten. Von diesem Betrag sind jedoch die Privatentnahmen, Tilgung und Rücklagen für Neuinvestitionen zu decken.

Neben der finanziellen Anspannung belasten in allen Betrieben das verschärfte Fachrecht, steigende Bodenpreise, ein höherer Bürokratieaufwand sowie das Gefühl, von den Politikern und Verbrauchern nicht gehört und verstanden zu werden. Insofern ist die Stimmung bei den Landwirten schlechter, als es allein durch die Wirtschaftskennzahlen erklärt werden könnte.

Unternehmensergebnisse im Ackerbau sinken

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In den Ländern mit einer Landwirtschaftskammer zeichnet sich ein Rückgang der Umsatzerlöse aus der Pflanzenproduktion ab. Die Unternehmensergebnisse sinken zwischen 4 Prozent in NRW und 26 Prozent im Saarland. Sie erreichen absolute Werte zwischen 49.000 Euro im Saarland und 68.000 Euro in Niedersachsen.

Damit können die Betrieb ihre eingesetzten Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital nur teilweise vergüten. Das Maß der Vergütung wird als Nettorentabilität bezeichnet und in Prozent angegeben. Per Saldo ergibt sich im Ackerbau eine Faktorvergütung um 80 Prozent. Vor allem dort, wo viel Kartoffeln und Zuckerrüben angebaut werden, stellt sich die Wertschöpfung aus dem Ackerbau besser dar, als in Regionen, die durch den Anbau von Getreide und Raps gekennzeichnet sind. Gegen den Trend steuert Schleswig-Holstein. Allerdings kann das beklagenswerte Vorjahresniveau nur geringfügig gesteigert werden.

Milchbauern verdienen bis zu 11 Prozent weniger

Gesunkene Milchpreise und geringe Erlöse aus der Altkuh- und Rindfleischvermarktung, sowie hohe Futterkosten belasten die Wirtschaftlichkeit der Futterbaubetriebe. So geben die Unternehmensergebnisse gegenüber dem Vorjahr nach: Die Spanne reicht von 3 Prozent Minus in Schleswig-Holstein bis zu 11 Prozent in Nordrhein-Westfalen Minus.

Erreicht werden Gewinne zwischen 42.000 Euro in Schleswig-Holstein und 65.000 Euro im Saarland. So konnten die Milchbauern in Schleswig-Holstein nur gut die Hälfte  (54 Prozent) ihrer Produktionskosten decken, im Saarland betrug die Kostendeckung wenigstens 90 Prozent.

Schweinehaltung boomt

Nach einer großen Durststrecke wendet sich das Blatt für die Schweinehalter im laufenden Wirtschaftsjahr. Sie können ihre Gewinne mehr als verdoppeln und sind damit wieder in der Lage, Kredite zu tilgen und Rücklagen aufzubauen.

In den Hochburgen der Schweinehaltung werden Unternehmensergebnisse von über 100.000 Euro erreicht. Erwartungsgemäß legen auch die Werte der Nettorentabilität in kaum gekanntem Umfang zu. Die höchsten Gewinne werden rheinland-pfälzische Schweinehalter erzielen, so die Prognose. Hier erwarten die Kammerexperten gar über 140.000 Euro.

 

 

 

 

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