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Produktionskosten

Darum zahlen deutsche Landwirte die höchsten Strompreise Europas

Stromtrasse
am Mittwoch, 22.05.2019 - 09:30 (Jetzt kommentieren)

Fast nirgendwo in Europa sind die Strompreise so hoch wie in Deutschland.

Allein in den letzten 10 Jahren sind die Kosten für gewerblichen und privaten Strom hierzulande um rund 40 Prozent gestiegen. Lediglich in Dänemark müssen Landwirte und Verbraucher ähnlich viel für ihren Strom ausgeben wie in Deutschland. Dagegen sind die Preise in Polen nicht einmal halb so hoch wie hier.

Und die Strompreise werden für Landwirte und Verbraucher wohl weiter steigen. Jedenfalls ist schwer vorstellbar, dass es nach dem Kohleausstieg mit den Preisen nicht weiter nach oben geht.

Günstigere Tarife für Landwirte möglich

Strompreise Deutschland

Selbst größere Landwirtschaftsbetriebe gehören für die Stromlieferanten eher zu den kleineren Abnehmern. Das heißt, dass die gewerblichen Stromtarife im Prinzip mit denen von Privatkunden vergleichbar sind. Allerdings zahlen Landwirte als gewerbliche Kunden eine etwas niedrigere Stromsteuer als Privatleute. Außerdem haben etwa Landesbauernverbände, Maschinenringe und andere landwirtschaftliche Organisationen Rabatte für ihre Mitglieder ausgehandelt und können den Strom etwas günstiger anbieten.

Hinzu kommt die Möglichkeit, bei einem entsprechenden Stromverbrauch mit dem Stromversorger für bestimmte Tages- und Nachtzeiten sogenannte Niedertarife zu vereinbaren. Diese können zum Teil deutlich niedriger sein als die Strompreise in den Hochtarifzeiten. So können stromintensive Arbeiten wenn möglich auf Niedertarifzeiten verlegt werden.

Allerdings benötigt man dafür einen sogenannten Doppelzähler, der in der Unterhaltung teurer ist als ein Einzeltarifzähler. Zudem steigen auch für diese günstigeren Angebote die Strompreise. Auch die möglichen Rabatte für Niedertarifzeiten und für Wochenenden sowie Feiertage sind bei einigen Anbietern zuletzt jedoch deutlich zusammengeschmolzen oder sogar ganz entfallen.

Strompreis wird auch 2019 teurer

Stromzähler

Auch größere Landwirtschaftsbetriebe verbrauchen in der Regel nicht mehr als 100.000 kwh im Jahr. Deshalb sind die Stromtarife für Landwirte ganz überwiegend bis zu dieser Größenordnung gestrickt.

Die Stromsteuer für das produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft liegt gegenwärtig bei 1,537 Cent je kWh im Vergleich zu 2,05 Cent für Privathaushalte.

Im Strompreis enthalten ist die sogenannte EEG-Umlage für die erneuerbaren Energien von derzeit 6,405 Cent. Im Jahr 2010 lag die EEG-Umlage erst bei 2,04 Cent und 2008 mussten Landwirte und Verbraucher nur 1,17 Cent dafür zahlen.  

Im ersten Halbjahr 2018 lag der durchschnittliche Strompreis für gewerbliche Kunden, Landwirte und Verbraucher in Deutschland bei knapp 30 Cent je kWh (brutto). Das waren sogar geringfügig niedrigere Preise als 2017, als das Niveau bei etwa 30,50 Cent lag. Gleichwohl sind die Strompreise in den letzten 10 Jahren um rund 40 Prozent gestiegen. Im Jahr 2008 mussten nämlich lediglich 21,50 Cent je kWh gezahlt werden.

Außerdem ziehen die Preise im laufenden Jahr wieder deutlich an. Branchenverbände schätzen den durchschnittlichen Strompreis für 2019 auf etwa 30,50 Cent. Die Versorger begründen die Preissteigerung mit gestiegenen Kosten bei der Beschaffung. Der Branchenverband BdEW gibt an, dass die Beschaffungskosten in den letzten zwei Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen seien.

Momentan beträgt der Anteil der Beschaffungskosten am Strompreis 22 Prozent. Den größeren Rest machen Umlagen, Steuern und Abgaben sowie Netzentgelte (etwa 25 Prozent) aus.

Wettbewerbsnachteil für deutsche Landwirte

Strompreis in Europa

Auch ohne die aktuellen Preissteigerungen müssen Landwirte, Gewerbetreibende und Privathaushalte die höchsten Strompreise in Europa zahlen. Lediglich in Dänemark sind die Kosten für Strom ähnlich hoch oder sogar etwas höher als bei uns. In Frankreich ist das Preisniveau dagegen mehr als 40 Prozent niedriger. In den Niederlanden beträgt der Abschlag auf den deutschen Strompreis 45 Prozent und in Polen müssen die Landwirte und Verbraucher nicht einmal die Hälfte der hiesigen Preise zahlen.

Das ist von der Kostenseite sicher ein beträchtlicher Wettbewerbsnachteil für die deutschen Landwirte und Gewerbetreibenden. Und die Preise dürften weiter steigen. Schon 2030 soll ein Teil der Kohlekraftwerke abgeschaltet sein. Rund 65 Prozent des Stroms sollen dann aus erneuerbaren Quellen kommen. Das dürfte den Strompreis weiter nach oben treiben. Derzeit werden etwa 22 Prozent des deutschen Stroms aus Braunkohle und 14 Prozent aus Steinkohle erzeugt. Der Anteil der Kernenergie liegt noch bei 12 Prozent und Erdgas steuert 13 Prozent bei.

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung liegt derzeit bei etwa einem Drittel, davon kommt der größte Teil aus Windkraft. Der Bundesverband der Industrie rechnet in einer Studie damit, dass mit dem Wegfall des Braunkohlestroms in den nächsten Jahren Milliarden an Mehrkosten anfallen. Diese dürften sich vor allem im Strompreis niederschlagen.

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