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Bodenmarkt: Agrarökonomen sehen Finanzinvestoren unkritisch

Boden mit 100-Euro-Scheinen
am
01.10.2018
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Während Politiker die Auswirkungen von außerlandwirtschaftlichen Investoren auf den Bodenmarkt kritisch sehen, äußern sich Agrarökonomen ganz anders.

Die agrarpolitische Sprecherin der Linken, Kirsten Tackmann, warnt seit Jahren vor Bodenspekulanten. In einem Interview mit agrarheute erklärt sie: "Perspektivisch will die Linke nicht-landwirtschaftliche Investoren vom Flächenerwerb und von der Agrarförderung zu Gunsten ortsansässiger, echter Agrarbetriebe ausschließen. Dazu brauchen wir ein neues Agrarleitbild, das auf eine Versorgungsfunktion und das Gemeinwohl ausgerichtet ist."

Agrarökonomen halten seit Jahren dagegen und bestreiten die Einflüsse von außerlandwirtschaftlichen Investoren am Bodenmarkt.

 

Schutz vor Finanzinvestoren laut Ökonomen nicht nötig

Für nicht gerechtfertigt halten Prof. Martin Odening von der Berliner Humboldt-Universität und Prof. Silke Hüttel von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn Eingriffe in den landwirtschaftlichen Bodenmarkt zum Schutz vor Finanzinvestoren.

Für die Wissenschaftler sind viele der dazu vorgebrachten Argumente aus ökonomischer Sicht nicht tragfähig. Somit entstehe der Eindruck, dass es sich bei Forderungen nach einer strengeren Regulierung des Bodenmarktes um eine „verkappte Leitbilddiskussion“ oder eine Verteilungsdiskussion handele, heißt es in einem gemeinsam verfassten Beitrag.
 

Nachhaltigen Landwirtschaft trotz Investoren

Den beiden Agrarökonomen zufolge gebe es keine empirischen Belege, dass die Konzentration von Bodenvermögen oder Anteilen an Agrarunternehmen in Händen überregionaler oder außerlandwirtschaftlicher Investoren zu Lasten einer nachhaltigen Landwirtschaft gehe. Ihrer Auffassung nach könnten weder das Ziel einer nachhaltigen Bewirtschaftung noch regionalpolitische Ziele wie die Schaffung lebenswerter ländlicher Räume effizient über eine Regulierung des Bodenmarktes erreicht werden.

 

Ökonomische Faktoren lassen die Bodenpreise steigen

Das Engagement landwirtschaftlicher Investoren sei nach Auffassung von Odening und Hüttel auch nicht die Hauptursache für den Preisanstieg bei landwirtschaftlichen Flächen während der vergangenen zehn Jahre. Ausschlaggebend hierfür seien vielmehr ökonomische Faktoren wie gesunkene Zinsen, eine steigende Zahl infrastruktureller Maßnahmen, Vorteile über die Reinvestitionsrücklage sowie gestiegene Pachtzahlungen, die ihrerseits durch agrar-, umwelt- und energiepolitische Subventionen beeinflusst würden.

Onvestoren kaufen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg

Eine aktuelle Studie des Thünen-Instituts zeigt, dass das Thema außerlandwirtschaftliche Investoren vor allem Ostdeutschland betrifft.  Überregionale Investoren würden inzwischen in 34 Prozent der 853 untersuchten Betriebe die Kapitalmehrheit besitzen, heißt es im Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der deutschen Einheit. Diese bewirtschafteten 25 Prozent der untersuchten landwirtschaftlichen Flächen. 72 Prozent der im Rahmen der Studie betrachteten verkauften landwirtschaftlichen Betriebe würden von überregionalen Investoren übernommen. Ein erheblicher Teil davon sei landwirtschaftsfremd. Bei dieser Entwicklung liegen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg deutlich über dem Durchschnitt in Ostdeutschland.

Mit Material von AgE

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