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Produktion und Förderung

1. DBV-Ackerbautag: Erträge steigern, Märkte durchblicken

von , am
21.06.2013

Berlin - Nährstoffmanagement verbessern. Erträge auf vorhandenen Flächen nachhaltig steigern. Beim ersten DBV-Ackerbautag in Berlin wurden künftige Herausforderungen des Betriebszweigs beleuchtet.

Die Wintergerstenvermehrung wurde um rund 1.700 ha reduziert. © Mühlhausen/landpixel
Um Aufgaben wie Welthunger, Klimawandel bei gleichzeitigem Erhalt des Naturraums begegnen zu können, müssten die Erträge auf den vorhandenen Flächen erheblich gesteigert werden. Dies führte DBV-Vizepräsident Werner Schwarz zum Auftakt der ersten DBV-Ackerbautagung in Berlin vor den rund 100 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet aus. Dazu müssten die Landwirte laut Schwarz die Möglichkeiten einer effizienten Düngung und des modernen Pflanzenschutzes ausschöpfen können. "Dieses Erfordernis muss mit weniger Emotionen diskutiert werden", forderte Schwarz.
 
Michael Horsch, Mitinhaber der Horsch Maschinenfabrik, stellte die steigende globale Nachfrage bei Getreide in den Vordergrund, die allein in den vergangenen fünf Jahren um etwa zehn Prozent anstieg. "Die meisten Ackerflächen weltweit werden noch immer abtragend bewirtschaftet", sieht Horsch vor allem beim Nährstoffmanagement noch großen Nachholbedarf. Vor allem in den Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion würden bis heute die Nährstoffvorräte in den Böden aufgezehrt. Diese Wirtschaftsweise erkläre zum großen Teil die dort stagnierenden Getreideerträge. Auch bei vielen landwirtschaftlichen Entwicklungshilfeprojekten wird nach Ansicht von Horsch zu wenig Wert auf eine bedarfsgerechte Düngung gelegt. Global gesehen seien die Wasserversorgung und die Düngung die entscheidenden Faktoren bei der Steigerung der Ernteerträge, so Horsch.
Der Vorsitzende des DBV-Fachausschusses Getreide, Wolfgang Vogel, wies zum Auftakt der Ackerbautagung auf die großen Schäden in der Landwirtschaft durch das jüngste Hochwasser in Höhe von mehr als 430 Millionen Euro hin. Die Landwirtschaft habe laut Vogel ein großes Eigeninteresse am Hochwasserschutz. "Hierzu sind allerdings angemessene Entschädigungsregelungen für Flächen in Hochwasserpoldern notwendig", so Vogel.

Mehr als die Hälfte der Weltrapsproduktion geht nach China

Laura Langelüdecke (Ölsaatenhandel Cargill GmbH) © Reinhardt
"Europa und auch Deutschland sind beim Raps längst keine Überschussregion mehr, sondern auf Importe angewiesen", stellte Laura Langelüdecke vom Ölsaatenhandel Cargill GmbH klar. "Für 2013/14 prognostizieren wir, dass die Ernte in Deutschland bei 5,45 Millionen Tonnen (Mio. t) liegen wird. Verarbeitet werden in diesem Zeitraum aber geschätzte acht Mio. t." Zur Deckung dieser Differenz sei Deutschland auf Importe angewiesen. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung Chinas: "Bereits 58 Prozent der weltweiten Rapsproduktion werden nach China importiert. Diese starke Nachfrage hat natürlich einen großen Einfluss auf das Preisgeschehen am Markt."
Ihr Kollege von Cargill, Phillip Schilling, nannte als Hauptgrund für die derzeit niedrigen Weizenpreise, die Überschüsse der acht großen Weizenproduzenten - der sogenannten "Big 8", Argentinien, Australien, EU, Kanada, Russland, Ukraine, USA und Kasachstan.

Zuckerpreise mit viel Spielraum nach oben

Henning Koch (Handelshaus August Töpfer GmbH) © Reinhardt
Der Rohzucker-Markt sei in den letzten Jahren von sehr starken Preisschwankungen geprägt, so Henning Koch vom Handelshaus August Töpfer GmbH. Er verwies aber darauf, dass generell nur etwa ein Drittel des Zuckers am Weltmarkt gehandelt werde. Der restliche Handel finde auf abgeschotteten Märkten statt. Die Entwicklung des Zuckerkonsums sei innerhalb der letzten 40 Jahre stetig gewachsen. "Und auch für die nächsten zehn Jahre rechnen wir mit einem Anstieg des Zuckerkonsums um 50 Mio. t - das entspricht mehr als der gesamten Produktion Brasiliens", so Koch weiter. Er prognostiziere langfristig steigende Zuckerpreise: "Das Niveau, das wir derzeit erreicht haben, hat noch viel Spielraum nach oben."

Kartoffeln im Aufwärtstrend

Ferdi Buffen, Geschäftsleiter des Kartoffelhandelsunternehmens Wilhelm Weuthen GmbH © Reinhardt
Deutschland sei nach wie vor eines der wichtigsten Kartoffel produzierenden Länder der Welt, so Ferdi Buffen, Geschäftsleiter des Kartoffelhandelsunternehmens Wilhelm Weuthen GmbH. Allerdings habe die Anbaufläche im Bundesgebiet einen historischen Tiefststand erreicht. "Deutschland ist im internationalen Vergleich äußerst wettbewerbsfähig", so die Einschätzung Buffens. "Neben dem moderaten Klima tragen vor allem die geografische Nähe der Anbaugebiete zum Hafen und die dadurch kurzen Transportwege stark dazu bei, dass wir in Deutschland günstig produzieren können." Er prognostiziere, das die Preise für Kartoffeln langfristig steigen würden: "Da Kartoffeln keiner Marktordnung unterliegen, werden die Kartoffelpreise von Angebot und Nachfrage bestimmt. Und ich gehe davon aus, dass die europäischen Kartoffelbauern hier die Gewinner sein werden." 
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