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Steuer und Finanzen

2011: Gute Aussichten auf wichtigen Agrarmärkten

von , am
03.01.2011

Berlin - Gute Chancen für steigende Erzeugerpreise sieht der Deutsche Bauernverband (DBV) an wichtigen Agrarmärkten. Gleichzeitig müssen sich die Landwirte mit höheren Betriebsmittelkosten auseinandersetzen.

Das gilt unter anderem für den Getreidemarkt, auf dem sich wieder steigende Düngemittelpreise negativ auf die Liquidität der Betriebe auswirken.

Die deutlich höheren Notierungen an den Getreide- und Ölsaatenmärkten werden sich laut einer Einschätzung des DBV in den zur Ernte 2011 abgeschlossenen oder noch abzuschließenden Vorkontrakten widerspiegeln. Der Höhenflug der Preise seit vergangenem Sommer hat sich demnach bislang nur teilweise bei den Erlösen der landwirtschaftlichen Betriebe bemerkbar gemacht.

Teile der Ernte 2010 seien bereits im Frühjahr über Vorkontrakte zu erheblich niedrigeren Preisen vermarktet worden. Ferner hätten große Mengen Weizen lediglich Futterqualität aufgewiesen und seien daher ebenfalls zur geringeren Preisen abgegeben worden, erläuterte der DBV.

Binnen- und Exportnachfrage stützt den Milchmarkt

Differenziert stellt sich die Lage an den Märkten für tierische Produkte dar. So verbesserte sich die Gewinnsituation für die Milchbauern wegen höherer Betriebsmittelkosten - so für Futter und Energie - trotz des höheren Milchgeldes laut DBV nur leicht. Der mittlere Erzeugerpreis wird für 2010 mit 29 Cent bis 30 Cent pro Kilogramm angegeben. Für den Jahresauftakt 2011 wird aufgrund der lebhaften Binnen- und Exportnachfrage mit einer festen Lage am Milchmarkt gerechnet.

Einen weiteren Preisauftrieb erwartet der Bauernverband bei Rindfleisch. Von weiteren Produktionssteigerungen geht der Verband beim Schweinefleisch aus, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen, Großbritannien und den Niederlanden.

Schweinefleischverbrauch der Deutschen gestiegen

Mit neuen Rekorden rechnet der DBV am Schweinemarkt. Angesichts von gut 58 Millionen Schweineschlachtungen wurde 2010 erneut eine Rekordmarke gerissen. Dabei blieben die Erzeugerpreise sowohl für Schlachtschweine wie auch für Ferkel knapp unter dem Vorjahresniveau. Die Futterkosten je Schwein haben sich laut Bauernverband im Vergleich zum Vorjahr um 16 Euro bis 17 Euro verteuert und zu einer spürbaren Belastung für die Betriebe geführt. Auf der Verbrauchsseite konstatiert der DBV einen Anstieg des Schweinefleischverbrauchs in Deutschland auf mehr als 54 Kilo pro Kopf. Der Selbstversorgungsgrad wird auf 111 Prozent beziffert, so dass mittlerweile rund ein Drittel der deutschen Schweinefleischproduktion exportiert wird, zum größten Teil in andere EU-Mitgliedstaaten. Aber auch Russland hat mehr Schweinefleisch nachgefragt.

Florierende Rindfleischausfuhren

Von Exportimpulsen hat im abgelaufenen Jahr auch der Rindfleischmarkt gelebt, unter anderem durch die Öffnung des türkischen Marktes, wo westeuropäische Anbieter von einer Zollsenkung profitiert haben. Auch nach Russland, in die Schweiz und Kroatien wurde dem Bauernverband zufolge mehr Rindfleisch aus der Europäischen Union ausgeführt. Erstmals seit einigen Jahren ist die EU damit wieder zum Nettoexporteur geworden. Für 2011 rechnet der Bauernverband sowohl EU-weit als auch in Deutschland mit moderat steigenden Erzeugerpreisen, nachdem die Notierungen für Jungbullen Mitte 2010 ein Rekordniveau erreicht hatten. Den Hintergrund für diese Entwicklung bildet das in einigen Regionen knappe Jungbullenaufkommen.

Knapp 100 Prozent Selbstversorgung bei Geflügelfleisch

Wie die Schweine- so ist 2010 auch die Hähnchenfleischerzeugung in Deutschland weiter ausgeweitet worden. Aufgrund der stagnierenden Erzeugerpreise konnten laut Bauernverband die höheren Futterkosten nicht kompensiert werden. EU-weit sei im kommenden Jahr bei steigenden Exporten nur mit einem geringen Produktionszuwachs zu rechnen. Auf dem Putenfleischmarkt sei keine Produktionsausdehnung zu erwarten. Die Preise verhielten sich weniger volatil, orientierten sich aber am Hähnchenfleischmarkt. Die Preise von Hähnchen- und Putenschnitzeln seien mittlerweile annähernd auf dem Niveau von Schweineschnitzeln angelangt. Nach der Umstellung der Haltungssysteme rechnet der Bauernverband 2011 mit einer steigenden deutschen Eierproduktion. Da einige EU-Länder, unter anderem Spanien und Polen, bislang die Umstellung der Ende 2011 EU-weit auslaufenden Käfighaltung recht unzureichend vorgenommen hätten, bleibe abzuwarten, ob Deutschland diese frei werdenden Marktanteile gewinnen könne.

Noch hohe Magermilchpulverbestände

Am Milchmarkt gelang in den vergangenen Monaten einhergehend mit der verstärkten Nachfrage ein Abbau von Beständen. Wie der Bauernverband mitteilte, waren im Dezember 2010 nur noch kleine Mengen Butter in der privaten Lagerhaltung vorhanden. Anders sieht es bei Magermilchpulver aus. Laut Angaben des französischen Milchbranchenverbandes (CNIEL) befanden sich zuletzt noch mehr als 195.000 Tonnen (t) Magermilchpulver in der Intervention, von denen knapp 94.000 t für Bedürftige vorgesehen sind. Impulse erwartet der DBV weiterhin von den Exportmärkten, wo der schwache Euro zu einer verbesserten Wettbewerbsposition der hiesigen Anbieter geführt hat. Abnehmer unter den Drittländern sind unter anderem Russland, Nordafrika, aber auch China und Wachstumsländer in Südostasien. Somit wird trotz steigender deutscher und europäischer Milcherzeugung zum Jahresauftakt 2011 ein stabiler Markt erwartet. Mit Preisschwankungen ist auf dem Milchmarkt aber weiter zu rechnen.

Kluft bei den Kartoffelpreisgesprächen

Mit einer weiterhin positiven Entwicklung rechnet der Bauernverband am Kartoffelmarkt. Die Entwicklung ab Mai beziehungsweise Juni 2011 hänge von den Wachstumsbedingungen im nächsten Frühjahr und auch von den Flächen- und Anbauentwicklungen in wichtigen Importländern ab. Im Bereich des Vertragskartoffelanbaus gäben die Verarbeiter jetzt erste Preisvorstellungen für 2011 bekannt, die trotz der stabilen Entwicklungen auf den Agrarmärkten noch deutlich unter denen der Kartoffelanbauer lägen. Aufgrund der Deckung der Vollkosten seien die Verarbeiter aber gefordert, die Preise in den kommenden Verhandlungsphasen nachhaltig auf ein für die Erzeuger akzeptables Niveau anzuheben, mahnte der Bauernverband. Mit einer Menge von 9,5 Millionen Tonnen hatte die Erntemenge 2010 deutlich unter dem guten Vorjahresergebnis gelegen. Neben den schwierigen Witterungsbedingungen wirkte sich eine historisch niedrige Anbaufläche von rund 255.000 ha auf das Ergebnis aus.

Biomarkt nimmt Fahrt auf

Wieder an Fahrt aufgenommen hat laut Bauernverband der Biomarkt, wo für das abgelaufene Jahr von Wachstumsraten von drei bis fünf Prozent die Rede ist. Der Umsatz betrug rund 5,8 Milliarden Euro, was einem Anteil am gesamten deutschen Lebensmittelumsatz von etwa 3,4 Prozent entspricht. Zurückzuführen waren die jüngsten Steigerungen laut DBV auf ein Mengenwachstum, denn im März 2010 waren die Preise teilweise gesunken. Weiterhin holen verarbeitete Produkte gegenüber dem Frischesegment auf dem Biomarkt auf. Mit der kleinen Ernte 2010 bei Getreide, vielen Gemüsearten und Kartoffeln hat sich der Biomarkt im zweiten Halbjahr von einem Angebots- zu einem Nachfragemarkt entwickelt. (AgE)

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