Login
Situationsbericht 2015/16

2.500 Euro/Monat: Landwirte stehen 'drastisch' schlechter da

© Mühlhausen/landpixel
DBV/Hermann Krauß/agrarheute
am
08.12.2015

Die Unternehmensgewinne in der Landwirtschaft sind im Wirtschaftsjahr 2014/15 um 35 Prozent eingebrochen. Im Schnitt verdienen Landwirte 2.500 Euro Brutto.

Die repräsentative Auswertung der Buchführungsergebnisse von fast 14.000 Betrieben ergab für das abgelaufene Wirtschaftsjahr 2014/15 einen dramatischen Einbruch der Unternehmensergebnisse um durchschnittlich 35 Prozent. Laut DBV-Situationsbericht 2015/16 hat ein landwirtschaftlicher Betrieb im Schnitt 43.300 Euro Gewinn (Vorjahr 66.400 Euro) verbucht, von dem aber noch die Finanzierung von Neuinvestitionen und die Beiträge für die Sozialversicherung (in Höhe von derzeit 6.850 Euro) bestritten werden müssten.

Damit erzielte ein Landwirt umgerechnet nur noch ein "Vergleichs-Bruttoeinkommen" von monatlich etwa 2.500 Euro bzw. jährlich 30.000 Euro (je Familien-Arbeitskraft), wie der DBV vorrechnet. Die Betriebe mit Milchviehhaltung hätten ihr Unternehmensergebnis gegenüber dem Vorjahr fast halbiert. Die Veredlungsbetriebe mit Schweinehaltung und die Ackerbaubetriebe verzeichnen bis zu einem Drittel niedrigere Unternehmensergebnisse. Im Wirtschaftsjahr 2014/15 hätten lediglich die Weinbaubetriebe und die Biobetriebe eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung erreichen können.

'Wettbewerbsschädliche Konzentration im LEH'

DBV-Präsident Joachim Rukwied stellte am Dienstag in Berlin den Situationsbericht 2015/16 vor. © Barbara Hentschel

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, nannte bei der Vorstellung des Situationsberichtes 2015/16 in Berlin die Gründe für den drastischen Einbruch der Erzeugerpreise: "Wesentliche Ursachen sind neben dem Russland-Embargo, das zu Einbußen in Milliardenhöhe für die deutsche Landwirtschaft führt, Konjunkturschwächen in nachfragestarken asiatischen Ländern sowie gut versorgte internationale Märkte. Der Erlös- und Einkommenseinbruch betrifft fast alle Betriebszweige und Regionen. Besonders die Ferkelerzeuger, Schweinemäster und Milchbauern haben im Wirtschaftsjahr 2014/15 einen massiven und derzeit noch anhaltenden Erlös- und Einkommenseinbruch erlebt. Der Gewinneinbruch erinnert an die Krisenjahre von 2008/09."

"Der Abstand zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen hat sich bei vielen Produkten deutlich vergrößert" kritisierte der DBV-Präsident. Lebensmitteleinzelhandel und Ernährungsindustrie könnten zu Niedrigpreisen einkaufen. Darüberhinaus führe die wettbewerbsschädliche Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel zu Wertschöpfungsverlusten, so der DBV-Präsident weiter und forderte kartellrechtliche Rahmenbedingungen, die "die Schieflage bei der Wertschöpfung in der Lebensmittelkette" korrigieren.

Vor diesem Hintergrund lehnt der Bauernverband weitere Zusammenschlüsse und Konzentrationen unter den marktführenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels ab. Kritisch sieht der Bauernpräsident auch das Urteil des Oberlandesgerichtes Düsseldorf zur Zulässigkeit von sogenannten Hochzeitsrabatten. "Das Kartellrecht wird zu einem stumpfen Schwert", befürchtete Rukwied. Er übte angesichts des Milchpreisverfalls auch Kritik an der "wenig erfolgreichen Positionierung der Molkereien gegenüber dem Handel".

Keine kurzfristige Besserung in Sicht

Auch für das laufende Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartet Rukwied eine "weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage der Betriebe". Die Hilfen der EU sowie die Erhöhung des Bundeszuschusses zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung könnten die Erlöseinbußen zwar etwas abmildern, aber nicht ausgleichen. Politische Initiativen zur Aufhebung des Russland-Embargos seien das Gebot der Stunde.

Auch sei eine "Agrarpolitik mit Augenmaß" erforderlich, die kostenaufwändige Bürokratie abbaue und die Wettbewerbsfähigkeit nicht durch zusätzliche Auflagen belaste. Angesichts der zunehmend schwankenden Einkommen wies Rukwied erneut auf die Risikoausgleichsrücklage als geeignetes und dringend erforderliches Instrument für die einzelbetriebliche Risikovorsorge hin.

"Die Wachstumschancen in den europäischen Märkten, wohin 85 Prozent der deutschen Agrarexporte gehen, sind begrenzt. Deshalb ist eine Exportoffensive notwendig, um eine Diversifikation wertschöpfungsstarker Absatzkanäle auch in Drittländern zu erreichen. Die Bundesregierung muss den Agrarexport aktiver pflegen und erschließen", erklärte Rukwied.

Die durchschnittlichen Unternehmensergebnisse im Einzelnen

  • Milchviehbetriebe: 38.800 Euro (minus 44 Prozent)
  • Rindermastbetriebe: 32.200 Euro (minus 35 Prozent)
  • Veredlungsbetriebe: 44.900 Euro (minus 33 Prozent). Unter den Veredelungsbetrieben mussten die Sauenhalter und Ferkelerzeuger den stärksten Rückgang erleben.
  • Sonderkulturbetriebe mit Weinanbau: 62.200 Euro (plus 4 Prozent) verbessern können.
  • Öko-Betriebe: 73.800 Euro erzielen (plus 11 Prozent)
  • Agrargenossenschaften: 40.200 Euro je Arbeitskraft (Unternehmensergebnis plus Personalaufwand je Arbeitskraft; minus 5 Prozent)
  • Nebenerwerbsbetriebe: 13.400 Euro (minus 20 Prozent)
Auch interessant