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Produktion und Förderung

30-Jahre-Bilanz: So schützen Landwirte die Umwelt

von , am
14.10.2015

"Umweltprobleme der Landwirtschaft" heißt eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes (UBA). Der Landwirtschaft werden dabei zwar Fortschritte beim Umweltschutz attestiert, doch gehe es zu langsam.

Die UN hat 2015 zum internationalen Jahr des Bodens erklärt. © M. Welling/Thünen-Institut
Anlass der neuen Studie "Umweltprobleme in der Landwirtschaft" des UBA ist das 30-jährige Sondergutachen mit dem gleichen Titel, das der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) im Jahr 1985 veröffentlicht hatte. Zwar hätten sich laut Prof. Dr. Wolfgang Haber, der damals SRU-Vorsitzender war, in den vergangenen Jahrzehnten zwar einige Verbesserungen ergeben, es bestünden aber noch altbekannte Probleme. Die Punkte im einzelnen:
 
Bodenschutz:
 
Laut UBA kommt die Landwirtschaft ihrer Pflicht zum vorsorgenden Bodenschutz dadurch nach, dass sie die gute fachliche Praxis beachtet. "In der Praxis findet Erosion, Schadverdichtung und Humusabbau aber immer noch statt. Enge Fruchtfolgen, spät schließende Reihenfrüchte oder schweres Gerät sind nach wie vor zulässig", heißt es in der Zusammenfassung der Studie. Aber es gebe laut UBA Lösungen, etwa eine konservierende Bodenbearbeitung, Streifenbearbeitung, ganzjährige Bodenbedeckung oder Zwischenfrüchte.
 
Die aktuellen Zahlen der durch das Greening hinzugekommenen ökologischen Vorrangflächen sind in der Studie allerdings noch gar nicht enthalten. Weitere Pufferstreifen oder Blühstreifen scheiterten laut Deutschem Bauernverband (DBV) daran, dass die Agrarverwaltung den Landwirten aus Kontrollgründen davon abriet.

Flächenversiegelung

Bezüglich einer Flächenversiegelung sieht das UBA die Landwirtschaft mit zunehmenden Einfluss "durch den verstärkten Zubau von Betriebsgebäuden (Ställe, Maschinenhallen usw.) - besonders auch im Außenbereich von Ortschaften - sowie von Wirtschaftswegen."
 
Hier regt sich Kritik von Seiten des Deutschen Bauernverbandes (DBV): "Beim Thema Biodiversität in der Agrarlandschaft wird völlig ausgeklammert, dass allein in den letzten 20 Jahren mehr als 860.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen durch Siedlungen und Infrastrukturmaßnahmen verloren gegangen sind, die heute nicht mehr als Lebensräume für Feldvögel zur Verfügung stehen." Gemessen an der heutigen Ackerfläche Deutschlands handele es sich um mehr als sieben Prozent, die dauerhaft als Produktionsfläche aber auch als Kulturlandschaft mit Arten und Biotopen verloren gegangen sind, kritisiert der DBV.

Grundwasser

Der Zustand des Grundwassers hat sich laut der SUR-Studie in den vergangenen Jahren verbessert: "Erfreulich ist der Rückgang der Pestizid-Belastung des Grundwassers. Das ist vor allem Folge der strengen Zulassung der Stoffe in Deutschland und der EU. Flüsse, Bäche und Seen sind aber nach wie vor betroffen, besonders wenn Landwirte ihre Feldspritzen in Gewässernähe oder auf dem Hof reinigen.", sagt Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA) bei der Vrostellung des Berichts.

Nitrat und Ammonium

Bei der Nitrat- und Ammoniakbelastung gebe es laut SUR-Studie zwar ebenfalls Fortschritte, flächendeckend sei ein guter chemischer und ökologischer Zustand aber "bei weitem noch nicht erreicht". Das UBA empfiehlt, sowohl Gülle als auch Mineraldünger schnell einzuarbeiten und ausreichenden Abstand zu Bächen, Flüssen und Seen zu halten. Überschüssige Gülle aus viehstarken Regionen sollte überregional gemäß guter fachlicher Praxis verwertet werden. Für Besserung sollen nach Sicht des UBA hier auch
  • die Novelle der Düngeverordnung und
  • die Verordnung für Anlagen zur Lagerung wassergefährdender Stoffe (AwSV)
sorgen.
 
Beim Ammoniak gerät Deutschland nach Sicht des Umweltbundesamtes in Kollision mit EU-Recht: Gemäß der Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen dürfe Deutschland jährlich 550 Kilotonnen Ammoniak ausstoßen. Derzeit werde diese Obergrenze nicht zuverlässig eingehalten. Genehmigungsbedürftige Geflügel- und Schweineställe müssten daher künftig zu Recht mit einer Abluftreinigung ausgestattet werden. Laut UBA wäre es auch ratsam, bei Rinderställen eine entsprechende Pflicht einzuführen.

Abluftreinigung für Rinderställe stößt auf Unverständnis

Diese Forderung stößt beim DBV auf Unverständnis: "Große Praxisferne zeigt auch die Forderung des Umweltbundesamtes nach einer Abluftreinigung für Rinderställe." Mit diesem "Tunnelblick" offenbare die Behörde nicht nur einen selektiven Blick, sondern regelrechte Ignoranz gegenüber den Anliegen des Tierwohls und den Zielen der Grünlandbewirtschaftung. Der Fortschritt im Hinblick auf das Tierwohl bestehe gerade in der Haltung von Kühen und Rindern in luftigen, offenen Ställen mit großer Bewegungsfreiheit für die Tiere.
 
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