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Agrarsoftware

365FarmNet mahnt zwei Konkurrenten ab

Norbert Lehmann, agrarmanager
am
12.11.2015

Das Unternehmen 365FarmNet hat zwei kleine konkurrierende Start-ups abgemahnt und zumindest in einem Fall eine Änderung der Werbebotschaften erzwungen.

Das Berliner Unternehmen trecker.com wurde von 365FarmNet abgemahnt, weil es auf seinem Agritechnica-Stand auf Bannern sowie Toilettenpapier damit warb, die "einfachste Software der Landwirtschaft" zu sein. Wie trecker.com mitteilte, überreichte ein Mitarbeiter von 365FarmNet am Montag auf dem Messestand die Abmahnung.

Allerdings war trecker.com von 365FarmNet bereits Wochen zuvor darauf hingewiesen worden, dass eine solche absolute Werbeaussage wettbewerbswidrig sei. Daraufhin änderten die Berliner Jungunternehmer zwar ihre Internet- und Facebookseite. Die Werbematerialien für die Messe ließen sie aber unverändert, was die schriftliche Abmahnung am ersten Publikums-Messetag nach sich zog.

Auch das kleine estnische Start-up VitalFields, Anbieter der gleichnamigen Ackerschlagkartei, wurde nach den Worten von VitalFiedls-Geschäftsführer Martin Rand von 365FarmNet aufgefordert, sein Produkt nicht länger als "die einfachste Schlagkartei Deutschlands" zu bewerben.

trecker.com reagiert mit pfiffiger Kreativität

trecker.com reagierte innerhalb der gesetzten Frist bis zum 11. November, 15 Uhr, um das Werben mit der Aussage zu unterlassen. Mit pfiffiger Kreativität gestalteten die Jungunternehmer ihre Werbebanner noch mitten im Messegeschehen um. Sie nutzten die Abmahnung geschickt, um zusätzliche Aufmerksamkeit für ihr Produkt zu erreichen. Gleichzeitig wichen sie einem Rechtsstreit mit 365FarmNet aus, das so potente Partner wie Amazone, Claas oder die Allianz-Versicherung hat.

Martin Rand von VitalFields sagte am Montag, er wolle die Aufforderung zunächst sorgfältig prüfen. Er ist überzeugt, dass die Ackerschlagkartei seines Unternehmens wirklich die am einfachsten zu bedienende ist, und "die Wettbewerber das nur nicht gern hören."

365FarmNet geht gegen Start-Ups vor

Möglicherweise hat 365FarmNet sich mit der Aktion selbst Steine in den Weg gelegt. Zum einen wirken die Abmahnungen gegen zwei Start-ups in der Öffentlichkeit negativ, wie ein Kampf "David gegen Goliath".

Zum anderen könnten sich die Wettbewerber fragen, warum 365FarmNet einerseits absolute Behauptungen in der Werbung von Konkurrenten bekämpft, selbst aber damit wirbt, "Europas innovativste Software für Landwirte" anzubieten. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

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