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Produktion und Förderung

Ab heute: Neue Zulassungsregeln für Pflanzenschutzmittel

von , am
14.06.2011

Brüssel/Frankfurt - Heute treten die neuen EU-Regeln für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in Kraft. Der Industrieverband Agrar spricht von einer neuen Zeitrechnung für Landwirte.

Trelleborg bringt neue Radialreifen für selbstfahrende Feldspritzen auf den Markt. © landpixel
Das neue Regelwerk lege die Hürden für die Zulassung eines neuen Pflanzenschutzmittels höher, während die beabsichtigte europäische Harmonisierung des Zulassungsverfahrens ebenso ausstehe wie seine Entbürokratisierung, kritisierte der IVA-Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler in einer Pressemitteilung.
 
"Der Übergang zum neuen europäischen Pflanzenschutzrecht hätte holpriger kaum sein können", so der Agraringenieur.

Deutsche Umsetzung lässt auf sich warten

Ein neues deutsches Pflanzenschutzgesetz, das die notwendigen Anpassungen abbilde, lasse weiter auf sich warten; Prüf- und Bewertungsrichtlinien seien international noch nicht aufeinander abgestimmt. "Sicher ist allenfalls, dass die Gebühren für die Zulassungsverfahren steigen werden", betonte Koch-Achelpöhler. Das Gesetzespaket, zu dem auch eine umfangreiche europäische Richtlinie gehöre, müsse jetzt in der Praxis beweisen, ob es sein gesetztes Ziel, nämlich ein höheres Schutzniveau für Mensch und Umwelt, wirklich erreichen könne.

Abkehr von wissenschaftlicher Risikobewertung

Die neuen Bestimmungen waren nach zähem Ringen Anfang 2009 verabschiedet worden. Laut IVA dürfen bestimmte Pflanzenschutzwirkstoffe künftig schon dann nicht mehr zugelassen werden, wenn sie in konzentrierter Form schädliche Eigenschaften aufweisen. Für das Pflanzenschutzrecht bedeute die Einführung dieser Ausschlusskriterien eine Abkehr von der bislang praktizierten wissenschaftlichen Risikobewertung am Maßstab der landwirtschaftlichen Praxis. "Pflanzenschutzmittel unterliegen strenger Regulierung und sind neben Arzneimitteln die am intensivsten überwachten Chemikalien", so Koch-Achelpöhler. Ob von den betroffenen Produkten bei korrekter Anwendung durch sachkundige Landwirte überhaupt Risiken für Mensch und Umwelt ausgingen, spiele mit der jüngsten Verschärfung der Regulierung keine Rolle mehr.

Immer weniger Lösungen für die Pilzbekämpfung

"Die jahrhundertealte Erkenntnis des Paracelsus, dass die Dosis entscheidet, ob ein Stoff ein Gift ist, soll in der Landwirtschaft mit einem Mal keine Bedeutung mehr haben", monierte der IVA-Hauptgeschäftsführer. Noch sei schwer zu sagen, wie viele Präparate den Landwirten verlorengingen. Aber schon jetzt zeichne sich ab, dass immer weniger Lösungen für die Pilzbekämpfung in wichtigen Bereichen wie dem Getreideanbau zur Verfügung stünden.

Vorbeugung von Resistenzbildung schwieriger

Ferner werde es schwieriger, Resistenzbildungen vorzubeugen, wenn man aus einer geringeren Bandbreite an Wirkstoffen wählen könne. Für nur in geringem Umfang angebaute Kulturpflanzen könnten sogar gar keine Mittel mehr zur Verfügung stehen, weil die Zulassungskosten solche Produkte unwirtschaftlich machten. Hoffnungen knüpft der IVA an die erklärten Ziele, die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in Europa zu harmonisieren und die landwirtschaftliche Produktion zu verbessern.
 

Verfahren der zonalen Zulassung begrüßt

So begrüßt die Pflanzenschutzindustrie die Einführung der sogenannten "zonalen Zulassung". In Europa werden drei Zonen gebildet, innerhalb derer die nationalen Behörden arbeitsteilig kooperieren. In der Praxis soll dann ein Mitgliedsstaat federführend entscheiden, ob ein neues Pflanzenschutzmittel zugelassen werden kann. Im Idealfall erkennen die anderen Mitglieder derselben Zone die Zulassung in einem vereinfachten Verfahren an und lassen das Pflanzenschutzmittel in ihrem Land ebenfalls zu. Koch-Achelpöhler bezeichnete die zonale Zulassung als einen wichtigen Harmonisierungsschritt. "Wir haben jetzt die einmalige Chance, Bürokratie abzubauen und die kostenintensiven Zulassungsverfahren schneller und effizienter zu gestalten", so der IVA-Hauptgeschäftsführer. Damit sei den Landwirten und in letzter Konsequenz den Verbrauchern in Europa gedient.
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