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Gaskrise und AdBlue-Preise

AdBlue-Preise steigen steil an – Gaskrise sorgt für Preisexplosion

AdBlue tanken.
am Mittwoch, 28.09.2022 - 09:46 (Jetzt kommentieren)

Die AdBlue Preise haben sich in zwei Jahren verzehnfacht. Allerdings folgen die AdBlue-Preise nicht den Dieselpreisen und Rohölpreisen – sondern reagieren auf die Preisexplosion bei Gas, Harnstoff und Ammoniak.

Knapp und sehr teuer bleibt bis auf weiteres der Dieselzusatz AdBlue. Allerdings haben sich die Preise zuletzt auf sehr hohem Niveau stabilisiert. Das Angebot bleibt wegen der drastisch reduzierten Ammoniak-Produktion der großen deutschen und europäischen Hersteller jedoch weiter knapp.

Die Preise an den deutschen Tankstellen liegen heute (28.09) für LKW-AdBlue im Norden Deutschlands überwiegend zwischen 1,40 Euro je Liter und 1,80 Euro je Liter, berichtet das Onlineportal clever.tanken. Im Süden Deutschlands kostet LKW-AdBlue meist zwischen 1,80 und 1,86 je Liter.

Für PKW-AdBlue bewegen sich die Preise zwischen 1,60 Euro und 1,80 Euro je Liter im Norden und 1,80 bis 1,86 Euro je Liter im Süden. Noch vor 9 Monaten hat der Dieselzusatz im Schnitt gerade einmal 0,80 Cent je Liter gekostet und vor zwei Jahren mussten LKW- und PKW-Fahrer gerade einmal 20 Cent zahlen.

Damit haben sich die Preise innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt und sind seit 2020 fast um das 10fache gestiegen.

Für den 10-Liter-Kanister, den Autofahrer gerne kaufen, müssen sie diese Woche zwischen rund 27 Euro bis teilweise weit über 40 Euro zahlen und damit erheblich mehr als an den Tankstellen.

Hohe Gaspreise drücken Produktion und treiben Preise

Die Ursache, dass AdBlue in Deutschland und Europa so teuer ist, sind die hohen Gaspreise. Da Gas für die Herstellung von Ammoniak, den Grundstoff für AdBlue benötigt wird, haben beispielsweise die SKW Stickstoffwerke Piesteritz die Produktion des Dieselzusatzes zweitweise eingestellt. Das Unternehmen produziert jedoch gut 40 Prozent des AdBlue-Bedarfs in Deutschland.

Ein weiterer großer Erzeuger ist die BASF in Ludwigshafen. Auch dort wurde die Produktion von Harnstoff aufgrund der hohen Gaspreise deutlich eingeschränkt. Das gleiche passiert bei allen anderen großen Harnstoff- und Ammoniakherstellern – wie etwa Yara oder Borealies.

Der Sprecher des Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Dirk Engelhardt, sagt gegenüber dem ADAC: "Der Preis für AdBlue hat sich von Januar 2021 bis Juli 2022 fast verdreifacht, und sich bis Ende August fast vervierfacht und dürfte im September zu weiteren Höhenflügen ansetzen.

Wir haben auch Mitgliedsunternehmen, bei denen sich die Einkaufspreise für AdBlue bis dato bereits verfünffacht oder versiebenfacht haben, ergänzt der BGL-Sprecher.

Hamsterkäufe sind nicht sinnvoll

Die Harnstofflösung AdBlue wird bei der Abgasnachbehandlung von Dieselmotoren eingesetzt. Sie verringert die ausgestoßenen Stickoxide um bis zu 90 Prozent. In der Transport- und Logistikbranche (und auch bei Industrieunternehmen) wächst indessen die Sorge, dass eine Verknappung des vor allem für Diesel-Lkw wichtigen Zusatzes den Güterverkehr in Deutschland lahmlegen könnte.

Nahezu jeder Lastwagen der Speditions-, Logistik- und Transportbranche in Deutschland fährt laut dem Bundesverband Gütertransport (BGL) mit Diesel. Der AdBlue-Verbrauch der Lkw auf deutschen Straßen liegt laut BGL bei etwa fünf Millionen Liter pro Tag.

AdBlue wird über eine Dosierpumpe in den Abgasstrang eingespritzt. Die Menge ist von Drehzahl und Fahrzeuglast abhängig. Im Katalysator findet dann eine chemische Reaktion statt. Das Abgas-AdBlue-Gemisch wird erhitzt, wodurch Ammoniak freigesetzt wird.

Von der AdBlue-Problematik betroffen sind neben der Logistikbranche auch Fahrer neuerer Diesel-Pkw (überwiegend mit Euro-6-Norm), deutschlandweit etwa 10 Prozent aller Fahrzeuge.

Bevor eine flächendeckende Verknappung tatsächlich eintritt und viele Dieselfahrende ohne AdBlue nicht mehr fahren können, muss nach Ansicht des ADAC die Industrie auch bei hohen Gaspreisen eine Versorgung mit AdBlue sicherstellen.

Hamsterkäufe sind aufgrund der zum Teil extrem hohen Preise für Kanisterangebote nicht ratsam, sagt der ADAC, eine kleine Reserve zu Hause ist aber auf jeden Fall sinnvoll. Zu beachten ist: AdBlue zersetzt sich im Lauf der Zeit auf natürliche Weise zu Ammoniak. Der Prozess ist von der Lagertemperatur abhängig.

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