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Produktion und Förderung

AFP-Förderung: Großes Interesse von Seiten der Landwirte

von , am
09.05.2011

Berlin - Das Interesse von Landwirten an der staatlichen Investitionsförderung ist ungebrochen. In Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern war die Nachfrage besonders groß.

Die Filterpflicht soll nach dem derzeitigen Entwurf für Ställe mit mehr als 2.000 Mastschweinen und 750 Sauen gelten.. © Mühlhausen/landpixel
Trotz eines Antragsstopps in zwei Bundesländern verzeichneten die Landgesellschaften im vergangenen Jahr mit 900 Anträgen im Rahmen des Agrarinvestitionsförderungsprogramms (AFP) eine ähnliche Nachfrage wie 2009. Wie der Bundesverband der gemeinnützigen Landgesellschaften (BLG) in seinem Jahresbericht 2010 mitteilt, nahm vor allem in Bayern die Zahl der Förderanträge deutlich zu, obwohl im Freistaat ab Ende August schon keine neuen Anträge mehr angenommen wurden. Spürbare Zuwächse gab es auch bei den Landgesellschaften in Hessen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern.

Vorjahreswert um 16 Prozent übertroffen

Mit 873 bewilligten AFP-Förderanträgen im Bereich der Landgesellschaften wurde der Vorjahreswert um 16 Prozent übertroffen. Die meisten Länder sahen sich aufgrund des starken Andrangs gezwungen, die Bewilligungen nach einer Prioritätenliste vorzunehmen.
 
An der Spitze rangierten dabei Investitionen in eine besonders tiergerechte Haltung von Milchkühen, gefolgt von ähnlichen Vorhaben bei anderen Tierarten. Auch Investitionen in Lagereinrichtungen und Maßnahmen zur Diversifizierung räumten die Länder bei der Bewilligung eine hohe Dringlichkeit ein. BLG-Geschäftsführer Karl-Heinz Goetz geht davon aus, dass die Länder in diesem Jahr aufgrund der anhaltend starken Nachfrage nach AFP-Mitteln ähnlich verfahren werden.

Automatisierung als Reaktion auf Fachkräftemangel

Für die neuen Länder berichtet der BLG-Vorstandsvorsitzende Dr. Willy Boß, der die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt leitet, von einem Anstieg der Investitionen in Melktechnik und Stallausrüstung. Zu beobachten sei inzwischen auch bei Großbetrieben ein Trend zur Automatisierung der Milcherzeugung, nachdem der Melkroboter bislang vornehmlich in Familienbetrieben Zuspruch gefunden habe. Der BLG-Vorsitzende führt dies nicht zuletzt auf einen immer deutlicher zu spürenden Fachkräftemangel zurück, mit dem gerade die Betriebe in Ostdeutschland in wachsendem Maße konfrontiert seien. Boß: "Wer keine geeigneten Arbeitskräfte bekommt, muss sich nach Alternativen umschauen." Dieser Trend werde sich in Zukunft angesichts der demographischen Entwicklung weiter verschärfen.

Ein Euro Förderung bringt vier Euro Investitionen

Wieder höher im Kurs stehen nach Angaben von BLG-Geschäftsführer Goetz Aussiedlungen. Nachdem es vor einigen Jahren noch deutliche Rückgänge gegeben hatte, nahm deren Zahl in den alten Ländern im letzten Jahr abermals spürbar zu. Die bewilligten Vorhaben ereichten 2010 mit 355 einen Mehrjahreshöchststand.
 
Insgesamt gestiegen ist auch der durchschnittliche Umfang der von den Landgesellschaften betreuten Investitionen. Damit einhergegangen ist ein Zuwachs der durchschnittlichen förderfähigen Investitionskosten.
 
Goetz wertet die Agrarinvestitionsförderung als unverzichtbares Instrument zur Bewältigung des Strukturwandels in der Landwirtschaft. Kritik an vermeintlichen Mitnahmeeffekten halte er für unberechtigt, betonte der BLG-Geschäftsführer.

Von der Agrarinvestitionsförderung gingen erhebliche Impulse für Wirtschaft und Beschäftigung in ländlichen Regionen aus. Nach Einschätzung von Goetz löst ein Euro Förderung mindestens weitere vier Euro Investitionen aus. Zum einen würden damit in der Landwirtschaft Arbeitsplätze gesichert, zum andern im Baugewerbe sowie in der Stallausrüstungs- und Zulieferindustrie, die im Regelfall in der Region oder zumindest in ländlichen Gebieten angesiedelt seien.
 

Mit Kompensationsflächenmanagement zum Ziel

Mit Nachdruck hob Goetz den Beitrag der Landgesellschaften zur Reduzierung des Flächenverbrauchs hervor. Mit dem Kompensationsflächenmanagement hätten inzwischen nahezu alle Gesellschaften ein Tätigkeitsfeld erschlossen, "mit dem tatsächlich ein nennenswerter Beitrag zum Flächensparziel der Bundesregierung geleistet wird". Es biete sich die Chance, bei dem vorgeschriebenen Ausgleich von Eingriffen in Natur und Landschaft für die Landwirtschaft verträgliche Lösungen zu finden. Im Mittelpunkt stehe das Bemühen, landwirtschaftlichen Betrieben im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen in Kooperation mit dem Naturschutz Möglichkeiten zur Wertschöpfung durch Nutzung zu eröffnen. Diese gelte sowohl für produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen als auch für die Konzentration von Kompensationsmaßnahmen auf Natura 2000-Flächen.

Wie Goetz berichtete, betreuten die Landgesellschaften Ende 2009 insgesamt 29 Kompensationsflächenmaßnahmen mit rund 854 Hektar. An der Spitze lagen die Hessische Landgesellschaft (HLG) und die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) mit jeweils neun Maßnahmen. 2010 kamen 18 Projekte mit rund 386 ha hinzu. Ende 2010 belief sich der Bestand insgesamt auf 45 Projekte mit zusammen rund 1.253  ha.

Flurneuordnung nach wie vor wichtig

Überbetriebliche Maßnahmen vor allem zur Flurneuordnung bilden nach den Worten des BLG-Geschäftsführers einen weiteren Schwerpunkt der Tätigkeit von Landgesellschaften. Im vergangenen Jahr wurden in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein 187 freiwillige Landtausche nach dem Flurbereinigungsgesetz mit insgesamt knapp 2.300 Hektar abgeschlossen.
 
In den neuen Ländern werden freiwillige Landtausche zur Zusammenführung von Boden- und Gebäudeeigentum nach dem Landwirtschaftsanpassungsgesetz von den dortigen Landgesellschaften durchgeführt. Im vergangenen Jahr wurden 42 Vorhaben beendet. Ende des Jahres waren noch 47 Landtausche in Bearbeitung.
 
Vornehmlich die süddeutschen Landgesellschaften, aber auch die NLG, befassen sich zudem mit der beschleunigten Zusammenlegung nach dem Flurbereinigungsgesetz. Insgesamt wurden im letzten Jahr 18 solcher Verfahren mit zusammen gut 14.000 Hektar abgeschlossen. Weitere 82 Verfahren mit etwa 117.000 ha waren Ende des Jahres noch in Bearbeitung.
 
Die von den ostdeutschen Landgesellschaften durchgeführten Bodenordnungsverfahren nach dem Landwirtschaftsanpassungsgesetz sowie die Feststellung und Neuordnung der Eigentumsverhältnisse oder die Zusammenführung von Boden- und Gebäudeeigentum haben dem BLG-Geschäftsführer zufolge ebenfalls nach wie vor einen hohen Stellenwert. 

Demographiecheck von zunehmendem Interesse

Zunehmende Akzeptanz findet Goetz zufolge das von den Landgesellschaften bereits 2007 entwickelte "Dienstleistungspaket Demographiecheck", das im Rahmen der Kommunalbetreuung angeboten wird. Zwar sei der Demograpfiecheck bislang nicht im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) förderfähig, räumte der BLG-Geschäftsführer ein. Für die Umsetzung des vom Bundesbauministerium aufgelegten Programms "Kleine Städte und Gemeinden - überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke" biete dieses Instrument jedoch unbestreitbare Vorteile. "Es geht darum, Fehlinvestitionen vor allem der öffentlichen Hand zu vermeiden", erläuterte der BLG-Verbandsvorsitzende Boß. Nur wer seine Stärken und Schwächen kenne und für sich tragfähige Zukunftsfelder identifiziere, könne nachhaltig investieren. "Die Landgesellschaften bieten sich dafür den Kommunen als Partner an", so Boß.
 
Mit den vier Modulen
  • Orientierung und Aktivierung
  • Kommunalinventarisierung und Nachhaltigkeitscheck
  • Ziele und Kooperation, sowie
  • Umsetzungsbegleitung und Demographiecoaching
hätten die Landgesellschaften ein Paket geschnürt, das als Instrument zur Moderation und Umsetzung der Anpassung an den demographischen Wandel bestens geeignet sei und helfe, regionale Potentiale angesichts der bevorstehenden Herausforderungen einzuschätzen und zu fördern. 
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