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Produktion und Förderung

AgrarBündnis warnt vor Folgen des Freihandels

von , am
20.01.2014

Berlin - Zum Auftakt der Grünen Woche stellte das AgrarBündnis den Kritischen Agrarbericht 2014 vor.
Kritik übten die Vertreter an den Freihandelsgesprächen und an der Fleischexportausweitung.

Kritischer Agrarbericht 2014: Schwerpunkt - Tiere in der Landwirtschaft © Katharina Krenn/agrarheute
Mit Argwohn betrachten die Vertreter des AgrarBündnisses die laufenden Verhandlungen zum Freihandelsabkommen mit den USA. "Derzeit ist es möglich, den Landwirten Anreize zu geben, damit sie Tiere artgerecht halten und für den heimischen Markt produzieren. Kommt aber das Freihandelsabkommen, gelten auch bei uns endgültig die Regeln des Weltmarktes. Um bei Niedrigpreisen für Fleisch mithalten zu können, werden noch mehr Investitionen in neue riesige Mastanlagen die Folge sein", erklärte Hubert Weigert, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).
 
Er forderte die Bundesregierung zu mehr Transparenz bei den Verhandlungen vor allem auch in Bezug auf das Thema Gentechnik auf. Außerdem appellierte Weigert an den Deutschen Bauernverband sich hierzu zu positionieren. "Die geheime Agenda hat das Ziel, gesellschaftlich errungene Standards und demokratische Selbstbestimmungsrechte der Parlamente von EU und USA auszuhebeln", so Bernd Voß von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

Kritik an Fleisch-Überproduktion

Ein weiteres Reizthema in diesem Zusammenhang ist die Exportorientierung Deutschlands bezüglich der Fleischproduktion. In den letzten 10 Jahren gab es laut Weigert eine massive Steigerung der Tierproduktion und des Fleischexports Deutschlands. Mittlerweile sei Deutschland bei 20 Prozent, bei Geflügel sogar bei 30 Prozent Überproduktion angelangt. Eine Ausweitung des Exports und der Produktion führe weiter zu einer Intensivierung der Tierhaltung in Großanlagen und weg von einer nachhaltigen, bäuerlichen Landwirtschaft.

Streitpunkt ökologische Vorrangfläche

Kritik erntete auch die Umsetzung der Agrarreform. Das Greening würde noch weiter verwässert, wenn Pflanzenschutz und Düngemittel auf den ökologischen Vorrangflächen zugelassen würden, beanstandete Weigert. Der Bundeslandwirtschaftsminister sprach sich auf der Grünen Woche für den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmittel auf Greeningflächen aus. Der Demetervorstand Alexander Gerber schlug zudem vor, Stickstoff stärker zu besteuern, um die Überdüngung in den Griff zu kriegen. Denn ein großer Teil der deutschen Gewässer weise hohe Nitratgehalte auf.

Schwerpunkt Tierhaltung

Den Schwerpunkt des diesjährigen Kritischen Agrarberichts legten die Verfasser 2014 auf das Thema Tierhaltung. Tierschutz sei in aller Munde. "Es ist keine Fachdiskussion, sondern eine öffentliche Diskussion", so Dr. Frieder Thomas, Vorsitzender des AgrarBündnises. Dass mehr Tierschutz möglich sei, zeige der NEULAND-Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung, den der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit dem BUND und der AbL bereits vor mehr als 25 Jahren initiiert hat.  Hubert Weiger forderte neue Kennzeichnungsregeln für Fleischprodukte, um Tierleid, Umweltschäden und Gesundheitsrisiken durch die Fleischproduktion zu reduzieren: "Verbraucher müssen auf jedem Fleischprodukt Herkunft und Haltung der Tiere erkennen können. Sie müssen wissen, ob das Futter gentechnisch verändert war."

Bio ohne Tierhaltung geht nicht

Bio-Landbau braucht Tierhaltung - das machte Alexander Gerber, Vorstand von Demeter, deutlich. Nur tierischer Dung sichere dauerhaft hohe und stabile Erträge in einem System, das auf mineralischen Dünger verzichtet. Zurückgehende Erträge auf Bio-Marktfruchtbetrieben ohne Tierhaltung machen dies deutlich.
 
Aktuelle Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu den Klimawirkungen des Bio-Landbaus an der TU München zeigen, dass gerade die Milchvieh haltenden Betriebe besonders klimafreundlich sind. Sie bauen Humus im Boden auf. Gemessen wurde eine Anreicherung von durchschnittlich über 200 Kilogramm Kohlenstoff pro Hektar und Jahr. Bei ökologischen Marktfruchtbetrieben ist hingegen von gleichbleibenden Humusgehalten auszugehen. Konventionelle Marktfruchtbetriebe weisen sogar negative Humusbilanzen von minus 150 Kilogramm Kohlenstoff je Hektar und Jahr auf.
 

EU-Kommissar zum Greening und Freihandelsabkommen

 
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