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Produktion und Förderung

agrarheute.com unterwegs: Gemüse vom Hochhausdach

von , am
14.05.2012

New York - Eine Farm auf dem Dach eines Hochhauses: Gwen Schanz baut Gurken, Tomaten und Kürbisse in luftiger Höhe an. Sie und ihre Mitarbeiter verdienen aber nicht nur am Gemüseverkauf.

Wir sind mit Gwen Schanz verabredet, auf ihrer Gemüsefarm im New Yorker Stadtteil Brooklyn, zusammen mit den Agrarjournalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die wir damit zum dritten und letzten Mal auf ihrer Studienreise durch den Nordosten Nord-Amerikas begleiten. Der Aufstieg zur Brooklyn Grange Farm beginnt, mit dem Warten am Fahrstuhl. Sieben Etagen geht es aufwärts. Dann noch ein paar Stufen zu Fuß. Schließlich stehen wir auf Kultursubstrat für Gründächer, ausgebracht auf der 4.000 Quadratmeter großen Dachfläche. Gwen, die Geschäftsführerin der Farm, wartet bereits auf uns.

Dach per Googlemaps gefunden

Die 30-Jährige führt uns zu den Beeten, auf denen zum Teil schon Gemüse eingesät ist. Es zeigt sich in zarten grünen Reihen. Gwen erzählt, dass sie das Dach ursprünglich über Googlemaps gesucht und gefunden haben. Für die Nutzung zahlen sie jetzt eine monatliche Miete. Seit 2010 bauen sie hier Gurken, Tomaten, Kürbisse, Radieschen und Salat an. Insgesamt wurden auf der Brooklyn Grange Farm im vergangenen Jahr gut 6.700 Kilogramm Gemüse geerntet und auf Märkten sowie an Restaurants verkauft.

Biologischer Pflanzenschutz groß geschrieben

Windig ist es meist, in dieser luftigen Höhe. So brauchen die Pflanzen regelmäßig zusätzliches Wasser, berichtet Gwen. Einer ihrer drei Mitarbeiter wässert gerade die Flächen - mit Wasser aus einem großen Speicherbehälter, der auch auf dem Dach steht. "Für den Pflanzenschutz benutzen wir hier ausschließlich Seifenlauge, z.B. gegen Blattläuse. Ansonsten setzen wir Nützlinge wie Marienkäferlarven ein. Für die säen wir verschiedene Blumengemische an, damit sie sich in möglichst großer Zahl hier ansiedeln." Unkraut entfernen sie ausschließlich per Hand, Herbizide werden nicht eingesetzt.

Substrat per Kran aufs Dach

Das Substrat, in dem das Gemüse wächst, wurde per Kran auf das Dach transportiert. Es ist 20 cm tief und besteht zu 50 Prozent aus Kompost einer Pilzfarm. Der andere Teil ist ein leichtes Gestein mit hoher Wasserhaltekapazität. Gedüngt wird ein organischer Dünger - mit fünf Prozent Stickstoff, drei Prozent P2O5 und vier Prozent K2O. Zusätzlich geben sie Kaliumsulfat in geringen Mengen. "Außerdem verteilen wir eigenen Kompost auf den Beeten", betont Gwen.

Zuverdienst: Dinner, Kinderprogramm und Bienen

Nur vom Gemüseanbau kann die Farm jedoch nicht bestehen. Deshalb bietet das Team um Gwen Schanz weitere Dienstleistungen an. Mit ihrem Dinnerservice laden sie ihre Kunden auf das Dach ein: Man kann dort nach Anmeldung speisen - in besonderer Atmosphäre. Außerdem bieten die Farmer Kindergärten und Schulklassen ein abwechslungsreiches Programm: Die Kinder erfahren etwas über den Gemüseanbau, über Lebensmittel und ihre Bedeutung für eine gesunde Ernährung. Sie können die beeindruckende Umgebung genießen, mit dem weiten Blick über die Stadt und dem freien Himmel.
 
Und sie lernen Bienen und ihre Bedeutung für Menschen und Pflanzen kennen. Denn Gwen und ihre Mitarbeiter halten zurzeit vier Bienenstöcke und haben durch den Verkauf von Honig einen guten Zuverdienst. Die Insekten sind im Umkreis von 8 Kilometern fleißig. Für 500 g Honig gibt es etwa 20 Dollar.
 
Wo sieht Gwen die Farm in Zukunft? Sie möchte noch in diesem Jahr eine weitere Dachfarm mit Gemüseanbau eröffnen. Außerdem plant sie auch in diesem Jahr, zusätzliche Bienenvölker anzuschaffen und eine weitere Person einzustellen, die sich ausschließlich um die Bienenhaltung und die Imkerei kümmert.
 
Wir haben die 16 Agrarjournalisten bereits auf zwei Stationen ihrer Studienfahrt durch den Nordosten der USA begleitet:
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