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Fichteneinschlag wird gesetzlich begrenzt

Holzernte mit dem Harvester
am Freitag, 26.03.2021 - 09:50 (3 Kommentare)

Aufgrund der extremen Waldschäden wird der Einschlag von Fichten vorübergehend gesetzlich beschränkt. Für Waldbesitzer hat das Steuervorteile zur Linderung der Kalamitätsschäden.

Der Fichteneinschlag wird im Forstwirtschaftsjahr 2021 auf 85 Prozent des Durchschnitts der Jahre 2013 bis 2017 begrenzt. Einem entsprechenden Verordnungsentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums hat der Bundesrat heute (26.3.) zugestimmt.

Die Einschlagsbeschränkung gilt rückwirkend ab dem 1. Oktober 2020 bis zum 30. September 2021. Somit werden die damit verbundenen steuerlichen Vergünstigungen ab diesem Zeitpunkt wirksam.

Die Waldbesitzer sind von dem Beschluss des Bundesrates allerdings enttäuscht. „Diese Verordnung bleibt weit hinter unseren Erwartungen zurück“, sagte Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Waldeigentümer (AGDW). Nach drei Dürrejahren sei das ein Tropfen auf den heißen Stein. Eine weit größere Einschlagsbeschränkung zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt hätte den Waldbesitzern geholfen, um die massive Marktstörung zu regulieren.

Waldbesitzer fordern eine grundlegende Novelle

Der AGDW-Präsident forderte eine Novellierung des Forstschäden-Ausgleichsgesetzes, das aus dem Jahr 1969 stammt. „Die Situation in den Wäldern hat sich nach einem halben Jahrhundert und angesichts einer Beschleunigung des Klimawandels deutlich verändert“, so von der Marwitz. Er forderte die Weiterentwicklung des Gesetzes zu einem Krisenmanagementgesetz. Dazu zählt er unter anderem:

  • den Aufbau eines nationalen Risikomanagements,
  • die Schaffung eines Nothilfefonds,
  • die Förderung von Waldschadensversicherungen und
  • die Entkoppelung des § 1, in dem es um die Beschränkung des ordentlichen Holzeinschlages geht, von allen anderen Maßnahmen des Gesetzes.

Gleichzeitig machte von der Marwitz deutlich, dass die Regulierung des Holzeinschlags eine Ultima Ratio bleiben müsse, wenn andere Maßnahmen nicht greifen. Notwendig sei ein wirksamer Hebel, der die Schieflage auf den Märkten infolge der Extremwetterereignisse ausgleiche.

Fichten haben stark gelitten unter Hitze, Stürmen und Borkenkäfer

Hintergrund ist, dass die deutschen Fichtenbestände in den vergangenen Jahren stark unter Hitze, Stürmen und Käferbefall gelitten haben. Die Bundesregierung spricht von den größten Waldschäden seit Bestehen der Bundesrepublik. Insgesamt 285.000 Hektar müssen neu aufgeforstet werden. Die Menge an Schadholz soll nach einer Länderabfrage im zweiten Quartal 2020 insgesamt 178 Millionen Kubikmeter betragen.

Die Kalamitätsnutzung überschreitet 40 Prozent des ungekürzten Einschlagsprogramms im Bundesgebiet. Das macht den Weg frei für eine Beschränkung des ordentlichen Holzeinschlags kraft Rechtsverordnung nach dem Forstschäden-Ausgleichsgesetz. Die Einschlagsbeschränkung soll einen zu starken Preisverfall durch ein Überangebot auf dem Holzmarkt lindern.

Darauf müssen Waldbesitzer jetzt achten

Forstwirte, die seit Oktober 2020 bereits Fichten eingeschlagen haben, sollten beachten, dass die Menge auf den beschränkten Holzeinschlag anzurechnen ist. Wer sich nicht an diese Beschränkung hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Forstschäden-Ausgleichsgesetz: Das sind Ihre Steuervorteile

Für Waldbesitzer bringt die Aktivierung des Forstschäden-Ausgleichsgesetzes steuerliche Erleichterungen. Wie Ecovis-Steuerberaterin Juliane Kahlich erläutert, dürfen Steuerpflichtige, die nicht buchführungspflichtig sind und den Gewinn nicht durch Bilanzierung ermitteln, zur Abgeltung der Betriebsausgaben im Jahr der Einschlagsbeschränkung 90 Prozent der Einnahmen abziehen. Außerdem gilt für alle Kalamitätsnutzungen ein ermäßigter Steuersatz bei der Einkommensteuer.

Mit Material von Bundesrat, Ecovis

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