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Produktion und Förderung

Aigner: Almlandwirtschaft das Rückgrat der Bergregionen

von , am
02.08.2013

Bei der traditionellen "Hauptalmbegehung" des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern hat Ministerin Aigner diese Woche im oberbayerischen Grassau den Almbauern die Unterstützung der Politik zugesichert.

Heimspiel für Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), die vergangene Woche Wahlkampf in Oberbayern machte. © Spiber/Fotolia
"Die Landwirtschaft auf den Almen ist das Rückgrat der Bergregionen. Was unsere Almbäuerinnen und Almbauern leisten - etwa für den Artenschutz oder die Landschaftspflege - hat hohe Anerkennung verdient", sagte Aigner. Sie betonte die Bedeutung der Berglandwirtschaft für Gesellschaft, Natur und Tourismus. "Die Berge zu nutzen heißt sie zu schützen. Die Bewirtschaftung der Almen hilft, die einmalige Biodiversität in den Berggebieten zu erhalten und gleichzeitig die Gefahren der Natur zu mindern", sagte Aigner. Auch der für Deutschland so bedeutende Tourismus sei von der Pflege der einzigartigen Landschaft durch die Bergbauern abhängig.
 
Die Ministerin erinnerte daran, dass Bergbauern unter schwierigsten Bedingungen arbeiten. Deshalb sei es umso wichtiger, dass sie auch in Zukunft Unterstützung erhalten. Durch die schrittweise regionale Anpassung der Direktzahlungen, die Deutschland im Unterschied zu den meisten anderen EU-Staaten in den vergangenen Jahren umgesetzt hat, erhalten die Berglandwirte heute mehr Geld aus Brüssel.

Aigner: Berglandwirte als Gewinner der GAP-Reform

Aigner erklärte, die durchschnittlichen Direktzahlungen in Landkreisen mit Berggebieten seien innerhalb der letzten vier Jahre um die Hälfte gestiegen. Zu der nun in der Endphase befindlichen EU-Agrarreform für die nächste Förderperiode sagte Aigner: "Wir haben in Brüssel lange und hart verhandelt. Die Berglandwirte in Deutschland zählen eindeutig zu den Gewinnern der EU-Agrarreform", sagte Aigner. Sie verwies darauf, dass 1,2 Milliarden Euro pro Jahr für die 2. Säule, unter anderem als Ausgleichszulage für Berggebiete, gesichert werden konnten. Die umstrittenen, von der EU-Kommission geforderten pauschalen Flächenstilllegungen seien ebenso vom Tisch wie radikale Kürzungspläne, die bis zu 30 Prozent der Direktzahlungen hätten wegfallen lassen und damit gerade viele Bergbauernbetriebe in ihrer Existenz bedroht hätten.
 
Nach den Plänen von Bundesministerin Aigner soll Dauergrünland in benachteiligten Gebieten künftig zusätzlich aus der 1. Säule gefördert werden. Außerdem werde eine spezifische Förderung für Raufutterfresser in sehr umweltsensiblen Gebieten vorgeschlagen, etwa Berggebiete.
Das BMELV habe darüberhinaus ein "Regionalfenster" entwickelt, das nach Abschluss der Erprobungsphase nun ab Herbst vom Handel eingeführt werde und eine transparente und kontrollierte Kennzeichnung regionaler Produkte sicherstelle.

Daten und Fakten zur Berglandwirtschaft

Im gesamten Bundesgebiet bewirtschaften rund 14.600 Bergbauernbetriebe eine landwirtschaftliche Fläche von über 300.000 Hektar. Allein in Bayern gibt es rund 10.000 Bergbauernbetriebe, die insgesamt über 240.000 Hektar bewirtschaften. Davon sind rund 40.500 Hektar Lichtweideflächen, die zu fast 1.400 Almen und Alpen gehören (Höhenbereich von 600 bis 2400 Meter). Jedes Jahr werden über 50.000 Rinder, davon 4.500 Milchkühe, sowie 3.200 Schafe und 1000 Pferde auf die Almen gebracht. Über die Ausgleichzulage für benachteiligte Gebiete wird in Berggebieten eine Fläche von 212.000 Hektar gefördert, ganz überwiegend bis auf 151 Hektar Ackerland (Datenbasis 2011).
 
8.683 Betriebe erhielten im Jahr 2011 die Ausgleichszulage, deren durchschnittliche Höhe je Betrieb sich auf rund 2.800 Euro belief. Die Berglandwirtschaft ist gekennzeichnet durch extreme Wirtschaftsbedingungen wie etwa lange Winter und kurze Vegetationsperioden mit konzentrierten Arbeitsspitzen, eine schlechte Erreichbarkeit der Flächen und extreme Steillagen, die oft nur mit Handarbeit oder teuren Spezialmaschinen zu bewirtschaften sind. Die Nachteile der Berglandwirtschaft gegenüber Gunstlagen liegen laut BMELV auf der Hand: Es gibt kaum Wachstums- und Expansionsmöglichkeiten und nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Rationalisierung von Kosten, häufig ist der Produktionsaufwand größer als der Erlös der Produkte. 

Video: Es geht nach Hause: Almabtrieb im Tegernseer Tal (Okt 2011)

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