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Produktion und Förderung

Antibiotika-Resistenzen: Schuldzuweisungen nützen wenig

© landpixel
von , am
03.03.2014

Frankfurt - Die bedenkliche Lage der Antibiotikaresistenzen resultiert nicht aus Verfehlungen von Landwirten und Tierärzten. Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte will den Dialog mit Humanmedizinern.

Landwirte sind laut Arzneimittelgesetz dazu verpflichtet, ihre betriebsindividuellen Zahlen zu melden. © Mühlhausen/landpixel
Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) wehrt sich gegen den öffentlichen Vorwurf des Bundesverbands Deutscher Chirurgen (BDC), die bedenkliche Resistenzlage in der Humanmedizin sei eine Folge des Antibiotikaeinsatzes in der Tiermast und Landwirte wie auch Tierärzte seien Überträger resistenter Bakterien.
 
Schuldzuweisungen, die den Stand der Wissenschaft außer Acht ließen und obendrein die eigene Verantwortung verschweigen würden, seien nicht zielführend im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen. Im gemeinsamen Dialog wolle man effektive Lösungen entwickeln. Darauf verweist bpt-Präsident Dr. Hans-Joachim Götz in einem persönlichen Schreiben an BDC- Präsdent, Prof. Dr. Hans-Peter Bruch.

Viele Reserveantibiotika für Tiere verboten

In einem Schreiben stellte Götz zunächst fest, der Vorwurf werde spätestens durch die Studien des Wissenschaftlichen Instituts der AOK widerlegt. Danach sei mindestens jedes zweite in der Humanmedizin eingesetzte Antibiotikum ein sogenanntes Reserveantibiotikum, das eigentlich nur zum Einsatz kommen solle, wenn Standardmittel keine Wirkung mehr zeigten.
 
Im vergangenen Jahr habe das Nationale Referenzzentrum für gramnegative Krankenhauserreger überdies einen deutlichen Anstieg von Keimen festgestellt, die gegen Reserveantibiotika aus der Klasse der Carbapeneme resistent seien. Für die Anwendung bei Nutztieren sind Carbapeneme dagegen laut Götz, wie viele andere Reserveantibiotika aus der Humanmedizin, gar nicht zugelassen.
 
Tierärzte dürften humanmedizinische Präparate nicht umwidmen und nur die für Nutztiere zugelassenen Wirkstoffe einsetzen. Laut bpt zählen letztlich nur zwei Prozent der in der Tiermedizin eingesetzten Antibiotika zu den Reserveantibiotika.

Im Sinne des Tieres verantwortbare Reduktion

"Durch das klare Bekenntnis des bpt zu dem zum 1. April in Kraft tretenden 16. Gesetz zur Änderung des Arzneimittelgesetze (16. AMG-Novelle) und die Unterstützung des von der Wirtschaft getragenen QS-Antibiotikamonitorings leistet unser Verband bereits einen maßgeblichen Beitrag zur Transparenz beim Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung", betonte Götz.
 
Auf Grundlage der neu gewonnenen Daten müsse dann über eine im Sinne des Tieres verantwortbare Antibiotikareduktion diskutiert werden. Götz appellierte gleichzeitig an den BDC und die Vertreter der Ärzteschaft, sich gemeinsam mit den Tierärzten im Sinne des Aktionsplans der EU-Kommission und der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) für einen restriktiven Einsatz von Antibiotika gemäß Leitlinien einzusetzen und im gemeinsamen Dialog effektive Lösungen zu entwickeln.
 
Wolle man das Resistenzproblem langfristig in den Griff bekommen, müssten Human- und Veterinärmedizin künftig mehr an einem Strang ziehen, so der bpt-Präsident.

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