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Produktion und Förderung

Antibiotikaeinsatz mit Augenmaß reduzieren

von , am
22.01.2014

Berlin - Auf dem ErlebnisBauernhof informierte der bundesverband praktizierender tierärzte (bpt) zum Thema "Antibiotikareduzierung mit Augenmaß". Dabei ging es unter anderem um die 16. AMG-Novelle.

bpt-Präsident Dr. Hans-Joachim Götz beim Forum auf dem ErlebnisBauernhof in Berlin. © hek
bpt-Präsident Dr. Hans-Joachim Götz ging in seinem Vortrag auf die 16. AMG-Novelle ein. Das 16. Gesetz zur Änderung des Arzneimittelgesetzes wird am 01. April in Kraft treten. Erklärtes Ziel sei es, den Einsatz von Antibiotika in Mastbetrieben über den Indikator Therapiehäufigkeit zu reduzieren. Werden bestimmte Kennzahlen überschritten, werden Handlungsverpflichtungen ausgelöst. Somit soll der Einsatz auf das "therapeutisch unerlässliche Mindestmaß" heruntergesetzt werden. Die neuen Regelungen sollen es den Überwachungsbehörden ermöglichen, die Therapiehäufigkeit mit Antibiotika in einem Betrieb zu beurteilen und mit anderen Betrieben zu vergleichen.
 
Betriebsbezogen werden halbjährlich
  • Arzneimittelbezeichnung
  • Art und Anzahl der behandelten Tiere
  • Anzahl der Behandlungstage sowie
  • die Anzahl der im Berichtszeitraum gehaltenen Tiere erfasst.
Außerdem müsse laut bpt die je nach Arzneimittel insgesamt angewendete Arzneitmittelmenge je Halbjahr gemeldet werden. Die zuständige Behörde ermittelt je nach Nutzungsart die durchschnittliche Anzahl der Berhandlungen je Betrieb und teilt sie dem Tierhalter mit.

bpt: Kein Überbietungswettbewerb

Bei Überschreiten der Kennzahl 1 (dem Mittelwert) ist der Tierhalter verpflichtet, einen Tierarzt hinzuzuziehen, um die Ursachen für den erhöhten Antibiotikaverbrauch herauszufinden und Maßnahmen für eine Reduzierung zu finden. Überschreitet ein Betrieb die Kennzahl 2 (der Wert, unter dem 75 Prozent aller Therapiehäufigkeiten liegen), muss innerhalb von zwei Monaten ein schriftliches Minimierungskonzept erstellt und der zuständigen Behörde unaufgefordert übermittelt werden.
 
Liegt der Antibiotikaverbrauch innerhalb von sechs Monaten nicht niedriger, ist ein zusätzlicher Zeitplan zu erstellen. Falls erforderlich, könne die Behörde nach dem neuen AMG auch Anordnungen zur Antibiotika-Anwendung und zu weiteren Prophylaxemaßnahmen treffen. Wird die Kennzahl 2 schließlich zweimal in Folge überschritten, darf die Behörde eine Anwendung nur noch durch den Tierarzt anordnen. Bei einer Missachtung der Anordnung und wenn die Therapiehäufigkeit wiederholt über der Kennzahl 2 liegt, kann sogar ein Ruhen der Tierhaltung für längstens drei Jahre verhängt werden.
"Mit der 16. AMG-Novelle setzt sich Deutschland an die Spitze Europas", erklärt Dr. Götz. Nach Angaben des bpt dürfe es jedoch national wie auf EU-Ebene keine Überbietungswettbewerbe zu ehrgeizigen Reduktionszielen geben. Im Mittelpunkt müsse vielmehr die Fachkompetenz stehen und die Tiergesundheit verbessert bzw. erhalten werden.

Antiobiotikamonitoring in Dänemark

Dr. Andreas Palzer, Vorsitzender der bpt-Fachgruppe Schwein, ging in seinem Vortrag vergleichend auf den Antibiotikaeinsatz in Dänemark ein. Das Land habe sich der Resistenzproblematik früh angenommen und durch verschiedene Maßnahmen, wie Selbstverpflichtung der Wirtschaft und gesetzliche Regelungen, den Antibiotikaverbrauch gesenkt. Allerdings dürfe nicht übersehen werden, dass im Gegensatz zu Deutschland der therapeutische Einsatz von Zinkoxid erlaubt sei und dadurch ein deutlich niedrigerer Bedarf an antibiotischen Behandlungen nötig sei. Der Einsatz des Mittels führe aber wiederum zu einer Belastung der Böden.

Anhand statistischer Daten könne darüberhinaus festgestellt werden, dass nicht etwas die Abschaffung des tierärztlichen Dispensierrechts, sondern erst das später eingeführte System der "Gelben Karte" zu einer Reduzierung des Antibiotikaverbrauchs geführt habe. Dieses nimmt den Landwirt in die Pflicht. Eine Reduktion nur der Reduktion willen verursache jedoch ebenso Probleme. So weisen wissenschaftliche Untersuchungen auf eine deutlich Steigerung von Befunden erkrankter Organe bei Schlachttieren nach Einführungen der "gelben Karte" hin. Landwirte hatten teils aus Angst vor Reglementierungen durch das Kartensystem auf notwendige Therapien verzichtet.
 
Dänemark sei laut dem Vortrag Palzers auch ein gutes Beispiel dafür, dass eine alleinige Fixierung auf die Veterinärmedizin ohne Berücksichtigung der Humanmedizin keine Verbesserung bei dem Thema bewirken könne. Jeder Bereich müsse vielmahr seiner Verantwortung gerecht werden, nur dann könne der gewünschte Effekt auf die Resistenzsituation erreicht werden.
 
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