Login
Produktion und Förderung

Antibiotikamonitoring: Das sind die neuen Kennzahlen

von , am
01.10.2015

Zum zweiten Mal werden die bundesweiten Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit bei Masttieren veröffentlicht. Landwirte die beim Antibiotikamonitoring über den Kennzahlen liegen, müssen entsprechend handeln.

Landwirte sind laut Arzneimittelgesetz dazu verpflichtet, ihre betriebsindividuellen Zahlen zu melden. © Mühlhausen/landpixel
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlicht halbjährlich im Bundesanzeiger die bundesweiten Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit für Rinder, Schweine, Hühner und Puten gemäß § 58c Arzneimittelgesetz. Ende März 2015 wurden die Zahlen zum ersten Mal veröffentlicht. Vergleicht man diese Zahlen mit den aktuellen, hat sich die Theraphiehäufigkeit bei fast allen Masttieren verringert.
 
Aufgrund des § 58 d des Arzneimittelgesetzes ist der Tierhalter verpflichtet, seine betriebsindividuelle Kennzahl, die ihm von seiner Überwachungsbehörde mitgeteilt wurde, mit den jeweiligen bundesweiten Kennzahlen zu vergleichen.

Wer muss handeln und wer nicht?

Problematisch sind nach wie vor die Kennzahlen bei "Mastkälbern bis 8 Monate" und "Mastrindern älter als 8 Monate". Die erste Kennzahl, der Median (Wert, unter dem 50 Prozent aller erfassten Therapiehäufigkeiten liegen) liegt bei Mastkälbern nach wie vor bei 0,000. Das bedeutet, dass ein Landwirte, der ein Kalb z.B. aufgrund einer Verletzung mit Antibiotika behandelt, sofort über dem Median aller Betriebe liegt und "zusammen mit seinem Tierarzt die Ursachen dafür ermitteln und ggf. Maßnahmen ergreifen muss, die zur Reduzierung der Antibiotikaverwendung führen". So ist es vorgeschrieben.
 
Auch die Kennzahl 2 (Drittes Quartil) ist bei den Mastkälbern bis acht Monate mit 2,676 Behandlungen je Tier im halben Jahr schnell übersprungen. Wer diesen Wert überschreitet, gehört zu den 25 Prozent der Betriebe, die am häufigsten Antibiotika einsetzen und muss "innerhalb von vier Monaten nach Veröffentlichung der bundesweiten Kennzahlen zu den Therapiehäufigkeiten im Bundesanzeiger einen schriftlichen Maßnahmenplan zur Senkung des Antibiotikaeinsatzes erarbeiten und diesen der zuständigen Überwachungsbehörde vorlegen".
 
Noch gravierender sieht es bei den Mastrindern aus, die älter als acht Monate sind. Hier liegt die Kennzahl 2 bei 0,000. Das heißt, jede Behandlung liegt über der Kennzahl.
 

Hintergrund

Gemäß Arzneimittelgesetz müssen Tierhalter ab einer bestimmten Bestandsgröße halbjährlich
  • die Bezeichnung der angewendeten Antibiotika,
  • die Anzahl und Art der gehaltenen und behandelten Masttiere,
  • die Anzahl der Behandlungstage sowie
  • die insgesamt angewendete Menge von Antibiotika
ihrer zuständigen Überwachungsbehörde melden.
 
Die Meldung erfolgt an das Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (www.hi-tier.de). Aus den Meldungen wird mittels der Formel "Anzahl behandelter Tiere multipliziert mit der Anzahl Behandlungstage dividiert durch die durchschnittliche Anzahl gehaltener Tiere pro Halbjahr" für jeden Betrieb und jede Nutzungsart gemäß Arzneimittelgesetz der betriebsindividuelle halbjährliche Therapiehäufigkeitsindex ermittelt.
Auch interessant