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Steuer und Finanzen

Arbeitgeber: Mindestlohn gefährdet Tarifautonomie

© landpixel
von , am
27.08.2013

Hannover - Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer fordert einen gesetzlichen Mindestlohn für die Agrarbranche. Der Arbeitgeberverband wittert Wahltaktik.

Aus einem Schwein werden bis zu 2.000 Artikel hergestellt. © Mühlhausen/landpixel
Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer wird auf der Agrararministerkonferenz einen Antrag für einen gesetzlichen Mindestlohn in der Agrarbranche stellen. 8,50 Euro soll dieser betragen.
 
Der Arbeitgeberverband AGE Agrar, Genossenschaften, Ernährung Niedersachsen kann dem nichts abgewinnen. Er sieht in dem Mindestlohn eine "Gefahr für das freie Spiel der Kräfte zwischen den Tarifpartnern".

Tarifverhandlungen nicht 'wahlkämpfenden Politikern überlassen'

"Seit Jahrzehnten verhandeln Arbeitgeber und Gewerkschaften gemeinsam und erfolgreich die Tarifverträge. Sie sind die Experten und wissen, was in ihren Branchen gut ist und was nicht. Wahlkämpfenden Politikern sollte man Tarifverhandlungen nicht überlassen", kritisiert Albrecht Bußmeyer , Vorsitzender des AGE.
 
Als Beispiel führt er einen mit der IG BAU ausgehandelten Tarifvertrag an, wonach Saisonarbeitskräfte bis 2017 Anspruch auf einen Stundenlohn von 8,50 Euro haben. "Dieser Tarifabschluss hat eine Pilotfunktion für alle anderen Bundesländer", sagt Bußmeyer.

Meyer: Hinweise auf Lohndumping in der Schlachtbranche

Christian Meyer begründet seine Initiative unter anderem mit der Situation in der niedersächsischen Schlacht- und Zerlegebranche. Dort gebe es klare Hinweise auf Lohndumping über Werkverträge mit Beschäftigten aus anderen EU-Staaten. Diese Beschäftigten litten häufig auch unter unzumutbaren Arbeits-, Sozial- und Wohnbedingungen.

Auch dem Arbeitgeberverband seien fragwürdige Werksverträge ein Dorn im Auge. Lohndumping werfe ein schlechtes Licht auf die gesamte Branche, die sich ansonsten über gut bezahlte und sichere Arbeitsplätze auszeichne. Der letzte Konjunktureinbruch sei ohne große Entlassungen an der Branche vorüber gegangen, ein Zeichen für die Stabilität im Bereich der Agrar-, Land-, Vieh- und Milchwirtschaft. So seien auch jüngst die Ausbildungsvergütungen kräftig angehoben worden.
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