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Produktion und Förderung

Außergewöhnlich hohe Frostschäden

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von , am
10.04.2012

Die diesjährigen Frostschäden sind ungewöhnlich hoch. Rund 660.000 Hektar - zwölf Prozent der Wintergetreidefläche sind betroffen. Regional sind die Unterschiede groß.

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Landwirte blicken mit zunehmender Sorge auf den Zustand der Winterkulturen. Die diesjährigen Frostschäden sind außergewöhnlich. Das gesamte Ausmaß der Auswinterungsschäden zeigt sich in diesen Tagen immer deutlicher.
 
Nach den jüngsten Umfrageergebnissen des Deutschen Bauernverbandes (DBV) sind mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe von mehr oder minder großen Aus­winterungsschäden betroffen, wobei die Verluste vorrangig bei Winterweizen und Wintergerste, weniger bei Winterraps auftreten.

Von Ertragseinbußen bis zum Totalausfall

Die von Auswinterungsschäden betroffene Anbaufläche beläuft sich nach den aktuellen Schätzungen des DBV auf Basis des Konjunkturbarometers Agrar auf etwa zwölf Prozent der Wintergetreidefläche. Dies ent­spricht einer Fläche von gut 660.000 Hektar. Die Schädigungen der Pflanzenkulturen fallen sehr unterschiedlich aus - von Ertragseinbußen bis hin zu einem Totalausfall mit notwendigem Umbruch des Wintergetreides.
 
Nach einem Umbruch der Winterkulturen müssen die Land­wirte ihre Flächen entweder noch mit Sommergetreide oder mit Mais, dessen Aussaat üblicherweise im April erfolgt, neu bestellen. Die Kosten eines Umbruchs und einer Neusaat liegen bei 500 bis 700 Euro pro Hektar.

Große regionale Unterschiede

Nach der Umfrage des Deutschen Bauernverbandes hat das Wintergetreide unter dem Februarfrost vor allem in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland gelitten. Im Durchschnitt gibt es Auswinterungsschäden auf zwölf Prozent der bundesdeutschen Fläche
Regional fällt die Betroffenheit der Betriebe sehr differenziert aus. Vor allem im Südwesten und Süden Deutschlands sind deutliche Schädigungen durch Auswinterungen aufgetreten. Allein in Bayern werden voraussichtlich 70.000 Hektar umgebrochen, in Baden-Württemberg schätzungsweise weitere 60.000 Hektar. Aber auch die östlichen Bundes­länder, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind gebietsweise von stärkeren Auswinterungsverlusten betroffen.
 
In den meisten Regionen Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns entwickeln sich die Feldbestände dagegen weitestgehend normal. Vor allem Winterraps, für den Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wichtige Anbau­regionen darstellen, scheint den bisherigen Witterungsverlauf besser verkraftet zu haben als zunächst erwartet.
 
 
 

Erst Frost, dann ein zu trockener März

Aktuell werden die durch die starken Fröste im Februar bereits geschwächten Feldbestände zusätzlich durch die seit März anhaltende Trockenheit in Mit­leidenschaft gezogen. Im Bundesdurchschnitt fielen im März nur 16 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Im Vergleich zu Normaljahren mit Niederschlägen von 57 Litern pro Quadratmeter sind damit nur 28 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge gefallen. Nun hoffen die Landwirte auf ausreichende Niederschläge, damit sich die durch Trockenheit und Nachtfröste in den ersten Apriltagen gestressten Bestände erholen können.

Landwirtschaftliche Rentenbank erweitert Hilfsprogramm

Vor diesem witterungsbedingten Hintergrund hat die Landwirtschaftliche Rentenbank ihr Förderprogramm Liquiditätssicherung für landwirtschaftliche Unternehmen auf Auswinterungsschäden im Ackerbau erweitert. Betroffene Unternehmen können ein Darlehen zur Verbesserung der Liquidität in Anspruch nehmen, wenn sie der Hausbank deutliche Ergebnisrückgänge durch Kostensteigerungen und zu erwartende Umsatzeinbußen nachweisen können. Voraussetzung ist ein Rückgang um mindestens 30 Prozent im jeweils betroffenen Betriebszweig.
 

Unterwegs auf dem Acker: Unser Vegetationsreport

Unser Reporter Tammo Gläser ist heute für Sie mit dem Pflanzenbauberater Josef Stangl von nu agrar auf den Feldern unterwegs. Wie die Lage dort aussieht erfahren Sie morgen in unserem neuen Vegetationsreport.
 
Vergangene Woche drehte sich alles um Wachstumsregler in Wintergerste:
 
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