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Steuer und Finanzen

Baden-Württemberg: Bauern verdienen teilweise mehr

© agrar-press
von , am
27.12.2013

Freiburg - Die Einkommenssituation der Landwirte in Baden-Württemberg hat sich im Wirtschaftsjahr 2012/13 stabilisiert. Das gesamte Unternehmensergebnis lag 2012/13 im Schnitt bei 47.365 Euro.

Infolge tendenziell günstiger Marktentwicklungen im Zeitraum der Wirtschaftsjahre 2010/11 bis 2013/14 gab es - anders als in den Jahren davor - nur positive Einkommensänderungen. © Mühlhausen/landpixel
Nach dem problematischen Vorjahr schnitten die Ackerbaubetriebe am besten ab, was den Veredlungsbetrieben jedoch nicht im gleichen Umfang gelang. Wie der Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV), Werner Räpple, weiter mitteilte, konnten die Ackerbauern von der günstigen Marktentwicklung bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen profitieren.
 
Starke Einbußen habe es hingegen bei den Milchviehbetrieben gegeben, verursacht durch hohe Futterkosten bei niedrigen Milchpreisen. Positiv sei hingegen zu bewerten, dass sich die Kostensteigerung bei Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie Saatgut verringert habe oder die Belastung zumindest unverändert geblieben sei.

Schlusslicht beim Einkommen

Laut Räpple bildeten die Bauerneinkommen in Baden-Württemberg deutschlandweit mit 29.854 Euro je Familienarbeitskraft (FAK) 2012/13 wieder einmal das Schlusslicht. Das gesamte Unternehmensergebnis habe im Schnitt bei 47.365 Euro gelegen. Allerdings gebe es hier - je nach Betriebsgröße - erhebliche Unterschiede. In seinem Ausblick auf das laufende Wirtschaftsjahr wies der BLHV-Präsident darauf hin, dass sich die Situation der Betriebe stark verändert habe. Bei Mais schlage sich beispielsweise die ungünstige Witterung während der Wachstumsperiode mit Ertragseinbußen von bis zu 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr nieder. Getreide sei in Südbaden mit durchschnittlichen Erträgen geerntet worden und erziele derzeit niedrigere Preise als vor Jahresfrist. Positive Meldungen kommen laut Räpple von den Milchviehbetrieben. Hier sei es gelungen, die Futterkosten zu senken, und der Aufwärtstrend der Milchpreise seit Mai 2012 halte weiter an. Die Veredlungsbetriebe hätten dagegen in den letzten Monaten mit stark schwankenden Auszahlungspreisen zu kämpfen gehabt. Positiv dürfte sich nun auswirken, dass die Futterkosten weiter sänken.

Hohe Futterkosten belasten

Nach Angaben des BLHV schnitten die Ackerbaubetriebe im Wirtschaftsjahr 2012/13 mit 55.662 Euro Unternehmensgewinn oder 35.845 Euro je FAK am besten ab. Hier konnten gute Erzeugerpreise für viele Marktfrüchte, insbesondere bei Mais, die teilweise erheblichen Frostschäden im Getreide abfedern.
 
Das Ergebnis der Milchviehhalter lag um 14 Prozent unter dem bereits schlechten Wirtschaftsjahr 2011/12; auf eine Familienarbeitskraft entfielen lediglich 29.404 Euro, was einen langjährigen Tiefststand darstellt. Ausschlaggebend dafür waren steigende Futtermittelkosten und die Erzeugerpreise für Milch, die sich bis ins Frühjahr 2013 abwärts bewegten. Die Veredlungsbetriebe konnten sich mit 32.476 Euro/FAK hingegen erneut leicht verbessern; gegenüber dem Vorjahr wurde ein Plus von acht Prozent erzielt. Negativ wirkten sich die stark gestiegenen Futterkosten aus, die jedoch von den höheren Schlachtschweinepreisen aufgefangen werden konnten.

Obstbauern und Winzer im Plus

Bei den Obstbauern konnten nach dem katastrophalen Wirtschaftsjahr 2011/12 die Ergebnisse leicht verbessert werden; im Mittel wurden 27.108 Euro/FAK erwirtschaftet. Auch der Weinbau erholte sich von seinem schlechten Vorjahr: Eine Familienarbeitskraft konnte mit 33.304 Euro entlohnt werden, das ist ein Zuwachs von rund 20 Prozent. Von den Nebenerwerbslandwirten wurde das wirtschaftliche Ergebnis auf insgesamt 19.700 Euro je Betrieb erhöht. Damit setzen die Nebenerwerbsbetriebe bei gleichbleibender Flächenausstattung, aber verringerten Viehbeständen, den positiven Trend der letzten Jahre fort.

Neue Landesagrarpolitik gefordert

Zum Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe, das von der UNO für 2014 ausgerufen wurde, forderte Räpple die Stuttgarter Landesregierung auf, ihren derzeitigen Kurs in der Agrarpolitik zu stoppen. Südbadens bäuerliche Familienbetriebe fühlten sich zunehmend durch die Politik gegängelt. Das Grünlandumbruchverbot, das Landeswassergesetz und das geplante Landesjagdgesetz machten ihnen das Wirtschaften schwer und minderten die Wettbewerbsfähigkeit. Überzogene Schutzbestimmungen für landwirtschaftliche Flächen schränkten die Bewirtschaftung ein oder machten diese gänzlich unmöglich, so der BLHV-Präsident. Damit werde den Bauern die wirtschaftliche Grundlage für ihre Existenz entzogen. Dabei sei es der aktiven Bewirtschaftung durch die Landwirtschaft zu verdanken, dass es heute überhaupt schützenswerte Gebiete gebe. Räpple verlangte von der grün-roten Landesregierung eine Agrarpolitik, die Perspektiven für die Land- und Forstwirtschaft biete; die proklamierte "Politik des Gehört-Werdens" müsse auch für Landwirte gelten.

Betriebliche Entwicklung fördern

In Südbaden zeichnen sich die Betriebe nach Räpples Angaben durch unterschiedliche Betriebsformen und Ausrichtung sowie außerlandwirtschaftliche Standbeine aus. "Durch Fachwissen, Innovation, Leidenschaft und Mut finden unsere Bauern ihren Weg, jenseits von Wachsen oder Weichen. Jeder Betrieb, egal welche Größe und Ausrichtung, ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der ländlichen Räume", betonte der Verbandspräsident. Damit diese Vielfalt auch weiterhin aufrechterhalten werden könne, sei eine Landesagrarpolitik nötig, die nicht nur Verbote und Einschränkungen ausspreche, sondern auch Platz für betriebliche Entwicklungen lasse.

Kleinbauern stärken

Die betriebswirtschaftliche Analyse im Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hat laut Räpple gezeigt, dass bei kleineren Betrieben die wirtschaftlichen Ergebnisse schlechter sind als bei größeren. Daher sei der Beschluss zur nationalen Umsetzung der europäischen Agrarpolitik zu begrüßen, der die ersten 46 Hektar jedes Betriebes besser fördere. Dieser Beitrag nütze jedoch nur wenig, wenn auf der anderen Seite die gesetzlichen Anforderungen für die Landwirtschaft erhöht würden, denn die dafür nötigen Investitionen und Aufwendungen belasteten die Bauern zunehmend. Ein Beispiel dafür sei das beschlossene Landeswassergesetz mit dem 5-Meter-Gewässerrandstreifen, das einer Enteignung gleichkomme. Dies passt nach Räpples Ansicht nicht mit dem Bekenntnis der Landesregierung zusammen, kleinbäuerliche Betriebe unterstützen zu wollen.
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