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Produktion und Förderung

Bauernverband: Landwirte profitieren von Warenterminbörsen

von , am
02.11.2011

Bauern müssen Risikovorsorge betreiben. Vorkontrakte an Terminbörsen sind dazu ein probates Mittel. Unregulierte Spekulation muss jedoch verhindert werden, so Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner.

Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner fordert transparente Warenterminbörsen. © Werkbild
"Die Landwirtschaft benötigt zur Risikoabsicherung auf volatilen Märkten Warentermingeschäfte, was aber nicht mit Spekulationen auf den Agrarmärkten verwechselt werden darf". Dies erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Gerd Sonnleitner, auf dem Eliteforum Landwirtschaft der Deutschen Kreditbank (DKB).
 
Bäuerliches Unternehmertum sei der Garant für die Erfolge der deutschen Lebensmittelwirtschaft der vergangenen Jahre gewesen. Doch angesichts des zunehmenden Auf und Ab der Erzeugerpreise auf den Märkten müssten die Bauern wie ihre Marktpartner Risikovorsorge betreiben. Warenterminmärkte seien dafür gut geeignet.

Preisausschläge durch Vorkontrakte mindern

Die Möglichkeit für Vorkontrakte, um Preisausschläge erfolgreich bewältigen zu können hänge von Terminmärkten ab. Die deutsche Landwirtschaft sei deshalb auf funktionsfähige Terminmärkte mit hinreichender Liquidität mehr denn je angewiesen, betonte Sonnleitner. Ähnlich wie in den USA müsse eine Weiterentwicklung der Warenterminbörsen darin bestehen, dass über die täglich gehandelten Positionen nach Umfang und Herkunft völlig transparent berichtet werde, schlug Sonnleitner vor.
 
Der Bauernpräsident sieht auch beim außerbörslichen Handel mit Finanz- und Agrarprodukten (OTC) wegen der fehlenden Transparenz dieser Geschäfte erheblichen politischen Handlungsbedarf. Wenn die EU eine Clearingstelle und ein Transaktionsregister einführen wolle, finde dies die Unterstützung des Berufsstandes.
 
EU muss weltweites Agrarmarktinformationsnetzwerk einrichten
 
Zu einer verbesserten Markttransparenz gehöre grundsätzlich aber auch eine verbesserte Transparenz über die weltweiten Lagerbestände von Agrarrohstoffen. Ähnlich wie in den USA habe die EU die Aufgabe, ein weltweites Agrarmarktinformationsnetz über die jetzt im Aufbau befindlichen EU-Außenvertretungen zu errichten, forderte Sonnleitner. Es könne nicht angehen, dass bei der weltweiten Preisfindung die Daten die USDA in Washington praktisch eine Alleinstellung einnähmen. Deshalb gingen auch die G-20 Vorschläge zur Errichtung eines internationalen, bei der FAO angesiedelte Marktinformationssystem "AMIS" in die richtige Richtung.
 
Eigenvorsorge durch Risikoausgleichsrücklage ermöglichen
 
Für den einzelnen Betrieb sei auch die Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage zur Begrenzung des Risikos dringend notwendig. Darin sieht Sonnleitner eine gute Möglichkeit, die Eigenvorsorge der Bauern für Wetter- und Marktrisiken zu stärken. Es gelte nicht eine neue steuerliche Sonderregelung für die Landwirtschaft einzuführen, sondern nur darum die Besonderheiten der Landwirtschaft auch im Steuerrecht abzubilden, betonte der Bauernpräsident. 
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