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Produktion und Förderung

Baugesetzbuch-Novelle: Neue Schwellenwerte beachten!

© Mühlhausen/landpixel
von , am
09.07.2013

Laut Baugesetzbuch-Novelle verlieren Stallbauvorhaben ab einer bestimmten Tierplatzzahl ihren Anspruch auf Genehmigung im Außenbereich. Wie wirtschaftlich ist es unter dem neuen Schwellenwert zu bleiben?

Bei geplanten Stallneubauten ist man als Tierhalter künftig ggf. davon abhängig, ob die Gemeinde das auch möchte. © agrarfoto.com

Nach der Novelle des Baugesetzbuches verlieren Stallbauvorhaben, wenn sie gewerblich sind, ab einer bestimmten Tierplatzzahl ihren Anspruch auf Genehmigung im Außenbereich. Gewerblich heißt hier "ohne überwiegend eigene Futtergrundlage". Die Grenzen bezüglich der Tierplätze sind die, ab denen laut Gesetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung eine standortbezogene Vorprüfung der Umweltverträglichkeit erforderlich ist.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsens hat nachgerechnet, wie es um die Wirtschaftlichkeit eines Betriebszweiges bestellt ist, wenn man als Landwirt unter den Schwellenwerten bleibt.

Schwellenwert festlegen

Bei gemischten Beständen werden laut Baugesetzbuch die Vom-Hundert-Anteile, bis zu denen die Platzzahlen der jeweiligen Spalte ausgeschöpft werden, addiert. Erreicht die Summe der Anteile einen Wert von 100, so ist der Schwellenwert überschritten. Ein Beispiel: Ein Betrieb mit 200 Sauen und 1.000 Schweinemastplätzen hat den Vom-Hundert-Anteil bei den Sauen von 35,7 Prozent und bei den Mastschweinen von 66,7 Prozent, insgesamt also 102,4 Prozent. Der Ist-Betrieb hat also bereits den Schwellenwert überschritten. Plant dieser Betrieb die Erweiterung der Schweinemast um 1.000 Plätze zum geschlossenen System, so müsste er etwa 105 Hektar Landwirtschaftliche Fläche nachweisen, um ein privilegiertes Bauvorhaben im Außenbereich realisieren zu können. Andernfalls ist ein Bebauungsplan erforderlich.
 

Unternehmergewinn geschmälert

In der Neubausituation zeigt sich über alle Betriebszweige, dass eine Investition mit einem durchschnittlichen Leistungsniveau aus Sicht der Rentabilität nicht vertretbar ist. Außerdem sind aus wirtschaftlicher Sicht 599 Milchkühe mit einem möglichen Unternehmergewinn von 350.000 Euro bei guten Leistungen in einem gewachsenen Bestand nicht mit einem potenziellem Unternehmergewinn von 27.000 Euro bei 1.499 Mastschweinen vergleichbar. Dies trifft ebenso für die Hähnchenmast zu. Des Weiteren gewinnt unter den getätigten Annahmen die Ferkelerzeugung mit möglichen 559 Sauen und einem möglichen Unternehmergewinn von 120.000 Euro an Vorzüglichkeit. Allerdings ist zu beachten, dass in diesen Berechnungen die in der Schweinehaltung üblichen Kosten für eine überbetriebliche Nährstoffverbringung, Abluftreinigung oder steuerliche Anpassungen noch nicht berücksichtigt wurden.
 

Fazit: Wachstumsgrenze bei flächenarmen Betrieben

Die neuen Schwellenwerte des Baugesetzbuches können für flächenarme Betriebe eine absolute Wachstumsgrenze darstellen. Besonders für Schweinemastbetriebe, aber auch für Hähnchenmastbetriebe und geschlossene Systeme reichen die Tierplätze zumindest auf längere Sicht nicht für ein ausreichendes Betriebseinkommen. Betrachtet man die langjährigen Wirtschaftsergebnisse dieser Betriebe im Vergleich zu den anderen Betriebsformen wie Futterbau und Ackerbau, so haben sie ohnehin schon ein niedrigeres Gewinnniveau. Der Filtererlass, die Tierschutzdebatte, mögliche Veränderungen der Düngeverordnung sowie der Tierschutznutztierhaltungsverordnung verursachen in Veredelungsbetrieben erhebliche Planungsunsicherheiten und ggf. natürlich auch Kosten.
 
Wie wirken sich die neuen Schwellenwerte auf flächenarme Betriebe aus? Fördernd oder hemmend? Welche Auswirkungen haben sie insbesondere auf Schweine- oder Hähnchenmastbetriebe?   Antworten auf diese Fragen und weitere interessante Informationen zum Thema Baurechtsnovelle erfahren Sie als Abonennt der LAND & Forst ...
 
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