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Investitionen und Kosten

Baukosten explodieren: Landwirte und Bauherren zahlen die Zeche

Lagerhalle.
am Donnerstag, 10.02.2022 - 15:12 (Jetzt kommentieren)

Explodierende Baukosten, kein Material und Fachkräftemangel - für alles müssen Landwirte und Bauherren zahlen.

Preise für Bauten.

Eigentlich müssten die Bauern in neue tierwohlgerechte Ställe investieren. Das verlangt die Politik. Doch die Kosten für landwirtschaftliche Bauten gehen durch die Decke. Innerhalb nur eines Jahres haben sich die landwirtschaftlichen Bautenkosten um mehr als 10 Prozent verteuert.

Doch das ist noch lange nicht das Ende der Kostenexplosion, wenn man einmal auf die aktuelle Preisentwicklung bei Baumaterialien schaut. Der wichtigste Indikator für die weitere Preisentwicklung sind hier die Erzeugerpreise der Industrie.

Dort berichtet das statistische Bundesamt (Destatis) im Februar: Lieferengpässe, Rohstoffknappheit, hohe Nachfrage im In- und Ausland haben sich auch am Bausektor ausgewirkt: Bauen ist im Jahr 2021 deutlich teurer geworden. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) ausgerechnet hat, verteuerten die Erzeugerpreise für einzelne Baustoffe wie Holz und Stahl im Jahresdurchschnitt 2021 so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949.

So verteuerte sich Konstruktionsvollholz um 77,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Preise für Dachlatten gingen um 65,1 Prozent nach oben, für Bauholz mussten 61,4 Prozent mehr bezahlt werden. Auch die Stahlpreise treiben die Kosten auf dem Bau in die Höhe: Betonstahl in Stäben war 2021 um 53,2 Prozent teurer, Betonstahlmatten kosteten 52,8 Prozent mehr als 2020. Betonstahl wird unter anderem im Rohbau zur Verstärkung von Bodenplatten, Decken oder Wänden eingesetzt.

Um 26,9 Prozent verteuerte sich außerdem auch Halbzeug aus Kupfer und Kupferlegierungen. Diese werden unter anderem für den Heizungsbau oder in der Elektroinstallation eingesetzt.

Hohe Energiepreise und extrem teure Bauleistungen

Baukosten Destatis.

Preistreibend beim Bau von Ställen und Wohngebäuden wirkten sich außerdem auch die gestiegenen Erdölpreise und Energiepreise aus. So verteuerte sich Bitumen im Jahresdurchschnitt 2021 um 36,1 Prozent gegenüber 2020. Dieser Baustoff wird unter anderem im Straßenbau verwendet, aber auch zur Abdichtung von Dächern, Gebäuden und Fundamenten gegen das Eindringen von Wasser.

Die insgesamt hohen Energiepreise verteuerten außerdem auch die im Bausektor vielfach genutzten chemischen Produkte. So kosteten Dämmplatten aus Kunststoff wie Polystyrol 20,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Epoxidharz, ein wichtiges Bindemittel für Farben und Lacke, verteuerte sich um 28,9 Prozent.

Ebenfalls stark gestiegen sind die Kosten für Bauleistungen. Insgesamt verteuerten sich die Preise für den Neubau von Wohngebäuden im Jahresdurchschnitt 2021 um 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sagen die Statistiker. Die Rekordteuerungsraten bei Holzbaustoffen dürften außerdem auch ein Grund dafür sein, dass es bei den Zimmer- und Holzbauarbeiten den stärksten Anstieg im Rohbau gab. Diese Leistungen verteuerten sich im Jahresdurchschnitt 2021 um 29,7 Prozent gegenüber 2020.

Doch auch in den anderen Bereichen gingen die Preise weit nach oben. So kosteten Entwässerungskanalarbeiten im Jahresdurchschnitt 10,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten waren 10,5 Prozent teurer und für Klempnerarbeiten wurden 10,4 Prozent mehr verlangt. So viel Geld können Landwirte und Hausbauer gar nicht verdienen, um diese gewaltige Kostenexplosion zu decken.

Kein Material, keine Fachkräfte - Bauherren sollen zahlen

Sauenstall.

Hinzu kommt ein weiteres Problem, das stark an die Situation bei Düngemitteln erinnert: Die Kosten bzw. die Preise gehen zwar durch die Decke, zu kaufen gibt es aber trotzdem kaum etwas oder jedenfalls nicht in ausreichenden Mengen. Der Materialmangel in der deutschen Bauindustrie ist nach einer Umfrage des Ifo-Instituts zuletzt zwar leicht zurückgegangen. Vor allem bei Holz und bei Stahl zeichnet sich eine gewisse Entspannung ab, dennoch wurden in beiden Fällen weiterhin Engpässe gemeldet.

Die Versorgung mit Dämmmaterial und Kunststoffprodukten bleibt jedoch weiterhin sehr problematisch. „Die erheblich gestiegenen Materialpreise setzten die Bauunternehmen zusätzlich unter Druck. Insbesondere auf dem Hochbau planen die Betriebe, die Kosten in den kommenden Monaten an die Bauherren weiterzugeben. Aber auch im Tiefbau werden vielerorts Preisanpassungen angepeilt“, beschreibt Leiss die Entwicklung.

Ein weiteres Problem ist auch der Fachkräftemangel. „Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, aber jedes dritte Bauunternehmen findet nicht genug Fachkräfte“, sagte Leiss. All das verteuerte die Arbeiten am Bau enorm. Die Statistiker haben ausgerechnet, dass die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland im November 2021 um 14,4 Prozent gegenüber November 2020 gestiegen sind. Dies ist der höchste Anstieg der Baupreise seit August 1970.

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