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Investitionen und Baukosten

Baukosten explodieren: Stallbauten riskant und extrem teuer

Kuhstall wird gebaut.
am Freitag, 22.04.2022 - 13:39 (4 Kommentare)

Wer jetzt keinen Stall gebaut hat, wird dies für lange Zeit nicht mehr tun. Tierwohl-Auflagen hin oder her. Der Grund: Die Baukosten gehen durch die Decke und gleichzeitig steigen auch noch die Bauzinsen.

Baukosten der Landwirtschaft.

Im Januar befanden sich die vom Statistischen Bundesamt (Destatis) ermittelten landwirtschaftlichen Baukosten auf einem Rekordstand. Damit waren Stallbauten knapp 13 Prozent teurer als im Jahr zuvor. Und diese Daten wurden noch vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs und den neuen Sanktionen gegen Russland erhoben. Letztere haben sowohl die Energie- und Transportkosten als auch die Preise für Baumaterial, Zement, Eisen und Holz weiter steil nach oben getrieben.

Hinzu kommen die steigenden Bauzinsen. Seit Anfang des Jahres haben sich die Konditionen für zehnjährige Darlehen mehr als verdoppelt. Bank-Experten halten derzeit einen Anstieg der Zinsen für zehnjährige Darlehen auf 2,5 bis 3 % bis Jahresende für realistisch – von rund 1,0 % im Dezember 2021.

Doch das ist nichts, gegen die Preiserhöhungen bei Baustoffen und Baumaterial und auch bei den baunahen Dienstleistungen. Wer jetzt wirklich noch einen Stall, ein Wirtschaftsgebäude oder Wohnhaus bauen muss oder möchte, der muss dafür extrem tief in die Tasche greifen. Lieferengpässe, Rohstoffknappheit, erhöhte Nachfrage im In- und Ausland und die Sanktionen gegen Russland haben sich auch auf den Bausektor ausgewirkt: Bauen ist sehr viel teurer geworden!

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) ausgerechnt hat, stiegen die Preise für einzelne Baustoffe wie etwa Holz und Stahl im Jahresmittel 2021 so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1949. So verteuerte sich Konstruktionsvollholz um 77,3 % gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt, Dachlatten wurden um 65,1 % teurer und für sontiges Bauholz mussten 61,4 % mehr gezahlt werden. Selbst die Preise für Spanplatten, für die in der Regel das Abfallprodukt Sägespäne benutzt wird, stiegen um 23,0 %.

Baumaterial wird unbezahlbar – Bauleistungen auch?

Baumaterial kostet viel mehr.

Während es sich bein den oben genannten Preisen um verarbeitete Produkte handelt, verteuerten außerdem auch die gestiegenen Rohstoffkosten direkt die Baukosten. Kupfer, welches etwa für Stromleitungen und für Heizungsrohre benötigt wird, kostete  27 Prozent mehr.

Preistreibend auf den Baustellen wirkten sich auch die gestiegenen Erdölpreise aus. Bitumen auf Erdölbasis verteuerte sich im Jahresdurchschnitt 2021 um 36,1 % gegenüber dem Vorjahr. Dieser Baustoff wird unter anderem im Straßenbau verwendet, aber auch zur Abdichtung von Dächern, Gebäuden und Fundamenten gegen das Eindringen von Wasser.

Die  explodierenden Energiepreise waren auch ein Grund für hohen Teuerungsraten bei den im Bausektor benötigten chemischen Produkten. So lagen die Preise für Dämmplatten aus Kunststoff wie Polystyrol um 20,7 % über dem Niveau des Vorjahres. Auch Epoxidharz, ein wichtiges Bindemittel für Farben und Lacke, verteuerte sich um 28,9 %.

Mit den Baumaterialpreisen stiegen auch die Preise für Bauleistungen. Insgesamt verteuerten sich die Preise für den Neubau von Wohngebäuden im Jahresdurchschnitt 2021 um 9,1 % gegenüber dem Vorjahr. Die Rekordteuerungsraten bei Holzbaustoffen dürften ein Grund dafür sein, dass es bei den Zimmer- und Holzbauarbeiten den stärksten Anstieg im Rohbau gab. Sie verteuerten sich im Jahresdurchschnitt 2021 um 29,7 % gegenüber 2020.

Doch auch in anderen Bereichen kletterten die Preise kräftig. Entwässerungskanalarbeiten kosteten 10,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten waren 10,5 % teurer und für Klempnerarbeiten mussten10,4 % mehr gezhalt werden.

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