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Steuer und Finanzen

BaWü: Bauern weiter Schlusslicht beim Einkommen

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von , am
10.12.2013

Stuttgart - Das Bruttoeinkommen der Landwirte in Baden-Württemberg stieg 2012/13 gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent auf 31.975 Euro. Der Bundesdurchschnitt liegt um rund 34 Prozent höher.

Lohnt sich der Anbau von Winterweizen? Mit dem Berechnungs-Tool der LfL lässt sich dies schnell herausfinden. © agrar-press
Das in der Buchführung ausgewiesene Bruttoeinkommen der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Baden-Württemberg stieg im Wirtschaftsjahr 2012/13 im Durchschnitt aller Betriebsformen gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent auf 31.975 (Vorjahr: 31.389) Euro je Familienarbeitskraft. Der Bundesdurchschnitt liegt mit 42.800 Euro je Familienarbeitskraft rund 34 Prozent höher als im Land.
 
Das Ergebnis insgesamt stieg im landwirtschaftlichen Haupterwerb im Schnitt um 1,6 Prozent auf 47.365 (46.608) Euro je Unternehmen. Dabei erhöhte sich der Betriebsertrag durchschnittlich um 2,4 Prozent auf 253.719 (247.826) Euro, der Betriebsaufwand um 2,7 Prozent auf 201.774 (196.551) Euro je Unternehmen.
 
"Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen die landwirtschaftlichen Betriebe im Land ein investitions- und innovationsfreundliches Klima. Denn Baden-Württembergs Bauern sind im Bundesvergleich weiterhin Schlusslicht bei den Einkommen", komentierte Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverband (LBV) die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe im Wirtschaftsjahr 2012/13. 

Deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Betriebsformen

Deutliche Unterschiede in den Unternehmensergebnissen bestehen zwischen den Betriebsformen. Die Milchviehbetriebe verzeichnen mit -16,2 Prozent auf durchschnittlich 29.131 (Vorjahr: 34.773) Euro je Familienarbeitskraft den höchsten Einkommensrückgang im Wirtschaftsjahr 2012/13 gegenüber dem Vorjahr.
 
Die Futterbaubetriebe mit Rindermast und Mutterkühen mussten im Durchschnitt einen Ergebnisrückgang um minus 12,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Sie erzielten ein Unternehmensergebnis von durchschnittlich 22.927 (26.115) Euro je Familienarbeitskraft.
 
Die Obstbaubetriebe erwirtschafteten im Wirtschaftsjahr 2012/13 ein deutlich überdurchschnittliches Unternehmensergebnis von 42.492 (27.108) Euro.
 
Die Weinbaubetriebe steigerten ihr Unternehmensergebnis um durchschnittlich 23,9 Prozent auf 33.304 (26.874) Euro je Familienarbeitskraft.
 
Im Ackerbau stiegen die Erlöse im Wirtschaftsjahr 2012/13 auf 39.898 (34.957) Euro je Familienarbeitskraft. Die Betriebe erwirtschafteten ein durchschnittliches Plus von 14,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
 
In der Veredlung verbesserten sich die Unternehmensergebnisse im Berichtszeitraum auf 32.106 (29.706) Euro je Familienarbeitskraft. Hieraus errechnet sich im Durchschnitt ein Plus von 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
 
Die Gemischtbetriebe verzeichneten ein leichtes Plus von 1,2 Prozent auf 30.821 (30.456) Euro je Familienarbeitskraft.

Trendumkehr erfordert besseres Investitionsklima

Die Analyse der vergangenen Wirtschaftsjahre zeigt, dass keine Wende zu besseren Unternehmensergebnissen in Sicht ist. "Um den Trend umzukehren, brauchen wir dringend ein investitions- und innovationsfreundliches Klima im Land", betonte Rukwied.
 
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hält zur Bekämpfung des Hungerproblems Investitionsmaßnahmen und Innovationen in allen Bereichen der Landwirtschaft und Ernährungssicherung für notwendig. Sie plädiert für die nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft auf den begrenzt zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Nutzflächen.
 
Um der Herausforderung der weltweiten Ernährungssicherung gerecht zu werden, müsse Europa zukünftig mehr produzieren sowie noch effizienter und nachhaltiger wirtschaften, erklärt der Bauernverband.

Daten zu den Unternehmensergebnissen 2012/13

Datenbasis: Die Ermittlung der Einkommenssituation basiert auf den Buchführungsergebnissen von 2.097 Haupterwerbsbetrieben, also Unternehmen, deren Erlöse überwiegend aus landwirtschaftlicher Tätigkeit stammen. Die Daten der ausgewerteten Betriebe standen schon für die letzten beiden Wirtschaftsjahre zur Verfügung.
 
Unternehmensergebnis: Das Bruttoeinkommen oder Unternehmensergebnis muss neben den Löhnen für die beschäftigten Arbeitskräfte und der Entlohnung für die unternehmerische Tätigkeit auch die Verzinsung des Eigenkapitals abdecken. Zusätzlich gehen davon Sozialabgaben, persönliche Steuern, Tilgung für Fremdkapital und finanzielle Verpflichtungen gegenüber der Vorgängergeneration ab. Ein Teil des Unternehmensergebnisses ist für die Finanzierung von Ersatz- und Neuinvestitionen aufzuwenden.
 
Betriebe: In Baden-Württemberg gibt es nach der amtlichen Statistik rund 42.500 Betriebe, davon circa 35.000 mit mehr als fünf Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. Die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt knapp 34 Hektar. Im Jahr 2010 wurden etwa 38 Prozent der Betriebe im Haupt- und 62 im Nebenerwerb bewirtschaftet.
 
Arbeitskräfte: Der Arbeitskräfteeinsatz liegt bei durchschnittlich 1,9 Arbeitskräften (AK) je Unternehmen oder drei AK je 100 Hektar. Der durchschnittliche AK-Besatz ist in Baden-Württemberg um rund 25 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt (2,4 AK je 100 Hektar).
 
Fläche: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche beträgt knapp 64 Hektar pro Betrieb. Der Anteil der Pachtflächen liegt im Durchschnitt bei knapp 70 Prozent (rund 44 Hektar). Die durchschnittlichen Pachtkosten betragen etwa 10.500 Euro pro Jahr (circa 240 Euro pro Hektar).
 
Eigenkapitalbildung: Im Durchschnitt konnte ein Haupterwerbsbetrieb im Wirtschaftsjahr 2012/13 rund 10.000 Euro Eigenkapital (plus 4,1 Prozent) bilden. Dieser Wert liegt im Hinblick auf die dauerhafte Sicherung der betrieblichen Existenz an der Untergrenze der anzustrebenden 10.000 bis 15.000 Euro je Betrieb.
 
Investitionen: Die Bruttoinvestitionen sanken 2012/13 um zwei Prozent auf 44.800 Euro je Unternehmen. Die Investitionen in Maschinen nahmen um 0,7 Prozent auf 22.800 Euro ab. Die Nettoinvestitionen sanken leicht um 0,1 Prozent auf rund 10.000 Euro. 

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