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Steuer und Finanzen

BaWü: Bauerneinkommen schwanken gewaltig

© agrar-press
von , am
30.11.2011

Stuttgart - Landwirte aus Baden-Württemberg haben im Wirtschaftsjahr 2010/11 wieder deutlich mehr verdient als noch im Vorjahr. Dennoch verdienen sie im bundesweiten Vergleich immer noch am wenigsten.

Im Monat Mai lag der durchschnittliche Biomilchpreis bei 48,8 Cent. © Mühlhausen/landpixel
"Nach dem massiven Einbruch 2008/09 von 21 Prozent und dem nochmaligen Rückgang 2009/10 um sechs Prozent haben sich im Wirtschaftsjahr 2010/11 die Einkommen der Landwirte in Baden-Württemberg mit einem Plus von 29,6 Prozent im Durchschnitt etwas erholt. Das Niveau des Jahres 2007/08 wurde jedoch deutlich verfehlt.
 
Besonders in der Veredlung und im Weinbau sind hohe Einkommensverluste zu verkraften." Das erklärte Präsident Joachim Rukwied vom Landesbauernverband (LBV) am 29. November 2011 in Stuttgart. 

Baden-Württembergs Bauern verdienten am wenigsten

Das in der Buchführung ausgewiesene Bruttoeinkommen der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Baden-Württemberg stieg im Wirtschaftsjahr 2010/11 im Durchschnitt aller Betriebsformen gegenüber dem Vorjahr um 29,6 Prozent auf 22.126 Euro je Familienarbeitskraft. Ausgehend von den sehr niedrigen Einkommen der beiden Vorjahre wurde damit das Niveau des Wirtschaftsjahres 2007/08 um rund neun Prozent verfehlt. Baden-Württemberg liegt auf der bundesweiten Einkommensskala der landwirtschaftlichen Unternehmen etwa 27 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt und damit nach wie vor auf dem letzten Platz.

Große Unterschiede zwischen den einzelnen Betriebsformen

Zwischen den Betriebsformen bestehen gewaltige Unterschiede. Den massivsten Einkommenseinbruch mit - 61,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen die Weinbaubetriebe. Mit 7.403 Euro je Familienarbeitskraft kommen sie lediglich auf 33,5 Prozent des Durchschnittseinkommens aller Betriebe im Land. Sie lösen die bisher auf dem letzten Rang liegenden Futterbaubetriebe mit Rindermast und Mutterkuhhaltung ab, die bei 10.230 Euro je Familienarbeitskraft nochmals einen Rückgang von 3,9 Prozent hinnehmen müssen. Demgegenüber liegen die Milchviehbetriebe mit einem Plus von 64,7 Prozent auf 26.849 Euro je Familienarbeitskraft an der Spitze (+21,3 Prozent zum Landesdurchschnitt). Die Ackerbaubetriebe erreichen 2010/11 ein Plus von durchschnittlich 42,5 Prozent auf 25.427 Euro je Familienarbeitskraft, nachdem sie im Vorjahr noch den höchsten Rückgang hinzunehmen hatten.

Situation bei den Ferkelerzeugern ist weiterhin desaströs

Zu Beginn des Wirtschaftsjahres 2010/11 waren nach zweijähriger Durststrecke die Getreide- und Rapspreise merklich angestiegen. Anhaltende Hitzeperioden und große Ernteausfälle in wichtigen Anbauregionen der Erde hatten zu dieser Marktentwicklung geführt. Die Obstbaubetriebe verzeichnen ein Plus von 27,2 Prozent auf 25.513 Euro je Familienarbeitskraft. Bei den Gemischtbetrieben sind es 21.026 Euro (+33,7 Prozent). Mit minus 22,0 Prozent auf 19.872 Euro je Familienarbeitskraft haben die Veredlungsbetriebe 2010/11 erneut, mittlerweile bereits im dritten Jahr, einen massiven Einkommensrückgang zu verkraften. Hauptursache – neben gestiegenen Betriebsmittelkosten – sind niedrige Schlachtschweinepreise und in Folge davon stark, teilweise auf weniger als 30 Euro je Tier gesunkene Ferkelpreise.

Ausblick auf das laufende Wirtschaftsjahr 2011/12

Die aktuell niedrigeren Getreidepreise als vor Jahresfrist und die in Baden-Württemberg insgesamt deutlich schlechtere Ernte 2011 sorgen derzeit für eine gewisse Ernüchterung hinsichtlich der zu erwartenden wirtschaftlichen Ergebnisse im Ackerbau. Nach dem deutlichen Anstieg im Berichtsjahr auf rund 35 bis 36 Cent je Kilogramm sind bei den Milcherzeugerpreisen derzeit kaum noch Erhöhungen festzustellen. Aufgrund der guten Nachfrage am Weltmarkt erwarten Marktfachleute jedoch ein stabiles Preisniveau mindestens bis zum Jahresende. Die Einkommenssituation in der Schweinemast und insbesondere in der Ferkelerzeugung ist trotz leichter Marktverbesserungen bei Schlachtschweine- und Ferkelpreisen nach wie vor angespannt. Das gilt auch im Obst- und Weinbau aufgrund des dort hohen Angebots- und Kostendrucks.

Daten zu den Unternehmensergebnissen 2010/11

Datenbasis: Die repräsentative Ermittlung der Einkommenssituation basiert auf den Buchführungsergebnissen von 2.840 landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben in Baden-Württemberg. Haupterwerbsbetriebe sind Unternehmen, deren Erlöse überwiegend aus landwirtschaftlicher Tätigkeit stammen. Es wurden ausschließlich Betriebe ausgewertet, deren Daten schon für die letzten beiden Wirtschaftsjahre zur Verfügung standen.
 
Unternehmensergebnis: Das Bruttoeinkommen oder Unternehmensergebnis muss neben dem Löhnen für die beschäftigten Arbeitskräfte und der Entlohnung für die unternehmerische Tätigkeit auch die Verzinsung des im Betrieb eingesetzten Eigenkapitals abdecken. Zusätzlich gehen davon die Sozialabgaben, die persönlichen Steuern, Tilgung für Fremdkapital und die finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Vorgängergeneration ab. Ein großer Teil des Unternehmensergebnisses ist für die Finanzierung von Existenz sichernden Ersatz- und Neuinvestitionen aufzuwenden.
 
Arbeitskräfte: Der Arbeitskräfteeinsatz liegt bei durchschnittlich 1,7 Arbeitskräften (AK) je Unternehmen oder 3,3 AK je 100 ha. Der durchschnittliche AK-Besatz ist in Baden-Württemberg um rund 22 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt (2,7 AK je 100 ha). Fläche: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche beträgt ca. 50 ha pro Betrieb. Der Anteil der Pachtflächen liegt im Durchschnitt bei 66 Prozent (32 ha). Die durchschnittlichen Pachtkosten betragen rund 7.100 Euro pro Jahr (ca. 222 Euro/ha). Eigenkapitalbildung: Im Durchschnitt konnte ein Haupterwerbsbetrieb im Wirtschaftsjahr 2010/11 rund 3.900 (2009/10: 1.100) Euro Eigenkapital bilden. Dieser Wert ist im Hinblick auf eine dauerhafte Sicherung der betrieblichen Existenz nach wie vor zu niedrig.
 
Investitionen: Die Bruttoinvestitionen nahmen 2010/11 um 7,3 Prozent auf 28.500 Euro je Unternehmen zu. Die Investitionen in Maschinen erhöhten sich um zwölf Prozent auf rund 13.000 Euro. Die Nettoinvestitionen stiegen um 69 Prozent auf knapp 4.200 Euro. Betriebe: In Baden-Württemberg gibt es nach der amtlichen Statistik rund 45.000 Betriebe mit mehr als fünf Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. Die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt rund 32 ha. Seit der Landwirtschaftszählung 1999 (61.000 Betriebe) verringerte sich die Zahl der Betriebe um rund ein Viertel. 2010 wurden etwa 38 Prozent der Betriebe im Haupt- und 62 im Nebenerwerb bewirtschaftet. Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V. (LBV) vertritt über 40.000 Landwirte. 24 selbstständige Kreisbauernverbände nehmen auf regionaler Ebene die Interessen des bäuerlichen Berufsstandes wahr. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Baden-Württemberg direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig.
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