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Produktion und Förderung

BBV: Milchkrise zwingt tausende Betriebe zum Aufgeben

von , am
31.08.2015

München - Die Milchkrise fordert ihre Opfer. Tausende Milchbauern müssen ihren Betrieb nach Einschätzung des bayerischen Bauernverbandes in diesem Jahr aufgeben.

Der schlechte Milchpreis beschleunigt den Strukturwandel in Bayern noch. © Mühlhausen/landpixel
Der stark gesunkene Milchpreis beschleunige den langjährigen Trend nochmals deutlich, sagte der Milchpräsident des bayerischen Bauernverbandes (BBV), Günther Felßner, der Deutschen Presse-Agentur in München. "Auf den Milchbauernhöfen brennt es im Moment lichterloh." Als wichtiges Erzeugerland für Milch sei Bayern mit seinen rund 33.000 Milchbetrieben davon besonders betroffen.
 
Viele Betriebe könnten mit dem momentanen Auszahlungspreis nicht einmal ihre Futterkosten decken, führte Felßner aus. "Sie zahlen jeden Tag drauf, wenn sie ihre Kühe melken. Das wird ein katastrophales Jahr für die Betriebe."

Felßner: 'Man lebt von der Substanz'

Felßner selbst hält auf seinem Hof im fränkischen Lauf an der Pegnitz 120 Milchkühe und rechnet 2015 wegen des Preisverfalls mit rund 80.000 Euro weniger Einnahmen als im Vorjahr, das allerdings dank eines hohen Milchpreises sehr gut ausfiel. "Man lebt von der Substanz", sagte er.
 
Auf Dauer sei das derzeitige Preisniveau aber nicht durchzuhalten. Die Politik müsse den rund 80.000 Milchviehhaltern in Deutschland stärker unter die Arme greifen, um die drastischen Marktschwankungen abzufedern.
 
Unter anderem fordert der BBV seit langem Änderungen bei der Besteuerung der Betriebe, um aus Überschüssen in guten Jahren besser Rücklagen für schlechte Zeiten bilden zu können. Ein einheitlicher Mindestpreis von 40 Cent für das Kilo Rohmilch greift aus Sicht von Felßner hingegen zu kurz, da kleine Betriebe eine ganz andere Kostenstruktur hätten als Großbetriebe. "Damit würden Agrarstrukturen entstehen, die niemand haben will."

Auf der Suche nach dem Ausweg: Schmidt trifft sich mit Amtskollegen

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) beriet an diesem Montag in Berlin mit Amtskollegen aus Frankreich und Polen über die Situation. Nach dem Treffen wurde deutlich, dass Frankreich eine Intervention am Markt anstrebt. Schmidt lehnt dies ab. Ein solcher kurzfristiger Eingriff in den Markt könnte zulasten der deutschen Milchbauern gehen, so die Befürchtung.
 
Am 7. September soll das Thema Milchpreisverfall zudem im Rahmen des EU-Agrarrats in Brüssel zur Sprache kommen. Bis dahin streben die drei Länder eine einheitliche Position an. Einer Wiedereinführung der Milchquote hat die EU-Kommission bereits eine klare Absage erteilt. Brüssel stellt aber Sofortmaßnahmen zur Unterstützung der Bauern in Aussicht. Im Gespräch ist etwa, die Direktzahlungen früher auszuzahlen aus üblich. 
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