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Produktion und Förderung

Betrieb mit Ideen und imposanter Technik weiterentwickelt

von , am
04.11.2014

Die Brüder Hubertus und Andreas Hansmeier haben vor einigen Jahren den elterlichen Familienbetrieb übernommen. Mit spezialisierten Betriebszweigen ist der Hof heute zukunftsfest aufgestellt.

Während Andreas (l.) die Biogasgülle ausbringt, arbeitet sie Hubertus (r.) gleich ein. © Phillip von Ditfurth
Die Brüder Hubertus und Andreas Hansmeier sind staatlich geprüfte Landwirte und inzwischen Geschäftsführer eigener Betriebszweige beim Familienunternehmen in der Nähe des nordrheinwestfälischen Städtchens Rietberg. Hubertus (30) leitet die Hansmeier GbR, einen Ackerbaubetrieb, bei dem er mit einem Angestellten und mehreren Saisonaushilfen 800 ha bewirtschaftet. Andreas (28) ist Geschäftsführer der Hansmeier Biogas KG, einer Anlage, die 2,4 MW Strom produziert. Der elterliche Betrieb blickt auf mehr als 200 Jahre Geschichte zurück.
  • Bis in die 1980er-Jahre betrieben die Eltern neben Ackerbau auch Schweinezucht, Bullenmast und Milchviehhaltung.
  • 1994 gingen die letzten Rinder vom Hof und die Hansmeiers setzten verstärkt auf den Gemüseanbau. Zu Spitzenzeiten wurden unter anderem 75 ha Möhren und 40 ha Zwiebeln angebaut.
  • Mittlerweile wurde auch die Schweinehaltung aufgegeben und die Hansmeier GbR setzt voll und ganz auf Ackerbau.
Vater Wilhelm war immer die treibende Kraft hinter Veränderungen: Er ließ die Biogasanlage bauen und er erweiterte die Ackerflächen des Betriebs. In den vergangenen zehn Jahren verdoppelte sich die Fläche so auf 800 ha. 300 ha Mais, 300 ha Getreide und Raps, 70 ha Kartoffeln sowie 40 ha Rüben baut Hubertus Hansmeier heute an.

Raritäten bei der Gülletechnik: Garant Pro VQ 32.000 und John Deere 8345R

Auf fast 4.000 ha bringen die Brüder Hansmeier an vier Wochen im Jahr ihre Biogasgülle aus. Dieses Jahr wurden erstmals alle Endlager leer. © Phillip von Ditfurth
Eigentlich haben die Brüder Hubertus und Andreas getrennte Aufgabenbereiche, die meiste Zeit verbringen sie im Büro. "Wir sind froh, wenn wir mal wieder Zeit zum Treckerfahren haben. Das machen meistens unsere Angestellten", sagt Andreas Hansmeier. Doch wenn im Frühling viel zu tun ist, sind die Brüder auch mal gemeinsam von früh bis spät mit beeindruckenden Gespannen auf den Feldern unterwegs.
 
Auf dem Acker fährt Andreas mit dem John Deere 8345R voran. Der braucht seine 392 PS, um den Anhang zu ziehen: den Vierachsgüllewagen Garant von Kotte mit einem Fassungsvermögen von 32.000 l - eine Rarität auf deutschen Feldern. Damit werden die Gärreste seiner Biogasanlage ausgebracht. "Wir hatten früher kleinere Fässer mit 18,5 oder 25 m³ Volumen, aber mit der jetzigen Größe der Biogasanlage reicht das nicht mehr", erzählt Andreas in der Traktorkabine und behält dabei den 30 m breiten Schleppschlauch im Auge, der am Güllewagen montiert ist.
 
Durch den langjährigen Kontakt zur Firma Kotte kam 2011 schließlich der Prototyp des Garant Pro VQ 32.000 zum Testen auf den Hansmeier-Hof. "Wir hatten damals gerade drei neue Gärrestlager für unsere Biogasgülle gebaut, da kam der Vierachser gerade recht. Deswegen haben wir ihn auch gleich behalten", erinnert sich Andreas.
Ein paar Hundert Meter neben Andreas Hansmeier arbeitet sein Bruder Hubertus die Gülle gleich im Anschluss ein. Sein Gespann ist nicht weniger beeindruckend: Er hat seinen 6 m breiten Tiger-Grubber von Horsch an den John-Deere-Raupenschlepper 8360RT angehängt. Auch den sieht man in Deutschland nicht oft.

Gülleflotte bearbeitet rund 4.000 Hektar

Die Gülle wird nicht nur auf den eigenen Flächen, sondern auch auf vier weiteren Betrieben ausgebracht, die bis zu 60 km entfernt sind - insgesamt eine Fläche von fast 4.000 ha. Um die kontinuierliche Befüllung über diese Distanzen hinweg zu garantieren, helfen Lohnunternehmen mit zehn bis 15 weiteren Lkws aus. Der Tankinhalt eines Tanksattelaufliegers lässt sich mit dem Kotte-Fass in einem Durchgang abpumpen - da muss schnell für Güllenachschub gesorgt werden.
 
Der Vierachser selbst darf mit vollem Fass nicht auf die Straße: Je nach Ausstattung kann schon das Leergewicht an die Grenzen der Straßenzulassung stoßen. Daneben kommt bei den Hansmeiers noch ein Tridem-Güllewagen zum Einsatz. Mit dieser Flotte wurden dieses Jahr erstmals alle Gärrestlager der KG geleert. "Wegen des milden Winters haben wir schon Ende Februar mit dem Ausbringen angefangen und waren Ende März fertig", so Andreas. 

Leistung des BHKW verachtfacht

Die Hansmeier Biogas KG ist die größte derartige Anlage im Kreis Gütersloh. Sie dient zur Strom- und Wärmeproduktion sowie zur Hackschnitzel- und Getreidetrocknung © Phillip von Ditfurth
Insgesamt umfasst die Anlage
  • sieben Lager mit einem Volumen von zusammen 29.000 m³
  • zwei Fermenter und drei Nachgärer für die Hauptgasproduktion
  • als Substrate dienen Abfälle aus der Lebensmittelindustrie sowie Maissilage, Pferde- und Rindermist vom eigenen Betrieb
"Einen großen Teil des Arbeitstags verbringe ich damit, die Substrate zu holen", so der Geschäftsführer. "Das sind vier bis fünf Touren im Umkreis von 15 km." Sein Angestellter Frank Brökelmann kümmert sich indes darum, dass die Anlage reibungsfrei läuft. Das Gas wird in einem angeschlossenen Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Strom- und Wärmeproduktion eingesetzt. Mit der Abwärme werden
  • der Hansmeier-Hof,
  • eine benachbarte Gärtnerei und
  • ein Schweinezuchtbetrieb versorgt.
  • als kleiner Nebenverdienst noch die Trockung von Getreide und Hackschnitzeln
  • ein Teil des Gases vier Kilometer weitergeleitet, wo ein weiteres BHKW ein Krankenhaus und ein Freibad beheizt.
Seit der Inbetriebnahme 2001 ist also schon einiges geschehen. Damals erbrachte die Anlage eine Leistung von 300 kW, heute sind es achtmal so viel.

Biogasgülle soll separiert werden

Ein weiterer Entwicklungsschritt ist nun in Planung: Die Biogasgülle soll vor der Ausbringung mit einem Separator behandelt werden:
  • Feststoffe werden aus der Gülle gefiltert und die Flüssigkeit wird vakuumverdampft
  • es entsteht einerseits kondensiertes, gereinigtes Wasser
  • andererseits konzentrierte Gülle
  • nach der Separierung müssen nur rund drei Viertel des vorherigen Volumens auf die Felder transportiert werden, was Kosten spart.
"Die Gülledüngung wird in der Bevölkerung nicht mehr akzeptiert und man muss sich nach anderen Lösungsmöglichkeiten umsehen", meint Andreas. "Ich glaube, in Jahren wird auf Großbetrieben keine Gülle mehr ausgebracht werden."
Die Brüder Hansmeier entwickeln ihre Betriebe stetig weiter und sind neuen Technologien gegenüber offen, so dass die Zukunft des Familienbetriebes in guten Händen liegt.
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