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Produktion und Förderung

Betriebe in der Krise: Jetzt den Kurs ändern

von , am
04.09.2015

Wenn die finanzielle Not existenzbedrohend wird, kann man nicht einfach weiter machen. Eine Analyse der Ist-Situation, Hilfe von außen und ein geplanter Kurswechsel können jetzt helfen.

Bevor betriebswirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden, muss die Ist-Situation analysiert werden. © Mühlhausen/landpixel
Wenn in einem Betrieb nichts mehr geht und die finanzielle Schwierigkeiten erheblich sind, ist Hilfe von außen nötig. Je früher sie in Anspruch genommen wird, umso leichter ist es, eine Lösung nachhaltig hinzubekommen, weiß Anne Dirksen von der LWK Niedersachsen.
 
Ein neuer Betriebszweig, Nebenerwerb oder Hofaufgabe - alles sind unternehmerische Entscheidungen. Der erste Schritt ist dabei die Analyse der Ist-Situation.

Analyse der Ist-Situation

Diese sollte sich nicht auf die Buchführungsergebnisse beschränken, sondern auch die Darlehensverträge, offenen Rechnungen und dergleichen einbeziehen. Folgende Fragen sollten geklärt werden.
  • Wie stehen die Familienmitglieder der Situation gegenüber?
  • Sind alle informiert?
  • Welche Zielvorstellungen und Ideen haben die einzelnen Beteiligten?
  • Wer hat welche Ausbildung?
  • Wo befinden sich Schwachstellen in der Produktion?
  • Wie ist die Arbeit organisiert?
  • Wo gibt es Einsparpotenzial in Familie und Betrieb? Dabei gehören auch die Privatausgaben auf den Prüfstand.
  • Wie sind die Darlehen strukturiert, gibt es die Möglichkeit der Umschuldung oder Streckung?
  • Lässt sich der Pachtaufwand reduzieren? 
 

Den neuen Kurs festlegen

Im zweiten Schritt sollte gemeinsam mit allen ein Ziel und der Weg dorthin festgelegt werden. Dabei ist es hilfreich, erst einmal die Vorstellungen und Wünsche aller Familienmitglieder zu sammeln und auf ihre Chancen und Risiken zu überprüfen, bevor vorschnelle Entscheidungen getroffen werden, nur weil sie gerade modern sind (z.B. Bau einer Biogasanlage) oder die Nachbarn es "auch so machen".
 
Hierbei sollte auch über neue Wege in der Produktion, über neue Betriebszweige im Dienstleistungsbereich, über die Umstellung auf Nebenerwerb oder den geordneten Rückzug nachgedacht werden. Daraus ergibt sich dann die Festlegung eines Handlungskonzeptes. Wer macht was? Mit wem? Bis wann? Denn nur wer ein schlüssiges Konzept vorlegt, kann letztendlich ein Entgegenkommen der Bank erwarten.

Kursänderungen mit Beratern besprechen

Neuer Betriebszweig, Nebenerwerb oder Hofaufgabe - alles sind unternehmerische Entscheidungen mit weit reichenden Konsequenzen für das Leben aller Familienmitglieder. Es erfordert sehr viel Mut, einen neuen Weg einzuschlagen und ihn auch durchzuhalten, wenn er mal nicht so gerade verläuft. Während es jedoch für "klassische" Wege wie Stallbau, Umstellung der Produktion selbstverständlich ist, diese unternehmerische Entscheidung durch Beratung begleiten zu lassen, scheuen sich viele, dies auch bei "Kursänderungen" zu tun. 
 
Es ist viel leichter, offensiv mit seiner Entscheidung umzugehen, sie mit Dritten zu durchdenken. Je weiter der finanzielle Engpass allerdings fortschreitet, desto enger werden die Spielräume für ein Gegensteuern. Nur individuelle Lösungen, die mit der Familie entwickelt und von ihr umgesetzt werden, haben Aussicht auf Erfolg. Je früher eine Kurskorrektur oder auch -änderung erfolgt, umso größer sind die Erfolgsaussichten.
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