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Produktion und Förderung

Betriebe in der Krise: Das sind die Warnsignale

Anne Dirksen, LWK Niedersachsen
am
02.09.2015

In Krisenzeiten ist es extrem wichtig, die Liquidität im Blick zu haben. Bevor Betriebe aufgegeben werden müssen, gibt es viele Warnsignale. Wer diese frühzeitig erkennt, kann das Steuer noch rumreißen.

Nicht nur die Milchpreise stecken in einer Krise, sondern auch die Milchbauern. Für viele wird die jetztige Situation zur Existenzbedrohung. Die ersten verkaufen ihre Milchkühe. Aus Bayern kam die Meldung, dass Tausende Betriebe noch in diesem Jahr aufgeben werden.
 
Doch wann ist es soweit? Wann sollte die betriebswirtschaftliche Entscheidung der Hofaufgabe getroffen werden? Wer frühzeitig versucht das Steuer herumzureißen, hat noch Handlungsspielraum. Anne Dirksen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen kennt die Warnsignale.

Merkmale, die auf ausreichende Liquidität hinweisen

  • Das laufende Konto ist mindesten einmal jährlich im Plus.
  • Rechnungen werden stets sofort bezahlt, und zwar unter Abzug von Skonti, soweit möglich.
  • Keine Lieferantenkredite!
  • Anstehende Gebäude, Maschinenreparaturen und Ersatzinvestitionen können überwiegend durch Rücklagen/ Eigenkapital investiert werden.
  • Trotz erheblicher Investitionen werden Verbindlichkeiten anschließend kontinuierlich zurückgefahren.
  • Für die Ausbildung und Abfindung der Kinder sind ausreichend Rücklagen und Einkommen vorhanden.
  • Die Risikoabsicherung für Familie und Betrieb ist individuell angepasst und ausreichend vorhanden.
  • Es besteht eine eigene Altersvorsorge, um nach der Hofübergabe finanziell unabhängig vom Hof zu sein.

Erste Warnsignale

  • Rücklagen auf Spar- und Tagesgeldkonten schrumpfen von Jahr zu Jahr.
  • Das laufende Konto bleibt ganzjährig im Minus.
  • Der Betrieb wird durch Ersatzinvestitionen "in Schuss" gehalten, aber ohne Abbau von Fremdkapital.
  • Lieferantenkredite steigen allmählich.
  • Die Betriebsprämie wird an Gläubiger abgetreten.
  • Betriebliches Wachstum unterbleibt mangels Eigenkapital.
  • Masttiere werden vor Erreichen des "Idealgewichtes" verkauft.
  • Die Rücklagen für Abfindung und Altersversorgung fließen allmählich in den Betrieb.
Diese Warnsignale werden laut Dirksen häufig nicht gesehen oder ausgeblendet. Stattdessen wird noch mehr Energie in die praktische Arbeit auf dem Hof gesteckt. Für den "Schreibtisch" ist keine Zeit.

Höchste Alarmstufe

  • Der Anteil der kurzfristigen Verbindlichkeiten am Gesamtfremdkapital steigt stetig an.
  • Tilgungsraten werden vom Kontokorrentkredit bedient.
  • Lieferantenkredite nehmen in Anzahl und Höhe zu.
  • Vieh- und Betriebsmitteleinkäufe werden mit späteren Verkäufen verrechnet.
  • Ställe bleiben ganz oder teilweise leer stehen, weil das Geld für den Kauf fehlt.
  • Eigene Forderungen wie beispielsweise die Betriebsprämie, die Tierpässe oder die Ernte im Herbst werden regelmäßig an die Bank oder andere Gläubiger abgetreten.
  • Die Verbindlichkeiten steigen kontinuierlich an, ohne dass Nettoinvestitionen erfolgen.
  • Ersatzinvestitionen werden mit Fremdkapital finanziert.
  • Notwendige Reparaturen werden hinausgezögert oder unterbleiben ganz.
  • Zur Verbesserung der Liquidität werden noch nicht verkaufsreife Tiere oder Produkte abgesetzt oder überstürzte Landverkäufe getätigt.
  • Ställe werden nicht mehr belegt, Felder nicht bestellt, weil das Geld dafür fehlt.
  • Banken sind nicht mehr zur Umschuldung oder weiteren Kreditgewährung bereit.
  • Mahnschreiben werden nicht geöffnet.
  • Versicherungsbeiträge werden nicht mehr bezahlt
  • Abgeschlossene Verträge zur privaten Altersvorsorge werden gekündigt, verkauft, beitragsfrei gestellt oder vom Soll des laufenden Kontos bedient.
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