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Steuerrecht

Betriebsteilung: Steuervorteile durch glaubwürdige Verträge absichern

Landwirt im Büro
am Samstag, 12.06.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Eine Betriebsteilung kann viele steuerliche Vorteile haben. Als Landwirt sollten Sie aber ein paar Kniffe kennen.

Nicht zuletzt wegen der Einschränkungen bei der Umsatzsteuerpauschalierung, wird die Betriebsteilung wieder interessanter. Wenn Sie als Landwirt Ihre Aktivitäten auf mehrere Betriebe aufteilen, hat das unter bestimmten Voraussetzungen aber nicht nur Steuervorteile; auch außersteuerliche Ziele können damit erreicht werden.

Aber Vorsicht: Überwiegend steuerlich motivierte Betriebsteilungen werden von der Finanzverwaltung argwöhnisch beäugt.

Wann ein Missbrauch vorliegt

Ecovis-Steuerberater Thomas Franke weist auf § 42 der Abgabenordnung hin, der da besagt: „Durch missbräuchliche Gestaltungen dürfen keine Steuern umgangen werden.“ Ein Missbrauch liegt aus Sicht der Finanzbehörden vor, wenn Gestaltungen gewählt werden, die den wirtschaftlichen Vorgängen nicht angemessen sind und keine beachtlichen „außersteuerlichen“ Gründe vorliegen.

Ein solcher außersteuerlicher Grund kann zum Beispiel sein, dass Angehörige eingebunden werden sollen, um die Arbeitslast zu verteilen.

Das gehört in einen Teilungsvertrag

Die Aufteilung eines Hofs kann erfolgen, indem die verschiedenen Betriebsteile beim Betriebsinhaber bleiben oder aber, indem Betriebsteile an Angehörige übertragen oder verpachtet werden. Das Finanzamt prüft solche Konstruktionen sehr streng.

„Wichtig ist, dass Sie klare und eindeutige Verträge schließen und dem Finanzamt vorlegen“, erklärt Franke. Denn die Finanzbeamten achten genau darauf, ob die Vereinbarungen mit außenstehenden Dritten genauso abgeschlossen worden wären wie mit den Angehörigen.

Damit die Prüfer getrennte Unternehmen anerkennen, ist nicht nur eine klare Abgrenzung der unternehmerischen Aktivitäten erforderlich, sondern auch der Einnahmen, Ausgaben und insbesondere der Verrechnungen zwischen den Unternehmen:

  • Wem gehört was?
  • Wer zahlt an wen Pacht oder Miete?
  • Werden Maschinen und Gerätschaften in verschiedenen Betrieben genutzt?

Ein Beispiel: Wenn Sie auf dem Hof vorhandene Maschinen in den Betriebsteilen gemeinsam nutzen wollen, muss Nutzung nach Stundensätzen abgerechnet werden.

Sorgfältige Dokumentation der Abrechnungen ist essentiell

Wichtig ist auch, dass die Beteiligten, also Ehegatte, Kind oder Gesellschaft, die notwendigen Kenntnisse zur Bewirtschaftung des Betriebsteils mitbringen. „Es darf nicht der Verdacht aufkommen, dass der Landwirt unverändert die Zügel in der Hand hat“, betont Franke.

Die Aufteilung des Betriebs ist sowohl nach innen – durch Abrechnungen und in der Buchhaltung – als auch nach außen – durch getrennten Ein- und Verkauf – und gegenüber Behörden klar zu leben.

Franke erläutert, entscheidend sei nicht, dass die Vereinbarungen kurzfristig passen, sondern dass sie über die gesamte Zeitdauer der Betriebsteilung vollumfänglich vollzogen werden. „Es bringt nichts, bis zur ersten Prüfung auf die Regeln zu achten und danach die Zügel schleifen zu lassen“, warnt der Steuerexperte.

Mit Material von Ecovis
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