Login
Steuer und Finanzen

Biogas-Strom ohne Börse vermarkten

© rz/Joule
von , am
27.11.2014

Den eigenen Biogas-Strom an den Endverbraucher bringen - wie geht das? Das Energie-Fachmagazin joule gibt Tipps, wie die Energie auch ohne Strombörse vermarktet werden kann.

Strom aus Biogas vermarkten - dazu gibt es verschiedene Varianten. © Mühlhausen/landpixel
Wer seinen Biogas-Strom ohne Börse an den Endverbraucher bringen will, dem stehen drei Geschäftsmodelle offen, erklärt Detlef Riesel vom Fachverband Nachwachsende Rohstoffe (FNR) im Energie-Fachmagazin joule:
 
die Selbstvermarktung
der Weg über Stromhändler
die genossenschaftliche Stromvermarktung im Direktvertrieb.
 
"Hier können sicherlich energiesteuerliche Vorteile ausgenutzt werden, allerdings spielen auch zahlreiche rechtliche und steuerrechtliche Vorgaben hinein", sagt Riesel.

Außerbörsliche Vermarktung: Prämien durch Netzbetreiber entfallen

Dr. Stefan Rauh, Geschäftsführer beim Fachverband Biogas, gibt zu bedenken, dass die Prämien durch den Netzbetreiber bei der außerbörslichen Vermarktung entfallen. Zum Beispiel die Marktprämie für den Stromverkauf auf dem freien Markt oder der gesetzlich festgelegte Bonus für den Mehraufwand, der vom Stromnetzbetreiber als Managementprämie an den Biogasanlagenbetreiber gezahlt werden muss, sind passé. "Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist der mit dem Abnehmer vereinbarte Preis."

Chance: Höhere Erlöse aus direktem Stromverkauf

Stefan Rauh: 'Der vereinbarte Preis mit dem Abnehmer entscheidet über die Wirtschaft-lichkeit'. © rz/Joule
Einen Anreiz für ein Direktvermarktungsmodell dürften Betreiber jedoch nicht nur in der Unabhängigkeit zur EEG-Vergütung sehen, sondern in der Möglichkeit, höhere Erlöse aus dem direkten Stromverkauf zu erzielen. "Wenn man den Zukaufspreis für Strom mit den Kosten der Stromerzeugung vergleicht, wird man feststellen, dass man in einem ähnlichen Bereich liegt", konstatiert der Geschäftsführer des Fachverbandes.
 
"Einige Aspekte dürfen dabei aber nicht vernachlässigt werden. Zum Beispiel die EEG-Umlage, Steuern und Netzentgelte. Werden diese Zusatzkosten hinzuaddiert, relativiert sich die Wirtschaftlichkeit häufig wieder."

Direktvermarktung Variante 1: Stromtransport über das allgemeine Netz

Als Spielart für die Direktvermarktung des eigenen Biogas-Stroms im Sinne des EEG sind laut Energierechtsspezialist Prof. Dr. Martin Maslaton derzeit zwei Varianten möglich, die praktiziert und rechtlich bewertet werden: Zum Einen besteht die Möglichkeit, den Strom über das Netz der allgemeinen Versorgung zum Endkunden zu transportieren. Hierbei fallen in der Regel Netzentgelte nebst damit gekoppelten Umlagen an.
 
Eine Inanspruchnahme des Netzes ist aber nicht ohne Weiteres möglich, sondern ruft einen Dienstleister auf den Plan. Dieser muss den Bilanzkreis für den Anlagenbetreiber führen und Ausgleichsstrommengen für die Schwankungen bei Erzeugungs- und Verbrauchsmenge generieren.

Direktvermarktung Variante 2: Biogasstrom durch die Direktleitung

Die zweite Direktvermarktungsvariante ist die unmittelbare Versorgung des Endverbrauchers mit Biogasstrom durch eine Direktleitung. Anlagenbetreibern wird bei dieser Möglichkeit zwar viel Eigeninitiative abverlangt, auf der anderen Seite birgt sie aber enormes Einsparpotenzial und damit Gewinnoptimierung.
 
Die Stellschrauben lassen sich vor allem bei den
  • Strompreisbestandteilen,
  • der EEG-Umlage und
  • der Stromsteuer drehen.
Als Dienstleister, der eine Direktleitung an den Endverbraucher zur Stromversorgung betreibt, können sowohl die KWK-Umlage, die Umlage nach § 18 Verordnung über Vereinbarung zur abschaltbaren Lasten, sowie die Konzessionsabgaben und die Umlage nach § 19 StromNEV eingespart werden.
 
Bei letzterem Vermarktungsmodell sollte der Biogasanlagenbetreiber prüfen, ob sich durch Pacht- und Betriebsführungsmodelle eventuell noch die EEG-Umlage umgehen lässt. "Sie ist nicht davon abhängig, ob das Netz der allgemeinen Versorgung in Anspruch genommen wird, sondern knüpft ausschließlich daran an, dass eine Lieferung von Strom an den Letztverbraucher stattfindet." 

Auf räumliche Nähe zum Endverbraucher achten

Eine wichtige Rolle bei dieser Variante spielt, wie auch beim ersten Szenario, die räumliche Nähe des Endverbrauchers zur Erzeugungsanlage. Es ist darauf zu achten, dass die Vergütung für den zusätzlich eingespeisten Strom nicht in Gefahr gerät.
 
Der in §16 EEG geregelte Vergütungsanspruch besagt nämlich im dritten Absatz, dass Anlagenbetreiber, die "den Vergütungsanspruch nach Absatz 1 für Strom aus einer Anlage geltend machen", den gesamten in der Anlage erzeugten Strom, den sie nicht selber nutzen oder der nicht "von Dritten in unmittelbarer räumlicher Nähe zur Anlage verbraucht wird", dem Netzbetreiber zur Verfügung stellen müssen.

Stromsteuer einsparen

Räumliche Nähe ist im Übrigen auch ein Thema, wenn es darum geht, die Stromsteuer einzusparen. Das ist zwar meist der Fall, wenn sich Endverbraucher und Erzeuger in unmittelbarer Nähe befinden oder ausschließlich "grüner Strom" durch die Direktleitung fließt. Martin Maslaton rät im Einzelfall dennoch zur konkreten Prüfung. "Der Bundesfinanzhof hat dargestellt, dass die Ausschließlichkeit auch dann gewährleistet ist, wenn jederzeit messbar nachgewiesen werden kann, dass Strom aus Erneuerbaren Energien geliefert wird."
 
Hier sollte auch die Möglichkeit geprüft werden, für den direktvermarkteten Strom in den Genuss des KWK-Zuschlags nach dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz zu kommen, schlägt Maslaton weiter vor.

Hier lauern Probleme bei der Stromvermarktung

Der Rechtsexperte sieht aber auch Schwierigkeiten, die diese Stromvermarktungsstrategie mit sich bringt. Vor allem, wenn es um die Kommunikation zwischen Anlagenbetreiber und Netzbetreiber in Bezug auf die technischen Voraussetzungen einer Direktleitung geht.
 
Ebenso könnte die Ausgestaltung der Zusatzversorgung Probleme bereiten, denn die Deckung des gesamten Strombedarfs des Endverbrauchers kann häufig nicht aus der Biogasanlage erfolgen. Für solche Fälle ist ein alternativer Strombezug erforderlich. Kann dieser nicht durch den Biogasanlagenbetreiber bereitgestellt werden, muss der Endverbraucher einen zusätzlichen Vertrag mit einem Energieversorgungsunternehmen schließen, wofür wiederum Netzentgelte anfallen.

Fazit: Eine interessante Alternative

Auch wenn derzeit noch Widrigkeiten lauern, ist die Biogas-Direktstromvermarktung an den Endkunden, insbesondere im Hinblick auf die niedrigen Vergütungssätze im neuen EEG, eine interessante Alternative. Der Fachverband Biogas setzt sich nach eigenen Angaben verstärkt für eine geeignete, praxisgerechte Regelung bei der Direktabgabe von Biogas-Strom ein. Bis dahin rät der Rechtsspezialist Maslaton, für solche Konzepte auf eine saubere vertragliche Struktur zu achten, die auch eine entsprechende Flexibilität bei Gesetzesänderungen aufweist.



Auch interessant