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Produktion und Förderung

Boden bis zu 85 Prozent teurer

von , am
20.03.2012

Der Preis für landwirtschaftliche Grundstücke steigt rapide. Besonders auffällig ist die Entwicklung in den ostdeutschen Ländern: Seit 2007 ist der Kaufwert um über 85 Prozent gestiegen.

Die Bundesregierung soll ihre Haltung zur Entwicklung auf dem landwirtschaftlichen Boden- und Pachtmarkt erklären, fordern Bündnis 90/Die Grünen in einer Kleinen Anfrage. © Mühlhausen/landpixel
Seit dem Jahr 2007 sind die Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke in Deutschland insgesamt um über 25 Prozent gestiegen. Gravierend fällt der Unterschied zwischen ostdeutschen und westlichen Bundesländern aus: Während Boden in den westlichen Ländern um rund 13 Prozent teurer wurde, stiegen die Preise in den östlichen Ländern um über 85 Prozent.
 
Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Bundesverband der gemeinnützigen Landgesellschaften (BLG) und der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern.

Backhaus kritisiert 'verfehlte Privatisierungspolitik'

Nach Meinung von Till Backhaus, Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, hat "die verfehlte Privatisierungspolitik der Bundesregierung wesentlich zu den Verwerfungen auf den ostdeutschen Bodenmärkten" beigetragen. Landwirte könnten bei den Ausschreibungen wegen der immensen Preissteigerungen häufig nicht mehr mithalten.
 
Auch in anderen Staaten sind die Bodenpreise im Lauf der Jahre gestiegen. Hierzulande kommen dem Gutachten zufolge noch weitere Faktoren dazu: Die Strategie des Bundes zur Flächenprivatisierung in ostdeutschen Bundesländern und der ungebrochene außerlandwirtschaftliche Flächenbedarf. Das Gutachten bestätigt die Wahrnehmung von Till Backhaus. Es sieht die Agrarstrukturentwicklung gefährdet, weil "die Zahl der landwirtschaftlichen Unternehmen, die nicht mehr in der Lage sind, die aus dem eigenen Pachtflächenbestand auf den Markt kommenden Flächen oder Ersatzflächen zu erwerben", zunimmt.
 
Viel investiert: Doch sind jetzt bald die Flächen weg?

 
Handlungsempfehlungen im Gutachten
 
Um einer weiteren Preissteigerung bei Boden in dieser Höhe zu verhindern, werden im Gutachten Handlungsempfehlungen gegeben:
  • Paradigmenwechsel bei der Flächenprivatisierung des Bundes in den neuen Bundesländern
  • "Neutralisierung" der Anreizwirkung des EEG
  • Konsequentes Anwenden des städtebaulichen Rechtsrahmens für weniger Flächenverbrauch
  • Möglichkeiten des Bundesnaturschutzgesetzes für eine hochwertige, agrarstrukturverträgliche und Agrarflächen schonende Kompensation ausschöpfen
  • Steuerliche Vorschriften zur Abfederung der Gefahren für die Agrarstruktur anpassen

Wieder Thema auf der Agrarministerkonferenz

"Ich werde dieses Gutachten zum Anlass nehmen, um auf der Agrarministerkonferenz nochmals die Privatisierungspolitik der Bundesregierung kritisch zu hinterfragen", kündigt Till Backhaus, Landwirtschaftsminister in Mecklenburg-Vorpommern, an. Der Verband der gemeinnützigen Landgesellschaften habe das Gutachten bereits an die Agrarminister des Bundes und der Länder sowie an die deutsche Agrarministerkonferenz übergeben.
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