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Bodenmarkt

Bodenpreise: Nicht nur die Ackerzahlen bestimmen den Markt

Weidefläche mit den Alpen im Hintergrund
am Freitag, 14.08.2020 - 14:49 (1 Kommentar)

Die Bodenpreise in Deutschland sind im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent angestiegen. Dabei ist das Ranking der Bundesländer fast gleich geblieben – nach wie vor bestimmen offenbar mehrere Faktoren die Preise.

Laut aktueller Erhebung des Statistischen Bundesamtes stieg im deutschen Durchschnitt der Kaufpreis für landwirtschaftliche Flächen von 25.485 Euro pro Hektar im Jahr 2018 auf 26.439 Euro pro Hektar im letzten Jahr.

Etwa 38.000 Veräußerungsfälle wurden für das letzte Jahr dokumentiert. Dabei wechselten etwa 84.000 Hektar den Eigentümer.

Die einzelnen Preisstrukturen lassen zwar noch immer einen Unterschied zwischen alten und neuen Bundesländern erkennen, von einem reinen Ost-West-Gefälle kann jedoch nicht gesprochen werden. Gleichzeitig geht aus der jährlichen Statistik deutlich hervor, dass das objektive Kriterium der Acker- beziehungsweise Grünlandzahl keinen besonders großen Einfluss auf die landesweiten Bodenpreise ausübt.

Bodenpreise spiegeln unterschiedliche Agrarstrukturen noch wider

Von der geschichtlichen Entwicklung noch durchaus geprägt sind die Anzahl der stattgefundenen Verkäufe, die damit übertragenen Flächen und aufgewendeten Verkaufssummen im Osten und im Westen: In den neuen Bundesländern fand ein Drittel der Verkäufe landwirtschaftlicher Flächen statt. Trotzdem waren dabei 54 Prozent der insgesamt in Deutschland verkauften Flächen betroffen. Der Anteil der in Deutschland aufgebrachten Verkaufssumme war wiederum nur zu einem Drittel auf Flächen in den neuen Bundesländern zurückzuführen.
Im Vergleich zum Vorjahr 2018 haben sich diese Zahlen kaum verändert.

In den neuen Ländern kostete der Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche im letzten Jahr 16.270 Euro. Im früheren Bundesgebiet lag der Preis bei 38.396 Euro pro Hektar.

Trotzdem kein reines Ost-West-Gefälle

Die niedrigen durchschnittlichen Kaufwerte im Saarland, in Hessen und Rheinland-Pfalz widerlegen jedoch die Annahme, dass sich die Preise ausschließlich an der geografischen Lage orientieren.

Gemeinsam mit allen fünf neuen Bundesländern (Stadtstaaten nicht mit erfasst) bildeten die drei genannten westlichen Bundesländer die Gruppe, die sich unter dem durchschnittlichen Kaufpreis in Deutschland befindet.
In den restlichen Bundesländern Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern lagen die durchschnittlichen Kaufpreise über dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 25.485 Euro pro Hektar.

Extreme Unterschiede in oberen Preiskategorien

Wie schon im Jahr 2018 war im letzten Jahr eine große Preisspanne zwischen den Bundesländern mit überdurchschnittlichem Kaufpreis zu verzeichnen: Während der Kaufwert in Baden-Württemberg mit etwa 29.000 Euro pro Hektar nur knapp über dem Gesamtdurchschnitt lag, kostete der Hektar in Bayern über 60.000 Euro. Mit knapp 54.000 Euro schließt sich Nordrhein-Westfalen an.

Bemerkenswert ist die sich anschließende große Lücke: Kein Bundesland fällt in die Spanne von 40.000 Euro bis 50.000 Euro – im drittplatzierten Niedersachen betrug der durchschnittliche Kaufpreis etwa 38.000 Euro pro Hektar.

Die teuersten Hektare befanden sich in Ober- und Niederbayern mit über 100.000 Euro. Weit unter dem bayerischen Durchschnitt liegen die Bodenpreise in der Region Franken.

Neben Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gehört Bayern allerdings zu den Bundesländern, in denen gegenüber 2018 ein Preisrückgang zu verzeichnen war (minus 1,9 Prozent in Bayern).

Mehr Fragen als Antworten beim Blick auf die Ackerzahlen

Bei den im Jahr 2019 verkauften landwirtschaftlichen Flächen betrug die durchschnittliche Ertragsmesszahl 44,2. Dafür wurden durchschnittlich 26.439 Euro pro Hektar bezahlt.

In Bayern befand sich die durchschnittliche Acker- beziehungsweise Grünlandzahl für die verkauften Flächen mit 44,0 unter dem Bundesdurchschnitt. Der durchschnittliche Bodenpreis pro Hektar lag jedoch bei fast 64.000 Euro.
Einen passenden Vergleich dazu stellt das Bundesland Hessen dar, dessen Ertragsmesszahl ebenfalls bei 44,0 liegt. Hier kostete der Hektar etwa 15.000 Euro.

Am deutlichsten wird das undurchschaubare Kriterium der Acker- und Grünlandzahlen im Bundesland Sachsen-Anhalt. In der Region der Schwarzerden wurden im Jahr 2019 landwirtschaftliche Flächen mit einer durchschnittlichen Ertragsmesszahl von 57,5 verkauft – für etwa 18.000 Euro pro Hektar. Die besten Ertragsmesszahlen fasst das Statistische Bundesamt in der Kategorie „60 und mehr“ zusammen – eine Dimension, in der in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland im Jahr 2019 kein einziger Verkauf stattfand. In Sachsen-Anhalt betrug die durchschnittliche Ertragsmesszahl in dieser letzten Kategorie 79,6. Der Preis von etwa 25.000 spiegelte diese Bodengüte nicht wider.

Mit Material von dem Statistischen Bundesamt

Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke 2019

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