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Steuer und Finanzen

Bodenpreise steigen weiter

© landpixel
von , am
16.09.2013

Berlin - BVVG-Flächen sind wieder deutlich teurer geworden. Im Schnitt kostet der Hektar dieses Jahr 16.000 Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Preisanstieg von 18 Prozent.

Im Osten sind die Preise für Agrarflächen in den letzten Jahren enorm gestiegen. © Mühlhausen/landpixel
Die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) verzeichnet einen erneuten spürbaren Anstieg der Bodenpreise. Wie Geschäftsführer Wilhelm Müller berichtet, liegt der durchschnittliche Hektarpreis beim Verkauf landwirtschaftlicher Flächen der BVVG in diesem Jahr bislang bei mehr als 16.000 Euro je Hektar (Euro/ha).
 
Das entspricht einem Anstieg gegenüber 2012 von rund 18 Prozent (%). Im letzten Jahr hatte die bundeseigene Gesellschaft im Schnitt 13.761 Euro/ha erlöst.

Nachfrage nimmt zu

"Die ohnehin hohe Nachfrage nach land- und forstwirtschaftlichen Flächen hat eher noch zugenommen", teilte Müller mit. Zwar sei der Anstieg durch einzelne größere und hochwertige Verkäufe beeinflusst worden. Insgesamt lasse sich aber bereits jetzt sagen, dass der Preisanstieg in diesem Jahr höher ausfallen werde als 2012, der sich mit neun Prozent gegenüber den Vorjahren abgeschwächt hatte.
 
Zurückhaltend äußerte sich Müller zu den Auswirkungen der Mitte des Jahres umgesetzten Anpassung der Privatisierungsgrundsätze. Hier sei es für eine abschließende Bewertung noch zu früh. Allerdings habe sich die Halbierung der maximalen Losgröße auf 25 ha bisher nicht merklich in den Preisen niedergeschlagen. Eine weitere Absenkung der Losgröße, wie sie von einzelnen Ländern ins Spiel gebracht wird, hält der BVVG-Geschäftsführer nicht für sinnvoll.

Flächen werden knapper

Vor allem auf guten Standorten mit ohnehin vergleichsweise hohen Bodenpreisen stellt die BVVG nach Angaben ihres Geschäftsführers einen weiteren Preisanstieg fest, den man selbst so nicht erwartet habe. Müller wies darauf hin, dass sich die Rahmendaten für den Bodenmarkt nicht verändert hätten.
 
Eine Ursache für den überdurchschnittlichen Zuwachs in diesem Jahr könne sein, dass das jährliche Angebot an BVVG-Flächen allmählich knapper werde. Der Umfang an freiwerdenden Pachtflächen, der bislang bei etwa 30.000 ha und in Einzeljahren darüber gelegen habe, werde sich ab 2015 etwa halbieren.
 
Investoren kaufen dem Geschäftsführer zufolge nach wie vor "eher selten" Flächen der BVVG. Sie konzentrierten sich stattdessen auf den Erwerb ganzer Betriebe von deren Eigentümern. Man sei manchmal erstaunt, so Müller, "dass Unternehmen, die in der Vergangenheit nur mühsam ihre Pacht zahlten, offenbar problemlos Flächen von uns kaufen und bezahlen". Das könnte seiner Einschätzung nach ein Indiz für den Einstieg von Geldgebern sein.

Insgesamt 24.000 Hektar verkauft

Insgesamt hat die BVVG in diesem Jahr bislang knapp 24.000 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) verkauft, davon gut 13.000 ha zum Verkehrswert. "Wir liegen im Soll und gehen davon aus, dass wir den geplanten Verkauf von rund 34.400 ha in diesem Jahr erreichen werden.
 
Seinen Niederschlag findet der Anstieg der Verkaufspreise im wirtschaftlichen Ergebnis. Laut Müller, dessen Geschäftsführervertrag bis Ende 2014 läuft, hatte die BVVG bis Ende August gut 400 Millionen Euro erlöst; sie lag damit über den gesetzten Zielen. Voraussichtlich werde man die Abführung an den Gesellschafter von 360 Millionen Euro, die sich die BVVG für 2013 vorgenommen habe, "um einiges übertreffen".
 
Wie der Geschäftsführer weiter mitteilte, machten die Pächter nach wir vor rege vom Direkterwerb Gebrauch. Etwa 50 % der direkterwerbsfähigen Pachtflächen würden von den Pächtern während der Laufzeit des Pachtvertrages erworben. Die andere Hälfte verteile sich zu etwa gleichen Teilen auf den Abschluss eines vierjährigen Pachtvertrages mit Kaufmöglichkeit oder eines neunjährigen Pachtvertrag ohne Kaufoption.

Junglandwirte steigen in den Kauf ein

Müller rechnet damit, dass der in den Privatisierungsgrundsätzen vereinbarte größere Flächenumfang von 7.500 ha für beschränkte Ausschreibungen schon in diesem Jahr vollständig angeboten werden kann, obwohl die Regelung erst Ende April wirksam wurde. Erste Bewerbungen gebe es von Junglandwirten, die neu in den Bewerberkreis der beschränkten Ausschreibungen aufgenommen worden seien. Man sei gespannt, "wie sich das in den nächsten Monaten weiter entwickeln wird".
 
Eine weitere Modifizierung, die als Konsequenz aus einem Gerichtsurteil zu einer Änderung der Anlage 1 der Privatisierungsgrundsätze führte, bezieht sich auf den Nachweis der ordnungsgemäßen Vermögensauseinandersetzung in Sachsen-Anhalt. Dort müssen nunmehr Nachfolgeunternehmen von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) den Nachweis nur noch bei Direktkäufen erbringen, jedoch nicht mehr bei der direkten Pacht für vier oder neun Jahre. Diese Regelung entspricht der Anwendung in Sachsen.

Noch 25.000 Hektar für Alteigentümererwerb

Für den Alteigentümererwerb benötigt die BVVG nach Schätzung Müllers noch etwa 25.000 ha. Den begünstigten Alteigentümererwerb für die jetzt vorliegenden Anträge will man im Wesentlichen bis Ende 2014 abschließen. Derzeit lägen noch gut 1.100 unerledigte Anträge von Alteigentümern bei der BVVG zur Bearbeitung.
 
Nach wie vor gingen monatlich etwa zehn Anträge ein, berichtete der BVVG-Geschäftsführer. Pro Monat arbeite man rund 70 Anträge ab.  
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