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Produktion und Förderung

Brandenburg: Frühjahrsbestellung nicht möglich

von , am
12.03.2011

Potsdam - Die Überschwemmungen vom Herbst des vergangenen Jahres wirken in Brandenburg nach: In einigen Regionen steht die Frühjahrsbestellung still.

Die Frühjarsbestellung steht in einigen Regionen Brandenburgs still. Ursache sind die Überschwemmungen vom Herbst. © Mühlhausen/landpixel
Seit Anfang August 2010 sind im Oderbruch und den Einzugsgebieten von Elster und Spree zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe vom Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden.
"In Brandenburg sind derzeit noch rund 120.000 Hektar (ha) vom Wasser und seinen Folgen betroffen. 50 bis 80 Millionen Euro Verluste, beziehungsweise zusätzliche Kosten sind zu beklagen. Dazu zählen die Ernteausfälle im Sommer 2010, niedrigere Erträge 2011 durch Sommerung, Kosten für Neubestellungen/Nachsaaten, die Flächenberäumung und Futterzukäufe. Hilfe vom Land ist für die Betriebe bitter nötig", sagte Udo Folgart, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg im Rahmen eines Pressegesprächs. Henrik Wendorff, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Märkisch-Oderland bezifferte die Schäden alleine für die Ernteausfälle im Oderbruch auf 15 bis 20 Millionen Euro. Hier sind etwa 30.000 ha LN (von 70.000 LN im Oderbruch) immer noch vom Wasser in Mitleidenschaft gezogen und nicht zu bewirtschaften.

Landwirte bemängeln Bewirtschaftung der Landesgewässer

Im Unterschied zum brandenburgischen Umweltschutzministerium (MUGV) und dem Landesamt für Umwelt (LUGV) sehen die Landwirte den überwiegenden Teil der Probleme nicht den Niederschlägen geschuldet, sondern in einer vernachlässigten Bewirtschaftung der Landesgewässer/Vorfluter.
Gut sei, dass sich jetzt drei Ministerien und ein "Oderbruchverantwortlicher" mit der Lösung des Problems beschäftigten, jedoch ist Henrik Wendorff ob des möglichen Ergebnisses eher skeptisch. "Wir brauchen endlich ein öffentliches und echtes Bekenntnis zum Wirtschaftsraum Oderbruch. Wir sind flächendeckend ein Agrarland mit Arbeitsplätzen im ländlichen Raum und kein Land der Leuchtturmregionen", betont Gerhard Steffen, Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Vermögensverwaltungsgesellschaft.

Dauerhafte Vernässung befürchtet

Bodo Schulz, Landwirt aus Neuküstrinchen und Fraktionsvorsitzender der Fraktion Bauernverband MOL im Kreistag befürchtet ein dauerhaftes Verbleiben des Wassers auf den landwirtschaftlichen Flächen. Otto Knoll, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Rettet das Oderbruch", bemängelte die "Arroganz und Abgehobenheit der Leute in Potsdam (MIL & LUA)". "Wir vom Verein zur Erhaltung des Oderbruchs haben im November 2010 einen Brief mit Unterschriften eingesandt. Die halten es noch nicht einmal für nötig den Eingang des Schreibens zu bestätigen, geschweige zu beantworten."

Landesbauernverband verabschiedet Positionspapier

LBV-Präsident Udo Folgart forderte ein eindeutiges Bekenntnis zum Oderbruch und seinen Menschen. "Wir haben hier einen sehr fruchtbaren Boden, wir geben den Menschen Arbeitsplätze und wir sollen unsere Bevölkerung mit guten Lebensmitteln - möglichst aus der Region - versorgen."
Als Reaktion auf die "undurchsichtige Situation" bei der Gewässerunterhaltung in Brandenburg hat der Landesbauernverband ein Positionspapier verabschiedet. "Gegen vollgelaufene Keller in den Ortschaften und überschwemmte Felder und Wiesen hilft nur ein abgestimmtes und leistungsfähiges Gewässerbewirtschaftungskonzept, das zuallererst dem Wohl der Menschen dienen muss", so Folgart. Dazu gehöre es auch, von "überzogenen" Naturschutzforderungen Abstand zu halten.
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