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Produktion und Förderung

Brandenburg: Landwirte fürchten um Ernte und Qualitäten

von , am
04.08.2011

Teltow - Tatenlos müssen die Landwirte ansehen, wie die Qualität des Getreides aufgrund der Nässe sinkt. Wir waren auch wieder zu Besuch bei Manfred Wercham, der 300 Hektar im Oderbruch bewirtschaftet.

 
Manfred Wercham ist inzwischen umgestiegen: Von Getreide auf Sonnenblumen. Getreide machte für ihn bei den regelmäßig schlechten Bedingungen im Oderbruch keinen Sinn mehr. Auf den wenigen Hektar, auf denen Manfred Wercham noch Getreide säte, musste es teilweise mit dem Kunstdüngerstreuer ausgebracht werden - der Boden war zu nass. Die Bedingungen waren schwierig, das Ergebnis ist allerdings zufriedenstellend: Werchams Weizen erreicht Brotqualität.
 
Weniger gut sieht es bei vielen anderen Landwirten in Brandenburg aus. Die starken Regenereignisse am letzten Juliwochenende mit Niederschlagsmengen von bis zu 120 Millimeter haben die Lage zusätzlich erschwert, denn jetzt sind viele Böden so mit Wasser gesättigt, dass sie mit der schweren Erntetechnik nicht befahren werden können. Hinzu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit, die ein schnelles Abtrocknen der Bestände verhindert. "Was wir jetzt brauchen", so Dr. Karsten Lorenz, Ref. für Ackerbau vom LBV, "sind ein zwei Wochen Sonnenschein mit mäßigem Wind, damit die Feuchtigkeit aus dem Getreidekorn kommt".

Bisherige Erträge ernüchternd

Bei der Gerste konnten nur etwa 44 dt/ha eingefahren werden, normal wären 56 Dezitonnen je Hektar (dt/ha). 2010 waren es sogar noch 60 dt/ha. Die Schwankungsbreite war 2011 mit 15 bis 60 dt/ha sehr groß. Auch bei Weizen, Roggen, Triticale und Hafer schwanken die Erträge deutlich. In Südostbrandenburg gingen die Erträge gegenüber dem Vorjahr stellenweise um mehr als die Hälfte zurück. Vor allem die fehlenden Niederschläge im Frühjahr sind dafür die Ursache. So fiel im April und Mai im Landkreis Oder-Spree nur ein Drittel der üblichen Niederschlagsmenge. Dafür fiel der Erntemonat Juli komplett ins Wasser. Mit durchschnittlich 180 mm war der Juli 2011 viel zu nass, normal wären 52 mm. Im Oderbruch wurden sogar über 250 mm im Juli gemessen, was die Situation verschärft. Die Witterungsbedingungen haben dazu geführt, dass noch ca. 70% der Roggen-, Weizen- und Triticalebestände auf dem Feld stehen, d.h., die Druschernte wird sich bis weit in den August erstecken.

Katastrophale Lage beim Raps

Die Bestände kamen schlecht über den Winter, und 16.000 Hektar mussten umgebrochen werden. Das ungleichmäßige Abblühen der Bestände und die geringe Verzweigung der Pflanzen lassen ebenfalls keine Rekordernte erwarten. Die Starkniederschläge der letzten Wochen führen zusätzlich bei Raps zum vermehrten Aufbrechen der Schoten und damit ging die Ernte verloren. Aber auch die Sonnenblume, die zweite wichtige Ölpflanze in Brandenburg, kommt mit den Witterungs¬bedingungen in diesem Jahr nicht so gut klar. Die schweren "Körbe" (Blütenstände) können von den Stängeln nicht mehr gehalten werden und brechen zusammen. Schuld sind Pilzkrankheiten, die sich vermehrt in den nassen Beständen ausbreiten.
 
Gute Aussichten für Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben
 
Gut sind hingen die Ernteaussichten bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben. Für die Verbraucher dürfte eine niedrige Getreideernte in Brandenburg keine gravierenden Auswirkungen haben. Selbst wenn es zu Preissteigerungen beim Getreide kommt sind diese für den Endverbraucher an der Ladentheke kaum spürbar. Schließlich ist sind nur einen bis ½ Cent des Kaufpreises eines Brötchens auf den Getreideanteil zurückzuführen. Selbst eine Verdopplung des Getreidepreises würde das Brötchen nur um 1 Cent verteuern. 

Landwirtschaft im Oderbruch: Problemfall Wasser

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