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Produktion und Förderung

Bullenmast und Ackerbau im "Herzen von Bayern"

von , am
18.04.2012

In unserer Reihe Hofreport begleiten wir Landwirte über das ganze Jahr hinweg. Einer davon ist Erich Zirngibl, der einen Ackerbaubetrieb mit Bullenmast im Landkreis Eichstätt betreibt.

 
Auf dem Hof groß geworden, landwirtschaftliche Lehre, Meisterausbildung, so lässt sich der Werdegang von Landwirt Erich Zirngibl kurz beschreiben. Seit 22 Jahren ist er Betriebsleiter auf dem eigenen Hof. "Mein Urgroßvater hat den Betrieb 1897 gekauft", sagt Zirngibl. "Damals wurde neben der Landwirtschaft noch ein Wirtshaus geführt. Mein Vater hat dieses dann aufgelöst und sich nur noch auf die Landwirtschaft konzentriert." Seitdem legt der Betrieb ein gesundes, kontinuierliches Wachstum hin. Erich Zirngibl betreibt heute einen Ackerbaubetrieb in der Klasse unter 100 Hektar, hat eine Bullenmast mit rund 200 Tieren und bewirtschaftet circa 25 Hektar Grünland.

Region mit intensivem Ackerbau

Der Hof liegt im "Herzen von Bayern", so der Landwirt, im Landkreis Eichstätt auf 375 bis 401 Meter über NN. Die durchschnittlichen Niederschläge betragen 600 Millimeter. Die mittlere Jahrestemperatur ist mit 7,9 Grad Celsius relativ niedrig. Die durchschnittliche Ackerzahl beträgt 74. Die vorherrschenden Bodenarten sind diluvialer Löß und Lößlehmböden sowie Rendzina. "In der ganzen Region wird intensiver Ackerbau betrieben, hauptsächlich Kartoffeln, Zuckerrüben und Hopfen", erklärt Zirngibl. "Es gibt nur wenige Tierhalter beziehungsweise Veredelungsbetriebe und im Umkreis von 20 Kilometern keine Biogasanlage."
 
Die Fruchtfolge auf Zirngibls Betrieb besteht aus Winterweizen, Zuckerrüben und Silomais. Des Weiteren werden Zwischenfrüchte wie Ölrettich, Senf und Erbsen angebaut sowie Ackergras, Luzerne und Miscanthus. Mit letzterem wird die eigene Hackschnitzelheizung angefeuert. Erich Zirngibl probiert auch gerne Neues aus. Auf einigen Feldern hat er Versuche am laufen. "Obwohl ich einen konventionell wirtschaftenden Betrieb mit Pflug betreibe, versuche ich das Bodenleben anzuregen. Deshalb setze ich manchmal auch nur den Grubber zur Grundbodenbearbeitung ein", erklärt der Landwirt. "Davor bekommen die Regenwürmer eine Extraportion Mist. Ich muss nicht nur meine Tiere im Stall füttern, sondern auch die auf dem Feld."

Regionale Vermarktung der Bullen

Die Bullenmast hat Erich Zirngibl von seinem Vater übernommen. Auch der Großvater hat schon Bullen gemästet. Damals wurde hauptsächlich Rübenblattsilage verfüttert. Der Vater hat dann mit dem Maisanbau begonnen und die Maissilage eingeführt. Außerdem bekommen die Tiere Weizen aus eigenem Anbau. "Ich verfüttere den E-Weizen an meine Tiere und verkaufe den B-Weizen. Dafür bekomme ich pro Dezitonne nur 50 Cent weniger als für den Normalweizen", sagt der Landwirt. "So gehen in diesem Jahr 100 Tonnen trockener E-Weizen mit 15 Prozent Rohprotein und einer Fallzahl von 385 in den Trog zu meinen Burschen." Verkauft werden die Bullen an einen lokalen Metzger, der zehn Filialen in der Region betreibt. "Die regionale Vermarktung liegt mir besonders am Herzen, mein Abnehmer ist nur fünf Kilometer entfernt", erklärt Zirngibl.

Ackerbausaison ist im vollen Gange

Auf den Feldern ist bereits einiges passiert. Ende März wurden die Zuckerrüben ausgesät. Dazu hat Zirngibl die Rübenschläge mit einem nicht-selektiven Herbizid von Altunkräutern und Ungräsern befreit und das Saatbett mit einer Kurzscheibenegge vorbereitet. Für die Saat verwendete er ein 6-reihiges Zuckerrübenmulchsaatgerät. "Leider gab es einen starken Frost mit minus fünf Grad Celsius. Der Schreck der Bauern. Dabei sind die Rüben ein wenig in Mitleidenschaft gezogen worden", sagt der Landwirt. Auch die erste NAK wurde bereits gefahren. "Das Goltix Metamitron ist im Gegensatz zum letzten Jahr um über zehn Euro gestiegen. Deshalb setze ich es nicht mehr ein und verwende stattdessen das Herbizid Rebell", so Zirngibl.
 
Der Weizen ist gut durch den Winter gekommen. Der Landwirt hat keine Auswinterungsschäden zu verzeichnen. Auf die Schläge wurde ein selektives Herbizid ausgebracht. "Bei der Auswahl des Mittels verlasse ich mich auf meine Erfahrung, schaue aber auch in den Beständen nach. Die Problemunkräuter sind hier hauptsächlich Taubnessel, Ehrenpreis, Klettenlabkraut und Ackerfuchsschwanz", erklärt der Landwirt. "Danach habe ich Gülle gefahren."
 
Als nächstes steht die Maisaussaat an. "Die Schlehen blühen bereits. Das ist ein Zeichen, dass ich langsam mit der Maisaussaat beginnen kann", sagt Zirngibl. "Vorher muss ich die Bestände mit einem nicht-selektiven Herbizid abspritzen und eine Bodenbearbeitung durchführen, da ich relativ viele Mäuse auf den Schlägen entdeckt habe." Der Mais folgt auf den Winterweizen. Als Zwischenfrucht wurde ein Erbsen-Ölrettich-Gemisch angebaut.

Leidenschaftlicher Rübenroderfahrer

Erich Zirngibl kann auf seinem Betrieb nicht immer alles alleine machen. So werden beispielsweise der Drusch und das Pressen von Heu und Stroh von einem Lohunternehmer durchgeführt. "Allein durch die Arbeit bei meinen Bullen habe ich bereits eine 35 Stunden Woche. Der Rest, mit dem Papierkram, kommt noch dazu", sagt der Landwirt. Die Silomaisernte wird in Kooperation mit Kollegen durchgeführt. "Wir arbeiten miteinander, solange, bis das Vogelschutznetz auf dem Silo ausgelegt ist." Auch die Rübenernte wird gemeinschaftlich durchgeführt. "Das Rübenroderfahren ist seit 19 Jahren meine Leidenschaft, da man dort mit den Kollegen zusammen kommt", erklärt er. Trotzdem schafft Erich Zirngibl es noch, nebenbei als Subunternehmer in der Grünflächenpflege zu arbeiten. "Das mache ich in meiner Freizeit", so der Landwirt.
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