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Steuer und Finanzen

BVA: Getreidemärkte knapp versorgt

© Mühlhausen/landpixel
von , am
13.01.2012

Auf die Getreide- und Ölsaatenmärkten wirken viele Faktoren. In den letzten Monaten haben sowohl Wetterextreme als auch Veränderungen in Angebot und Nachfrage die Märkte beeinflusst.

© krick/agrar-press
Hinzu kamen politische Faktoren sowie der Einfluss der Finanzmärkte. Im Rahmen eines Pressegesprächs hat der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft gestern eine Einschätzung zu den Märkten gegeben.

In Deutschland ist Futtergetreide knapp

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Der Präsident des BVA, Bruno Fehse, analysierte die Situation an den Getreidemärkten. Dabei kam er unter anderem zu dem Schluss, dass derzeit vor allem die Nachfrage nach Futtergetreide das Preisniveau in Deutschland bestimmt. Insgesamt schätzte der BVA-Präsident die Marktversorgung in Deutschland als relativ eng ein. Das zeigte sich auch darin, dass in manchen Regionen landwirtschaftliche Betriebe Futtergetreide zukaufen müssen, die sich bislang ohne Probleme selbst versorgen konnten.
 
Europaweit gesehen ist die Versorgunglage jedoch besser. Der Export läuft nach Einschätzung des BVA-Präsidenten bislang schwach. Ursache ist zum einen das relativ knappe Angebot, dass auch für ein attraktives Preisniveau am Binnenmarkt sorgt. Zum anderen lagen die Exportpreise der Schwarzmeerländer bislang deutlich unter den Preisen der Europäer. Für die kommenden Monate geht der BVA-Präsident wegen des sehr knappen Angebotes von keinen größeren Preisrückgängen aus.
 
Bioenergie verändert die Anbaustrukturen
 
Verursacht wird die enge Versorgung in Deutschland nach Einschätzung der BVA-Experten zum einen durch die vergleichsweise schwache Ernte. Zum anderen verringert sich jedoch durch den zunehmenden Anbau von Energiepflanzen, insbesondere von Silomais, die Möglichkeit ausreichend Futter- und Nahrungsgetreide zu erzeugen. In Folge dieser Situation steigen nicht nur die Pachtpreise sondern letztlich auch die Preise für die Futter und Agrarrohstoffe. Setzt sich diese Entwicklung fort, müsste Deutschland zunehmend Futtermittel und Nahrungsgetreide importieren. Gleichzeitig dürften die Probleme der deutschen Verarbeiter bei der Beschaffung ihrer Rohstoffe zunehmen.
 
Importe von Biodiesel und Pflanzenöl
 
Auch bei Raps dürfte die Versorgung im weiteren Jahresverlauf immer enger werden. Zu dieser Einschätzung kam Bernd Kleeschulte, der Vorsitzende des BVA-Ölsaatenausschusses. In Deutschland ist die Rapsernte immerhin 1,8 Millionen Tonnen kleiner ausgefallen als im letzten Jahr. Trotz dieses engen Angebotes lief der Markt bis vor kurzem eher seitwärts. Beträchtliche Biodiesel- und Pflanzenölimporte begrenzten - neben anderen Faktoren - das Potential nach oben. Gleichzeitig sind die vorhandenen Verarbeitungskapazitäten in Deutschland nicht ausgelastet. Durch die ungünstiger werdenden politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen, besteht nach Einschätzung von Kleeschulte sogar die Gefahr, dass der Rapsanbau in Deutschland künftig an Bedeutung verliert.
 

Zunahme des weltweiten Weizenanbaus für 2012/13 erwartet

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