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Steuer und Finanzen

BW: 35 neue Genossenschaften in einem Jahr

© Marco Barnebeck/pixelio.de
von , am
16.04.2014

Stuttgart - Im Süden Deutschlands herrscht ein Gründüngsboom bei Genossenschaften. 35 neue Mitglieder verzeichnete der BWGV im vergangenen Jahr, 22 davon sind Energiegenossenschaften.

22 neue Energiegenossenschaften sind im Südwesten im Jahr 2013 dazugekommen. © Marco Barnebeck/pixelio.de
Im Südwesten Deutschlands geht der Gründungsboom bei Genossenschaften unvermindert weiter. Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV), der in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, konnte nach eigenen Angaben 2013 insgesamt 35 neue Mitglieder hinzugewinnen, davon 22 Energiegenossenschaften; im laufenden Jahr sind bereits zehn Neugründungen zu verzeichnen.
 
"Unsere Rechts- und Unternehmensform boomt weiterhin, und das völlig zu Recht," erklärte BWGV-Präsident Roman Glaser auf einer Pressekonferenz in Stuttgart. Eine Genossenschaft sei perfekt für die Lösung vieler Zukunftsherausforderungen geeignet. Zu beobachten sei vor allem eine noch nie dagewesene Vielfalt unter den Mitgliedern.

Im Land der Genossenschaften

Die eingetragene Genossenschaft verbindet nach Glasers Ansicht in idealer Weise den wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung und kommt dem Wunsch der Menschen nach Mitbestimmung entgegen. Entsprechend rechnet der Verbandspräsident mit weiteren Gründungen in den kommenden Jahren.
 
Hinter den mehr als 900 Mitgliedsunternehmen des BWGV stehen laut Glaser mittlerweile gut 3,73 Millionen Einzelmitglieder - also jeder dritte Einwohner Baden-Württembergs - und mehr als 34.500 Arbeitsplätze. Zudem bildeten die Genossenschaften im Südwesten insgesamt gut 3.100 junge Menschen aus, 650 in Warenbereich und 2.450 bei Banken. "Wir können mit Fug und Recht sagen: Baden-Württemberg ist das Land der Genossenschaften", hob der BWGV-Präsident hervor.

Großer Nutzen für Erzeuger

Nach Glasers Worten spielen Genossenschaften besonders im ländlichen Raum eine sehr große Rolle. Sie bildeten nicht selten das Rückgrat dieser Regionen, dienten dem Erhalt der Kulturlandschaft, produzierten sichere Nahrungsmittel sowie nachwachsende Rohstoffe und böten dezentrale Arbeitsplätze.
 
"Genossenschaften sorgen für wirtschaftliche Wertschöpfung vor Ort, mit fairen und nachhaltigen Geschäftsmodellen", stellte der BWGV-Präsident fest. Selbst die EU-Kommission habe jüngst in der Studie "Support for Farmers` Cooperatives" die Bedeutung und die enormen Vorzüge von Genossenschaften für die ländlichen Räume und die landwirtschaftlichen Erzeuger herausgestellt. Darin sei beispielsweise festgestellt worden, dass ländliche Genossenschaften ihren Mitgliedern den Marktzugang in einem von Preisschwankungen und Umwelteinflüssen geprägten Umfeld sicherten, ihre Markt- und Verhandlungsposition stärkten und Marktrisiken sowie Transaktionskosten reduzierten. Außerdem setzten sie in ihrer Funktion als Mittler zwischen Erzeugern und Märkten wichtige Innovationsimpulse und sorgten für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Branche.

Unterschiedliche Umsatzentwicklung

Laut Darstellung des BWGV haben sich die Umsätze der 629 Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr gegenüber 2012 um 1,7 Prozent auf 8,58 Milliarden Euro verringert, vor allem durch schwächere Geschäfte im Handel. Die 349 landwirtschaftlichen Genossenschaften haben ihre Erlöse um 1,2 Prozent auf 3,65 Milliarden Euro gesteigert. Zuwächse gab es bei Milch, Wein sowie Obst und Gemüse, während beim Viehhandel und bei der allgemeinen Warenwirtschaft Rückgänge verzeichnet wurden.
 
In der Warenwirtschaft gingen die Erlöse der 47 Genossenschaften - inklusive des Warengeschäfts der Banken - um 5,1 Prozent auf 1,23 Milliarden Euro zurück. Bei der ZG Raiffeisen eG in Karlsruhe, der mit Abstand größten landwirtschaftlichen Genossenschaft beim BWGV, war ein Umsatzrückgang um 7,4 Prozent auf 502 Millionen Euro zu verzeichnen. Dies ist vor allem auf eine witterungsbedingt schlechte Maisernte zurückzuführen, aber auch auf die im vergangenen Jahr spürbar gesunkenen Preise für Getreide und Mais. Mit der Gesamternte 2013 zeigten sich die Genossenschaften laut BWGV überwiegend zufrieden. Erfasst wurden insgesamt 542.000 Tonnen Weizen, Gerste, Raps, Roggen, Hafer und andere Ackerfrüchte; das waren 16,3 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Weinbaugenossenschaften im Strukturwandel

Im Weinbau hatte die kühle und nasse Witterung des vergangenen Jahres laut BWGV zu deutlichen Ertragseinbußen geführt, doch die Weine des Jahrgangs 2013 böten durchaus eine sehr ansprechende Qualität und Finesse. Die Winzer- und Weingärtnergenossenschaften lagerten im vergangenen Jahr insgesamt 143,8 Millionen Liter Most ein; das entspricht im Vergleich zu 2012 einem Rückgang um 25,1 Millionen Liter beziehungsweise 14,8 Prozent. Der Absatz von Wein und Sekt verringerte sich um zwei Prozent auf 158,5 Millionen Liter. Ihren Umsatz steigerte die genossenschaftliche Weinwirtschaft um 2,2 Prozent auf insgesamt 547 Millionen Euro.
 
Nach Angaben des BWGV steht die Weinwirtschaft noch immer in einem intensiven Strukturwandel. Sowohl in Baden als auch in Württemberg hat die Zahl der Weinerzeuger in den letzten zehn Jahren um mehr als ein Viertel abgenommen. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Genossenschaften von 123 auf 119 - plus die beiden Zentralen in Möglingen und Breisach.

Milchwerke legen zu

Die Umsätze der sieben milchverarbeitenden Betriebe in Baden-Württemberg haben sich 2013 um 13,9 Prozent auf 729 Millionen Euro erhöht, insbesondere durch spürbare Preisanstiege bei Milchprodukten. Die weltweit hohe Nachfrage - vor allem in Asien - führte zu einem höheren Preisniveau auf dem Weltmarkt, wovon auch die inländischen Hersteller profitierten. Der Milchauszahlungspreis je Liter legte von knapp 32 Cent netto auf mehr als 37 Cent, die erfasste Menge um 0,3 Prozent auf 1,18 Millionen Tonnen zu.
 
Die 22 Genossenschaften, die frisches Obst, Gemüse und Blumen aus Baden-Württemberg vermarkten, haben 2013 ihren Umsatz um 3,6 Prozent auf 376 Millionen Euro gesteigert. Die Entwicklung ist sowohl auf Mengen- als auch auf Preisaufschläge zurückzuführen.
 
Ein Bereich, der sich seit Jahren sehr positiv entwickelt, sind laut BWGV die Energiegenossenschaften. Deren Zahl hat sich bis Ende 2013 durch 22 Neugründungen auf 137 erhöht. Beim Umsatz ging es um 6,4 Prozent auf 109 Millionen Euro nach oben. Im laufenden Jahr sind bereits weitere sechs Energiegenossenschaften hinzugekommen.
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